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Chancenspiegel 2014: Bildungssystem in Deutschland ist ungerecht

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So zäh und ungerecht ist das Bildungssystem in Deutschland

11.12.2014, 13:55 Uhr | mmh, t-online.de

Chancenspiegel 2014: Bildungssystem in Deutschland ist ungerecht. Deutsche Schulpolitik muss noch einige Hausaufgaben erledigen.  (Quelle: dpa)

Deutsche Schulpolitik muss noch einige Hausaufgaben erledigen. (Quelle: dpa)

Wer in Bayern sein Abitur gemacht hat, muss seinen Hochmut zurückschrauben, es ist nicht mehr so toll. Wer auf dem Land wohnt hat Pech in Sachen Bildung. Das sind nur zwei Spitzen aus der Bildungsstudie "Chancenspiegel 2014" der Bertelsmann-Stiftung. Wissenschaftler haben die Chancengerechtigkeit und Leistungsfähigkeit des deutschen Schulsystems unter die Lupe genommen, bis hin zu den einzelnen Städten. Alles in allem: Das Bildungssystem ist ungerecht.

Der Bildungserfolg ist nach wie vor stark von der sozialen Herkunft abhängig. Immer noch gibt es enorme Unterschiede zwischen einzelnen Städten und Kreisen in der Schulabschlussquote oder in der Möglichkeit, die Schulform zu wechseln, so die Ergebnisse der Wissenschaftler der Technischen Universität Dortmund und der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Der Chancenspiegel analysiert jährlich, wie gerecht und leistungsstark das jeweilige Schulsystem der Bundesländer ist.

Die Autoren der Studie sehen immer noch großen Handlungsbedarf, um die Bildungschancen in Deutschland weiter zu verbessern, denn das Gefälle zwischen den Bundesländern ist immer noch stark ausgeprägt. Nur zäh und langsam setzen sich Verbesserungen durch und zeigen positive Wirkungen.

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Wer etwa in Bayern die Schulform wechseln will, also beispielsweise von der Realschule an ein Gymnasium, der scheitert oft am extrem undurchlässigen Schulsystem. dagegen sind Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg in diesem Punkt vorbildlich. Regionale Unterschiede gibt es auch bei den Schulabbrecherquoten. Nordrhein-Westfalen legt hier eine niedrige Quote vor - und das flächendeckend - andere Bundesländer wie Sachsen-Anhalt haben dagegen eine relativ hohe. Klare Muster für die Verteilung der Chancen vermissen die Forscher, Antworten bleiben aus.

Große Unterschiede, aber kein Land ist der absolute Versager oder Gewinner

Bildungsforscher vergleichen für den Chancen-Spiegel die Durchlässigkeit der Schulsysteme sowie die Möglichkeiten der Schüler, sich gut ins Schulsystem zu integrieren, fachliche Kompetenzen zu entwickeln und gute Abschlüsse zu erhalten. Die diesjährige Neuauflage bestätigt: Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind groß, aber kein Land ist in allen Bereichen Spitze oder Schlusslicht. Im Ausmaß überraschend ist, dass Bildungschancen auch innerhalb der einzelnen Bundesländer regional höchst ungleich verteilt sind.

Die Chancengerechtigkeit in den Schulsystemenen der Bundesländer macht zwar stetige, aber nur langsame Fortschritte. Weniger Jugendliche verlassen die Schule ohne Abschluss, und der Anteil der Hochschulzugangsberechtigten steigt. Der Bildungserfolg jedoch ist nach wie vor stark durch den sozialen Hintergrund geprägt. Neuntklässler aus höheren Sozialschichten haben in Mathematik bis zu zwei Jahre Vorsprung vor ihren Klassenkameraden aus bildungsferneren Familien. Zum sozialen Profil einer Region zählen die Fragen nach durchschnittlichem Einkommen und Bildungsniveau der Bevölkerung sowie dem Risiko der Kinderarmut in der betrachteten Region.

Das sind die guten Nachrichten

Das sind die bundesweit positiven Trends: Seit dem Vorjahr sank erneut der Anteil der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss. Verließen 2011 noch 6,2 Prozent der Jugendlichen die Schule ohne Abschluss, waren es 2012 nur noch 6,0 Prozent (2009: 6,9 Prozent).

