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Kinderwunsch: Social Freezing nimmt in Deutschland sprunghaft zu

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Sprunghafter Anstieg bei Social Freezing  

Immer mehr Frauen in Deutschland lassen Eizellen einfrieren

22.12.2014, 12:54 Uhr | Stefanie Järkel, dpa

Kinderwunsch: Social Freezing nimmt in Deutschland sprunghaft zu. Social Freezing: Kassetten mit eingefrorenen Eizellen lagern in einem Labor der Uniklinik in Tübingen in einem Stickstoffbehälter. (Quelle: dpa)

Kassetten mit eingefrorenen Eizellen lagern in einem Labor der Uniklinik in Tübingen in einem Stickstoffbehälter. (Quelle: dpa)

Social Freezing wird in Deutschland populär. Immer mehr Frauen in Deutschland lassen sich Eizellen entnehmen und einfrieren. Sie sind meist zwischen 35 und 39 Jahre alt, haben keinen Partner oder wollen aus beruflichen Gründen gerade kein Kind haben - sich aber die Chance auf eine spätere Mutterschaft offen halten. "Die Zahlen steigen sprunghaft an", sagt der Koordinator des wissenschaftlichen Netzwerkes Fertiprotekt, Michael von Wolff. Medizinethiker beurteilen diese Entwicklung kritisch.

Im Jahr 2013 entschieden sich in Deutschland 134 Frauen für Social Freezing, während es im Jahr 2012 nur 22 gewesen waren. Von Wolff geht davon aus, dass die Zahlen noch höher liegen, weil nicht alle Universitätsklinken und Kinderwunschzentren alle Behandlungen meldeten.

IT-Konzerne finanzieren Mitarbeiterinnen Social Freezing

Im Oktober sorgte die Nachricht in Deutschland für Aufruhr, dass die amerikanischen IT-Konzerne Facebook und Apple Mitarbeiterinnen bis zu 20.000 Dollar für das Einfrieren ihrer Eizellen zahlen wollen. Die Frauen sollten dadurch ihre Karrierepläne unabhängig von der biologischen Uhr verfolgen können. In Deutschland kritisierten Arbeitnehmervertreter, Unternehmen und Politiker das Angebot der Firmen. Es sei wichtiger, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern.

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Ursprünglich wurde das medizinische Verfahren entwickelt, um Krebspatientinnen nach einer Chemotherapie oder Bestrahlung den Kinderwunsch erfüllen zu können. Manche Frauen sind nach einer solchen Behandlung unfruchtbar.

Ab 35 kann es auch zum Einfrieren zu spät sein

Seit einigen Jahren bieten nun auch in Deutschland Universitätsklinken und Kinderwunschzentren "Social Freezing" an. Das Hauptproblem scheint dabei jedoch das Alter der Patientinnen zu sein. "Die Frauen kommen sehr spät", sagt die Leitende Oberärztin der Kinderwunschsprechstunde an der Tübinger Frauenklinik, Melanie Henes. Die meisten seien mindestens 35 Jahre alt. Dann lassen die Zahl und Qualität der Eizellen bereits nach. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) sagt, dass ab einem Alter von 38 Jahren nur noch jede dritte Eizelle das Auftauen übersteht. Eizellen von 25-Jährigen seien dagegen zu fast 100 Prozent intakt.

Größeres Risiko für ältere Mütter

Für den Präsidenten der DGGG und ärztlichen Direktor der Frauenklinik Tübingen, Diethelm Wallwiener, ist zudem klar: "Wir machen einen ganz neuen Problembereich auf." Ließen sich die Frauen erst so spät die Eizellen entnehmen, gebe es künftig noch mehr ältere Mütter. Zwar gilt: Je jünger die Eizellen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, und desto geringer die Gefahr von Behinderungen des Kindes sowie Schwangerschaftsabbrüchen. Aber je älter die Frau ist, desto größer ist auch die Gefahr beispielsweise Bluthochdruck und Schwangerschaftsdiabetes zu bekommen.

Bei der Entnahme der Eizellen seien die Risiken für die Frau allerdings "extrem niedrig", wie Oberärztin Henes sagt. In Einzelfällen könne es beispielsweise zu Blutungen in der Vagina kommen. Abgesehen vom Einfrieren und Auftauen der Eizellen entspricht das Verfahren einer künstlichen Befruchtung.

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Medizinethikerin kritisiert totale Unverbindlichkeit

Die Medizinethikerin Claudia Bozzaro beurteilt Social Freezing kritisch. Zum einen reagiere die Medizintechnik damit vor allem auf die Strukturen der modernen Arbeitswelt, auf die Schwierigkeit, Familie und Beruf zu vereinen. Zum anderen sei es auch aus psychologischer Sicht problematisch: "Frauen und Männer tun sich heute viel schwerer, endgültige Entscheidungen zu treffen." Viele hätten Probleme, sich auf einen Partner festzulegen. "Der Kinderwunsch ist eine Option unter Tausenden geworden." Social Freezing sei letztlich nur eine Fortsetzung dieses gesellschaftlichen Phänomens.

DGGG-Präsident spricht von Emanzipation

Für den DGGG-Präsidenten Wallwiener ist Social Freezing dagegen "nach Einführung der Pille die nächste Stufe der Emanzipation der Frau". Laut Oberärztin Henes kommen die meisten Frauen allerdings nicht aus Gründen der Karriereplanung zu ihr, sondern weil ihnen schlicht der Partner fehlt. Es seien Lehrerinnen, Anwältinnen, Ärztinnen. Dass es sich in der Regel um Akademikerinnen handelt, mag auch am Preis von meist mehr als 5000 Euro liegen.

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Wie viele der Frauen letztlich wieder auf ihre Eizellen zurückgreifen werden, wird sich zeigen. In einer spanischen Studie war es innerhalb von fünf Jahren nur jede 25. Frau. Offen blieb jedoch, ob die anderen Frauen noch weiter warten wollten, ihren Kinderwunsch letztlich begraben hatten - oder auf natürlichem Wege schwanger geworden waren.

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