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Warum junge Eltern in die Rollenfalle tappen

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Junge Eltern  

Die Rollenfalle schnappt zu

08.10.2014, 14:26 Uhr | mmh, t-online.de

Warum junge Eltern in die Rollenfalle tappen. Streiten in der Partnerschaft? Das  muss sein, sagen Experten.   (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Streiten in der Partnerschaft? Das muss sein, sagen Experten. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Rollenklischees? In unserer modernen Gesellschaft? Wir doch nicht, das haben wir hinter uns gelassen, da stehen wir drüber! Papas wechseln Windeln, Mamas machen Karriere, Papa nimmt Elternzeit, Mama geht mit zum Fußball. Stimmt nicht. Zumindest dann nicht mehr, wenn Kinder und das wahre Leben die Pläne durchkreuzen.

Dann nämlich tappen viele junge Eltern in alte Rollenklischees und zusätzlich schnappt die Karrierefalle zu. Ein belastender Kreislauf beginnt, den die Partner allerdings oft extrem unterschiedlich wahrnehmen. Plötzlich kochen Themen wie Gleichberechtigung, Familiennamen, finanzielle Abhängigkeit, Karriere oder Rabenmutter-Vorwürfe hoch.

Babykram contra Karriereleiter

Es ist der eine Moment am Abend, der in höchster Konzentration und schonungsloser Klarheit das offenlegt, was passiert, wenn Mann und Frau Eltern werden: Er öffnet die Haustüre nach einem anstrengenden, vielleicht erfolgreichen Arbeitstag, hebt das fröhliche Kind hoch und spielt mit ihm. Sie steht am Herd, um der kleinen Familie ein gesundes und leckeres Abendessen zuzubereiten. Nach einem Tag als Mutter, der keine Anerkennung von Vorgesetzten oder Feedback von Kollegen gebracht hat, allenfalls Gespräche mit Müttern am Spielplatz über Babykram. Denn auf den Spielplätzen sind trotz Väterzeit immer noch zu 90 Prozent Mütter mit dem Nachwuchs. Erschöpft ist sie trotzdem, aber ohne vorzeigbare Erfolge. Und welche Frau empfände es als Auszeichnung zu hören: "Wow, heute hast du aber ganz hervorragend geputzt!"

UMFRAGE: ROLLENKLISCHEES
Müssen Elternpaare zwangsläufig in die Rollenfalle tappen?

Finanzielle Abhängigkeiten entstehen

Für den Elternteil, der die überwiegende Zeit mit dem Kind verbringt, ist es eine extrem einschneidende Veränderung, sich in das Familienleben zurückzuziehen. Ein großes Stück Individualität und Selbstbestimmung wird für das Kind aufgegeben, neue Abhängigkeiten, insbesondere finanzielle, entstehen.

Selbst wenn es nur eine vorübergehende Phase ist und dazu selbst gewählt, ist die Veränderung nur schwer zu akzeptieren und hinterlässt Spuren in der Partnerbeziehung und im eigenen Selbstwertgefühl. Auch wenn viele Frauen sich bewusst sind, dass der Job nicht nur Spaß und Selbstbestätigung bringt, sondern genauso oft Kritik, Misserfolge und Taktieren bedeutet, nagt oft der Neid auf den arbeitenden Partner an ihnen.

Frauen auf uralten Abwegen

Für einen gewissen Zeitraum verlieren Mütter häufig den Zusammenhang zwischen privatem und öffentlichem Bereich aus den Augen - ein Fehler, wie die erfolgreiche Publizistin Bascha Mika, Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau, warnt. In dem Buch "Du klingst wie deine Mutter" appelliert sie als eine der befragten Experten: "Frauen sollten sich dem überhöhten Anspruch an die perfekte Frau verweigern." Doch es mangele an etwas Entscheidendem: "Es fehlt der Mut, sich gegen konservative Erwartungen und die typisch weibliche Rolle zu wehren." Die Geschlechterfrage ist laut Mika noch lange nicht gelöst. Frauen folgten einer uralten Spur und übersehen, dass sie sich einem alten Muster unterordnen.

Sie und Er - zwei Perspektiven des Familienlebens

Die Autorin Diana Faust greift diese Klischees in ihrem Buch "Du klingst wie deine Mutter. Warum junge Eltern so schnell in die Rollenfalle tappen" auf. Sie kontert die "Sie"-Perspektive mit der "Er"-Sicht auf das Familienleben eines ehemals modernen Paares.

