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"Regretting Motherhood": Autorin Orna Donath erstaunt über Erfolg in Deutschland

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Reaktionen auf "Regretting Motherhood"  

"Reue über Mutterschaft ist offenbar in Deutschland ein sehr empfindlicher Punkt"

05.05.2015, 18:36 Uhr | Sara Lemel, dpa

"Regretting Motherhood": Autorin Orna Donath erstaunt über Erfolg in Deutschland. Die israelische Soziologin Orna Donath freut sich über die Debatte zu "Regretting Motherhood". (Quelle: dpa/Tami Aven)

Die israelische Soziologin Orna Donath freut sich über die Debatte zu "Regretting Motherhood". (Quelle: Tami Aven/dpa)

"Ich bereue es, Mutter geworden zu sein." Nur wenige Frauen trauen sich, so einen Satz aussprechen. Die israelische Soziologin Orna Donath hat das Tabuthema mit einer Studie in die Öffentlichkeit geholt und damit in ein Wespennest gestochen. Mit dem Hashtag #RegrettingMotherhood (Mutterschaft bereuen) toben in sozialen Netzwerken heftige Debatten - vor allem in Deutschland. Das hat die Autorin überrascht.

"Ich freue mich, aber es ist auch ein bisschen merkwürdig", sagt die 39-Jährige im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Eine Erklärung dafür, warum ihre Untersuchung ausgerechnet im deutschsprachigen Raum eine so starke Resonanz findet, hat sie nicht - in ihrem Heimatland Israel seien die Reaktionen deutlich schwächer ausgefallen.

Sie lieben ihre Kinder - aber hassen die Mutterschaft

Donath befragte in den Jahren 2008 bis 2011 für ihre Studie unter dem Titel "Regretting Motherhood" 23 israelische Mütter. Die jüdischen Frauen aus verschiedenen sozialen Schichten waren im Alter von Mitte 20 bis Mitte 70 - einige davon auch schon Großmütter. Sie hatten alle gemeinsam, dass sie es bereuen, Mutter geworden zu sein. Die echten Namen der Frauen wurden in der Studie nicht genannt.

UMFRAGE
Bereuen Sie es, Eltern geworden zu sein?

Die meisten Mütter betonten, dass sie zwar ihre Kinder liebten, aber die Mutterschaft hassten. Eine Frau sagte, sie habe bereits wenige Wochen nach der Geburt ihre Situation als "Katastrophe" empfunden: "Es war der schlimmste Alptraum meines Lebens."

Für ihre Studie hat Donath nur Frauen ausgewählt, die auf folgende Frage mit einem klaren Nein antworteten: "Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, mit Ihrem heutigen Wissen und Ihrer Erfahrung, würden Sie dann nochmal Mutter werden?"

Es geht ihr dabei ausdrücklich nicht um Frauen, die mitunter negative Gefühle ihren Kindern gegenüber haben, sondern um echte, über Jahre anhaltende Reue und den Wunsch, die Uhr zurückzudrehen. Viele der Mütter in der Studie beschreiben das Gefühl, durch die Kinder ihr Leben, ihre Autonomie und ihre Identität verloren zu haben.

"Der Zwang zum Kinderkriegen ist enorm"

In Israel wird bis heute Bedauern und Reue eher von Frauen jenseits der Wechseljahre erwartet, die sich gegen eine Mutterschaft entschieden haben. "Seid fruchtbar und mehret euch" ist eine der wichtigsten Maximen der jüdischen Tradition. "Obwohl Mutterschaft mit so viel Unsicherheit verbunden und nicht rückgängig zu machen ist, ist der kulturelle Zwang zum Kinderkriegen in Israel enorm", schreibt Donath in der Untersuchung.

In Deutschland sei die Entscheidung gegen Kinder stärker gesellschaftlich akzeptiert, sagt die Soziologin. "Aber über Reue zu sprechen, wenn man bereis Kinder bekommen hat, das ist offenbar in Deutschland ein sehr empfindlicher Punkt." Letztlich sei ein solches Eingeständnis in allen Kulturen stark tabuisiert.

"Es muss darüber gesprochen werden"

Donath erhofft sich jedoch von ihrer Studie und der öffentlichen Debatte über das Thema ein Umdenken. Und, dass der Drucks auf Frauen nachlässt: "Es muss über die Möglichkeit gesprochen werden, dass die Mutterschaft nicht alle glücklich macht", sagt die Israelin, die sich selbst gegen Kinder entschieden hat. "Man sollte auf die Frauen vertrauen, dass sie wirklich selbst wissen, ob sie in der Lage sind Mütter zu werden oder nicht."

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