Gestiegen ist hingegen der Anteil der Jugendlichen, die Fachhochschul- beziehungsweise Hochschulreife erlangten. 2011 gelang dies 51,1 Prozent der Schulabgänger, 2012 bereits 54,9 Prozent (2009: 46,7 Prozent). Geringe Fortschritte stellt der Chancenspiegel bei schulischen Ganztagsangeboten fest. 2012 besuchten 32,3 Prozent der Schüler eine Ganztagsschule. Dieser Anteil hatte 2011 bei 30,6 Prozent gelegen. Der insgesamt langsame Ausbau deckt bei Weitem nicht die Nachfrage der Eltern nach Ganztagsplätzen; sie liegt bei 70 Prozent. Im gebundenen Ganztag - also in Schulklassen, die über den gesamten Tag gemeinsam als Klassenverband unterrichtet werden - lernen lediglich 14,4 Prozent der Schüler. Genau diese Ganztagsform, so die Bildungsforschung, bietet jedoch gute Rahmenbedingungen dafür, alle Schüler individuell optimal zu fördern.

Vehemente Forderung nach Ganztagsschulen

Der gebundene Ganztag kann am ehesten die Nachteile derjenigen Kinder ausgleichen, die in ihren Familien nur geringe Unterstützung erfahren. Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, forderte deshalb einen erheblich schnelleren Ausbau der Ganztagsangebote: "Ein Rechtsanspruch wäre der entscheidende Hebel, damit genügend Ganztagsschulen eingerichtet und bessere Konzepte entwickelt werden."

Zwischen Fortschritt und Stagnation sieht der Chancenspiegel die Teilhabechancen von Schülern mit Förderbedarf. Zwar gehen immer mehr Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf auf eine Regelschule, der Anteil der Sonderschüler jedoch bleibt konstant. "Dieses Doppelsystem schließt nach wie vor fast fünf Prozent aller Schüler vom Regelschulsystem aus. Außerdem bindet es wichtige Ressourcen, die für guten inklusiven Unterricht in den Regelschulen gebraucht werden", sagte Dräger.

Die Bildungsverlierer wohnen auf dem Land

Erstmals untersucht der Chancenspiegel nicht nur die Länderebene, sondern auch die Kreise und kreisfreien Städte. Die Bildungschancen sind auf der kommunalen Ebene höchst ungleich verteilt. In Bayern etwa verlassen landesweit nur 4,9 Prozent der Jugendlichen ohne Abschluss die Schule. Regional allerdings schwankt dieser Anteil zwischen 0,7 Prozent und 12,3 Prozent – auch bedingt durch das jeweilige Schulangebot vor Ort.

Beispiel Sachsen: Hier machen 44,7 Prozent der Schüler Fachabitur oder Abitur. Die kommunale Spannbreite liegt zwischen 32 Prozent und 63 Prozent. "Eine stärkere Unterstützung der regionalen Schulentwicklung durch die Länder ist ratsam. So kann der Entstehung von Ungleichheit begegnet werden, unabhängig von den kommunalen Finanzlagen", sagte Professor Wilfried Bos von der TU Dortmund.

Die Forscher bemängeln zudem, dass in Deutschland zu wenige Daten über Bildung erfasst würden, das erschwerte erneut die Erstellung des Chancenspiegels. Auf regionaler Ebene sind beispielsweise nur Daten für Durchlässigkeit und die Zertifikatsvergabe flächendeckend verfügbar gewesen.

Über den Chancenspiegel
Ziel dieses Bildungsberichts ist es, Chancengerechtigkeit zu erfassen und vergleichbar zu machen, damit Wissenschaft und Politik dieses zentrale Thema besser diskutieren und bewerten können, teilt die Bertelsmann-Stiftung mit, die selbst im Bildungsbereich agiert. Beleuchtet werden die vier Dimensionen Integrationskraft, Durchlässigkeit, Kompetenzförderung und Zertifikatsvergabe anhand von amtlichen Statistiken und empirischen Leistungsvergleichsstudien. Ein Gruppenvergleich stellt die Chancenprofile der Bundesländer dar. Herausgeber sind die Bertelsmann Stiftung, das Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS) der Technischen Universität Dortmund und das Institut für Erziehungswissenschaft (IfE) der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Hier finden Sie eine Zusammenfassung des Chancen-Spiegel 2014.

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