Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Familie > Perspektive Deutschland >

Gesundheitsminister Gröhe diskutiert Sterbehilfe und Sterbebegleitung

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Gesetzentwurf zu "Sterben in Würde"  

Positionen zur Debatte um Sterbehilfe und Palliativmedizin

29.04.2015, 19:33 Uhr | dpa

Gesundheitsminister Gröhe diskutiert Sterbehilfe und Sterbebegleitung. "In Würde sterben" kann sehr verschieden interpretiert werden.  (Quelle: imago/epd)

"In Würde sterben" kann sehr verschieden interpretiert werden. (Quelle: imago/epd)

"Sterben in Würde" - das will jeder - für sich selbst und für seine Mitmenschen. Doch der Begriff ist weit interpretierbar. Für die einen bedeutet er ein unbedingtes Ja zu Sterbehilfe, für die anderen einen Ausbau der Pflege im letzten Lebensabschnitt. Der Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sieht einen Ausbau der Palliativversorgung vor. Dazu gehört neben der Betreuung der Menschen insbesondere die Schmerztherapie. Indirekt bezieht Gröhe damit auch Position in der Debatte über die Sterbehilfe, die er kritisch sieht: Eine gute Begleitung am Lebensende soll vermeiden, dass die Betroffenen sterben wollen.

Schwerstkranke und sterbende Menschen sollen künftig zu Hause, im Heim oder in Krankenhäusern wesentlich besser betreut und versorgt werden als bisher. Ziel des Entwurfs von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) für ein "Gesetz zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland" ist ein flächendeckendes Angebot, um solche Leistungen auch in ländlichen Gegenden anbieten zu können.

Die betroffenen Menschen sollen individuelle Beratungs- und Betreuungsangebote erhalten. Das Kabinett stimmte Gröhes Gesetzesvorhaben zu. Grünen und Sozialverbänden geht es aber nicht weit genug.

Palliativversorgung und Sterbebegleitung für alle

Nach dem Entwurf Gröhes wird Palliativversorgung, also die Betreuung sterbenskranker, meist schwer leidender Menschen, ausdrücklicher Bestandteil der Regelversorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung. Und Sterbebegleitung solle Bestandteil der sozialen Pflegeversicherung werden.

Die finanzielle Ausstattung stationärer Kinder- und Erwachsenen-Hospize wird verbessert. Die Krankenkassen tragen künftig 95 statt bisher 90 Prozent der zuschussfähigen Kosten. Nach Angaben von Ministeriumssprecherin Katja Angeli rechnet die Bundesregierung mit jährlichen Mehrkosten im Bereich eines unteren bis mittleren dreistelligen Millionenbetrages. Dem Vernehmen nach könnten sich die Kosten zunächst auf rund 200 Millionen Euro belaufen.

Reaktion auf parallele Debatte um Sterbehilfe

Mit seinem Hospiz- und Palliativgesetz reagiert Gröhe auch auf die parallel laufende Debatte über eine aktive Sterbehilfe. Gröhe lehnt jede über das bisherige Standesrecht der Bundesärztekammer hinausgehende Unterstützung eines sterbenskranken Suizidwilligen ab.

Nordrhein-Westfalens Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) erklärte: "Der Wunsch nach aktiver Sterbehilfe wird in den Hintergrund treten, wenn eine gute professionelle Versorgung Sterbender selbstverständlich ist. Denn auf diese Weise kann Menschen die Angst vor der letzten Lebensphase genommen werden."

Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Elisabeth Scharfenberg sagte: Die Koalition "tut zu wenig für die Angehörigen schwerstkranker und sterbender Menschen." Zudem solle sie endlich gegen den dramatischen Personalmangel in der Pflege vorgehen."Eine gute Pflege und eine gute Hospiz- und Palliativversorgung kosten Geld." Die Grünen hatten einen eigenen Entwurf zur Hospiz- und Palliativversorgung in den Bundestag eingebracht.

