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Krankes Kind - diese Rechte haben berufstätige Eltern

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Fieber messen statt Meeting  

Krankes Kind und strenger Chef - diese Rechte haben berufstätige Eltern

25.11.2014, 11:33 Uhr | Bettina Levecke, dpa-tmn

Krankes Kind - diese Rechte haben berufstätige Eltern. Auf der Arbeit stehen wichtige Termine an, aber das Kind ist krank geworden - eine Situation, die allen berufstätigen Eltern Stress bereitet. (Quelle: dpa/Silvia Marks)

Auf der Arbeit stehen wichtige Termine an, aber das Kind ist krank geworden - eine Situation, die allen berufstätigen Eltern Stress bereitet. (Quelle: Silvia Marks/dpa)

Zehn Erkältungen pro Jahr gelten bei Kindern als normal. Zusätzliche Kinderkrankheiten sind da noch nicht mitgerechnet. Für berufstätige Eltern wird das schnell zu einem Problem: Wer kann zu Hause bleiben? Was tun, wenn der Chef Stress macht? "Jeder Arbeitnehmer hat ein Recht darauf, von der Arbeit freigestellt zu werden, wenn sein Kind krank ist", sagt Michael Henn vom Verband deutscher Arbeitsrechtsanwälte in Stuttgart. Aber es gibt Einschränkungen.

Den rechtlichen Rahmen dafür geben Paragraf 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs und Paragraf 45 des Sozialgesetzbuchs V. Paragraf 616, sieht vor, dass jeder Arbeitnehmer, der unverschuldet fehlt - und dazu gehört auch die Erkrankung eines Kindes - für bis zu fünf Tage Anspruch auf Lohnfortzahlung hat. Dafür ist ein ärztliches Attest nötig und unter Umständen der Nachweis, dass keine andere Betreuungsperson zur Verfügung steht.

Nicht jeder Arbeitgeber gewährt Lohnfortzahlung

"Allerdings beinhaltet nicht jeder Arbeits- und Tarifvertrag diesen Paragrafen", sagt Henn. Der Arbeitgeber kann diese Regelung ausschließen. Dann greift automatisch Artikel 45 des Sozialgesetzbuches. Dieser besagt, dass jeder Elternteil von pflegebedürftigen Kindern unter zwölf Jahren sich zehn Tage pro Jahr für die Betreuung freinehmen darf. Bei Alleinerziehenden sind es 25 Tage. "Hier gibt es dann aber keine Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber, sondern Kinderkrankengeld von der gesetzlichen Krankenkasse."

Nachteil bei der privaten Krankenversicherung

Hier gibt es einen Nachteil für Privatversicherte: Sie haben diese finanzielle Absicherung nicht. Das gilt auch, wenn zum Beispiel eine berufstätige Mutter einer gesetzlichen Krankenversicherung angehört, die Kinder aber über die private Krankenversicherung des Vaters mitversichert sind.

Sich selbst krank melden ist Betrug

Wäre es nicht am einfachsten, sich selbst krank zu melden? "Das ist Betrug und kann zur fristlosen Kündigung führen", warnt Henn. Im Notfall, zum Beispiel wenn bereits alle Krankentage aufgebraucht sind, sei unbezahlter Urlaub eine bessere Überbrückungsmöglichkeit. "Auf Dauer ist sehr häufiges Fehlen aber schon problematisch für den Betrieb", gibt Henn zu bedenken.

Juliane Ade, Rechtsanwältin und Mediatorin aus Berlin, rät berufstätigen Eltern deshalb zu Offenheit gegenüber der Arbeitgeber, wenn häufiges Fehlen wegen kranker Kinder absehbar ist. "Oft merkt man ja schon unterschwellig, wenn der Chef kein Verständnis für die Situation hat." Im schlimmsten Fall drohe ein Teufelskreis: "Erst ist es nur die Unzufriedenheit über das häufige Fehlen, dann kommt vielleicht noch Kritik an der Arbeit hinzu, und irgendwann entsteht ein brenzliges Gemenge von Kritikpunkten." Ist das Kind erneut krank, gibt es schnell dicke Luft. Bei einem schwierigen Chef kann es sinnvoll sein, sich vom Betriebsrat beraten zu lassen. "Es ist wichtig, das Problem aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, um Lösungsansätze zu finden", sagt Ade.

Ein Zeitkonto kann die Situation entspannen

Fordert der Chef Überstunden und Extraschichten, müssten Arbeitnehmer sich darauf rein rechtlich nicht einlassen: "Außer sie halten diese selbst für eine gute Lösung", sagt Henn, der noch andere Kompromisse nennt: "Vielleicht ist eine Gleitzeitregelung eine Erleichterung oder ein Arbeitszeitkonto, bei dem der Arbeitnehmer sich die Stunden selbst einteilen kann und dadurch flexibler wird."

Auch Eltern-Kind-Büros können eine Alternative sein. "Aus Gründen der Arbeitssicherheit geht das aber nur, wenn das Kind nichts Ansteckendes hat", sagt Christophe Göller, Pressesprecher beim Landschaftsverband Rheinland (LVR). Der LVR hat seinen Mitarbeitern ein Eltern-Kind-Zimmer zur Verfügung gestellt, hauptsächlich zur Überbrückung von Ferien und freien Kita-Tagen. Manche Unternehmen bieten für Bürotätigkeiten auch Homeoffice-Regelungen an.

Dank an Kollegen verbessert die Stimmung

Wer häufig fehlt, sammelt bei den Kollegen keine Pluspunkte, denn sie müssen meist die Arbeit auffangen. Um schlechter Stimmung vorzubeugen rät Ade: "Klären Sie Ihre Kollegen über wichtige Aufgaben und Termine auf, machen Sie nach Ihrer Rückkehr eine kleine Lagebesprechung." Entschuldigen müsse man sich für das Fehlen nicht: Aber Anerkennung in Form eines ehrlich gemeinten Dankeschöns schade nicht.

Wenn das Kind krank ist, endet bei berufstätigen Partnern oft die Gleichberechtigung. Laut einer Studie der Krankenkasse DAK bleibt in 91 Prozent der Fälle die Mutter zu Hause beim Kind - und nimmt den Unmut von Chef und Kollegen und schlimmstenfalls Abstriche bei der Karriere in Kauf.

Notmütterdienst springt ein

Wenn die Arbeit auf keinen Fall ein Fehlen zulässt, kann auch ein Kinderbetreuungsdienst eine Lösung sein. Im Großraum Frankfurt/Main, Berlin, Hamburg und Köln bietet das zum Beispiel der Notmütterdienst an. "Berufstätige Eltern können bei uns Betreuer anfordern, die dann stundenweise oder rund um die Uhr, das kranke Kind betreuen", sagt Birgit Rosenbaum vom Notmütterdienst in Frankfurt. Nicht immer gelingt es kurzfristig, eine passende Betreuungsperson zu organisieren. Bis zu zwei Tage Vorlauf müssten Eltern einkalkulieren. Die Kosten von rund 15 Euro pro Stunde müssen Eltern aus eigener Tasche bezahlen. "Nur wenn Mutter oder Vater selbst krank sind, können wir unsere Leistung über die Krankenkasse abrechnen." Infos finden Eltern unter www.notmuetterdienst.org.

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