Beispiel: Nachtschicht beim weinenden Kind. Sie: Wieso stehe nur ich ständig auf, wenn unser Kleiner getröstet werden muss? Er: War da was? Neben Schuldzuweisungen an den Partner, dass alle Last rund um die Kinder an ihr hängen bliebe, fallen Frauen trotzdem häufig in die Rolle des "Maternal Gatekeepers", der dem Mann den Zutritt zur Kinderwelt verwehrt.

Diese typischen Situationen zwischen Eltern beschreibt Faust nicht nur, sondern bietet Hintergrundinformationen von Experten aus den Bereichen Soziologie, (Evolutions-)Psychologie, Paartherapie, Hirnforschung und Psychiatrie.

Rollenverteilung macht das Leben einfacher

Manches daran ist motivierend, anderes ernüchternd, wie die Einschätzung des Paartherapeuten Peter Watt-Kugler: "Der Gleichklang im Alltag, den Kinder brauchen, ist für einen Erwachsenen, der vorher frei war zu tun, was er wollte, eine Zumutung." Er sieht in der Rollenfestlegung allerdings auch Vorteile: "Das Leben ohne klare Rollenverteilung ist deutlich komplizierter, komplexer und anstrengender." Ein Tipp vom Profi heißt: gelegentlicher Rollentausch. Ein anderer Vorschlag: Mama- und Papa-Zeiten schaffen.

Konflikte sind für diese Paare zwar vorprogrammiert, aber können auch fruchtbar sein: "Paare, die nie streiten, trennen sich."

Beispiel Einkaufsliste. Dazu sagt Hirnforscher Gereon Fink: "Interesse ist das A und O. Ein Mann kann ebenso gut wie eine Frau eine Einkaufsliste erstellen. Er muss sich nur dafür interessieren. Tut er das nicht, wird er es nicht so gut machen wie jemand, der seine Aufmerksamkeit darauf richtet."

Die "Rollenfalle" führt zur finanziellen Krise

Die "Rollenfalle" kann schließlich für Frauen sogar zur Existenzkrise führen, erklärt die Soziologin Ute Gerhardt: "Die Ehe ist auch juristisch keine Versorgungseinrichtung mehr - und für eine moderne Frau ist es kein Leitbild mehr, Hausfrau zu sein." Frauen müssten raus aus der Isolation und aufhören, ihre Situation als Einzelschicksal zu begreifen, fordert sie.

Immer wieder fühlten sich Frauen verpflichtet, sich für Einkäufe außerhalb der Reihe - Kleidung, Schuhe - zu entschuldigen. Die Soziologin Sigrid Metz-Göckel hat einen radikalen Vorschlag parat: "Fordern Sie die Hälfte seines Gehalts. Wenn die Frau nicht mehr berufstätig ist und auch kein Geld mehr verdient, gerät sie ihrem Mann gegenüber in eine schlechte Verhandlungsposition. Sie hat wenige Argumente, um Haushaltsarbeiten und Kindererziehung mit ihm zu teilen. Darum: Wenn sich Frauen mit kleinen Kindern in Abhängigkeit zu ihrem Mann begeben, dann sollten sie schon während der Schwangerschaft verhandeln und die Hälfte seines Gehalts fordern für die Erziehungsarbeit, die sie leisten."

Diese zwölf Minenfelder der Paarbeziehung definiert die Autorin und arbeitet sie mit Experten in dem Buch "Du klingst wie deine Mutter" auf:

  • SIE: Das Kochlöffel-Syndrom | ER: Die Stress-Paula
  • SIE: Gute Nacht, Baby - Aufstehen im Stundentakt | ER: War was?
  • SIE: Sehe ich aus wie Inspektor Gadget? | ER: Du hast doch jetzt so viel Zeit, kannst du mal schnell?
  • SIE: Schau in den Kühlschrank, das hilft | ER: Mach mir eine Einkaufsliste
  • SIE: Lass mal, ich mach das schon | ER: Auch ich kann ein Kind anziehen
  • SIE: Mein Nachmittag auf dem Spielplatz | ER: Achtung, Glucken-Alarm
  • SIE: Öde Odyssee - auf Jobsuche | ER: Halbtags gewinnt man keinen Blumentopf
  • SIE: Mein Warenkorb gehört mir | ER: Schon wieder neue Schuhe?!
  • SIE: Mein Name, geopfert der Familie | ER: Mein Name ist Gesetz(t)
  • SIE: Chef, ich nehme Elternzeit | ER: Du tust es für dich. Nicht für mich
  • SIE: Rabenmütter - das schlechte Gewissen, mein ständiger Begleiter | ER: Schlechtes Gewissen - hä?
  • SIE: Wir haben neue Sonntagsväter | ER: Wie viel verdienst du gleich noch?

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