Patientenschützer fordern einen Rechtsanspruch auf professionelle Sterbebegleitung in Pflegeheimen. Dies betreffe jedes Jahr 340 000 Menschen, argumentierte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. Er forderte für die Sterbebegleitung in den letzten Lebenswochen eine Vollfinanzierung.

Kritik an Gröhes Gesetzesentwurf

Die Stiftung Patientenschutz kritisiert Gröhes Vorlage als unzureichend. Mit der Neuregelung würde die Kluft zwischen der Sterbebegleitung in Hospizen und Pflegeheimen weiter vergrößert, kritisiert Vorstand Eugen Brysch. In den Hospizen zahlten die Sozialkassen 255 Euro, in den Pflegeheimen nur 54 Euro. Dort müsse es stattdessen einen Rechtsanspruch auf professionelle Sterbebegleitung geben.

Auch der Sozialverband VdK drängt auf größere Anstrengungen für die Versorgung in den Pflegeheimen. Nach Auffassung des VdK greift der Gesetzentwurf hier zu kurz.

Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin fordert einen Palliativbeauftragten für jedes Krankenhaus und jede stationäre Pflegeeinrichtung. Einen "multiprofessionellen Palliativdienst" müsse es in jedem Krankenhaus mit mehr als 250 Betten geben.

Das sind die Eckpunkte im Palliativgesetz

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will die Versorgung sterbenskranker Menschen verbessern - und nimmt dafür zusätzliche 200 Millionen Euro in die Hand. Er legte dazu den Entwurf eines "Gesetzes zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland" (Hospiz- und Palliativgesetz) vor. Dieser regelt ambulante Palliativ- und Hospizversorgung in der häuslichen Umgebung und stationäre Versorgung in Pflegeeinrichtungen, Hospizen und Krankenhäusern.

  • Die Palliativversorgung wird ausdrücklicher Bestandteil der Regelversorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung. Niedergelassene Ärzte und Krankenkassen sollen zusätzlich vergütete Leistungen vereinbaren.

  • Um insbesondere in ländlichen Regionen den weiteren Ausbau der sogenannten spezialisierten ambulanten Palliativversorgung zu beschleunigen, wird ein Schiedsverfahren für entsprechende Versorgungsverträge der Krankenkassen mit den versorgenden Teams eingeführt.

  • Die finanzielle Ausstattung stationärer Kinder- und Erwachsenen-Hospize wird verbessert. Unterdurchschnittlich finanzierte Hospize erhalten so einen um 25 Prozent höheren Tagessatz je betreutem Versicherten von derzeit rund 198 Euro auf rund 255 Euro. Die Krankenkassen tragen künftig 95 Prozent statt bisher 90 Prozent der zuschussfähigen Kosten.

  • Bei den Zuschüssen für ambulante Hospizdienste werden künftig neben den Personalkosten auch die Sachkosten berücksichtigt (etwa Fahrtkosten der ehrenamtlichen Mitarbeiter).

  • Krankenhäuser können Hospizdienste künftig mit Sterbebegleitungen auch in ihren Einrichtungen beauftragen.

  • Sterbebegleitung wird ausdrücklicher Bestandteil der sozialen Pflegeversicherung. Kooperationsverträge der Pflegeheime mit Haus- und Fachärzten zur medizinischen Versorgung der Bewohner sind nicht mehr nur freiwillig, sondern sollen von den Vertragspartnern abgeschlossen werden. Ärzte, die sich daran beteiligen, erhalten eine zusätzliche Vergütung.

  • Die Krankenkassen werden zur Beratung der Versicherten bei der Auswahl verschiedener Leistungen der Palliativ- und Hospizversorgung verpflichtet.

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Dumme Idee 
Sprung auf Hai zeugt nicht gerade von Intelligenz

Diese Aktion hätte auch gerne in die Hose gehen können. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
Auf flachen Sohlen - Schuhe für die kühle Jahreszeit

Angesagte Stiefel, trendige Schnürer, klassische Stiefeletten u.v.m. jetzt entdecken bei BAUR.

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal