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"37 Grad" - Eltern auf Zeit: Baby Marco wurde fast totgeprügelt

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"37 Grad": Bei Anruf Eltern  

Eltern auf Zeit - Wenn fremde Kinder Hilfe brauchen

03.06.2015, 09:23 Uhr | cst, t-online.de

"37 Grad" - Eltern auf Zeit: Baby Marco wurde fast totgeprügelt. Veronica kümmert sich um ihr Pflegekind Marco, der von seiner Mutter schwer verletzt wurde. (Quelle: ZDF / Anabel Münstermann)

Veronica kümmert sich um ihr Pflegekind Marco, der von seiner Mutter schwer verletzt wurde. (Quelle: ZDF / Anabel Münstermann)

Pflegekinder stammen meist aus schwierigsten Familienverhältnissen. Oft sind sie traumatisiert, misshandelt oder auf Entzug und brauchen deshalb besonders viel Zuwendung und Aufmerksamkeit. Bis das Jugendamt über ihre Zukunft entschieden hat, leben sie bei Pflegefamilien. Wie Eltern auf Zeit mit dieser besonderen Herausforderung umgehen, zeigt das ZDF in seiner Reportagereihe "37 Grad".

2013 wurden über 42.000 Kinder zu ihrem eigenem Schutz aus ihren Familien geholt. Sie haben dort Gewalt und Verwahrlosung erfahren, ihre Eltern sind drogensüchtig, kämpfen gegen Überforderung oder mit psychischen Erkrankungen. Bis entschieden wird, wo die Kinder zukünftig leben sollen, werden sie bei sogenannten Bereitschaftspflegeeltern untergebracht. Bei solchen Familien kann jederzeit das Telefon klingeln und ein neues Kind ankündigen.

"Man weiß nie, was einen erwartet"

So ist es auch bei Veronika und Jürgen. Die Erzieherin und der Arzt sind Eltern von zwei Töchtern. Zusätzlich haben sie in den letzten 15 Jahren noch 90 Kinder Kinder zeitweise bei sich aufgenommen und betreut. "Wenn das Jugendamt anruft, dann ist es wieder so weit", sagt Veronica. "Man weiß nie, was einen erwartet."

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Schwer verletzt von der eigenen Mutter

Ihr Pflegekind Marco war erst drei Wochen alt, als es mit einer Hirnblutung und Knochenbrüchen in die Notaufnahme des Krankenhauses kam - verletzt von der eigenen Mutter. Zwei Wochen dauerte es, bis Veronica das Baby mit nach Hause nehmen konnte. "Jede Bewegung war ein Drama." Ob Marco bleibende Schäden zurückbehalten wird, lässt sich noch nicht sagen.

"Ich gehe heute in meine neue Familie"

Die Familie hat Erfahrungen mit traumatisierten Kindern. Das zweite Pflegekind, der fünfjährige Pascal, hat elf Monate lang bei Veronica und Jürgen gelebt, so lange dauerte sein Verfahren beim Familiengericht. Die Mutter des Kindes war drogenabhängig, Pascal schwer vernachlässigt. Die Reportage zeigt seinen letzten Tag bei den Pflegeeltern, ein fröhliches Kind, das stolz verkündet: "Ich gehe heute in meine neue Familie." Pascal bekommt ein Fotoalbum, einen Kuschelbär und einen Brief, den Veronica laut vorliest. Dieses Ritual hat die Familie im Lauf der Zeit entwickelt, um den Abschied für alle leichter zu machen.

"Schwieriger ist es, wenn sie wieder zurückgehen"

Ein letztes Mal sitzt die Familie gemeinsam am Tisch bei einer Mahlzeit. "Wenn ein Kind geht, ist das immer etwas besonderes, man hat ja viel miteinander erlebt", erklärt Veronica. Pascal wird künftig bei Dauerpflegeeltern leben, für den kleinen Jungen ist das schon das dritte Zuhause. Eine Entscheidung, die dennoch den Abschied für Veronica leichter macht: "Schwieriger ist es, wenn sie wieder zurückgehen in die Herkunftsfamilie. Da bin ich mir nicht immer sicher, dass es für die Kinder gut läuft ."

Die Pflegeplätze sind fast immer belegt

Die zweite Familie, die in der Reportage vorgestellt wird, sind Magda, Horst und ihre beiden Töchter. Seit sieben Jahren nehmen sie kurzfristig Pflegekinder auf, ihre beiden Pflegeplätze sind fast immer belegt. Ihr derzeit jüngstes Pflegekind kam im Alter von drei Wochen, war unternährt und litt unter Entzugserscheinungen. Das Baby lebt mittlerweile seit acht Monaten in der Familie und hat sich gut entwickelt.

Mira hatte Angst vor anderen Menschen

Das zweite Pflegekind, die dreijährige Mira, wurde von Polizei und Jugendamt aus dem Elternhaus geholt und ist schon über ein Jahr bei Magda und Horst. "Mira war sehr erschöpft, hatte sehr starken Hunger und Durst", erinnert sich Horst. "Sie hat sofort 'Papa' zu mir gesagt, das war für mich sehr ungewohnt." Magda erzählt, dass Mira anfangs nicht das Haus verlassen wollte und Angst vor anderen Menschen hatte.

Das Jugendamt will Miras leiblicher Mutter eine letzte Chance geben. Wenn sie den Drogenentzug erfolgreich abschließt, darf Mira zu ihr zurück. Das sorgt für gemischte Gefühle in der Familie. "Es kommt einem doch der Gedanke, dass man sie behalten möchte", sagt Horst. Damit Mira der Wechsel leichter fällt, verbringt sie stundenweise Zeit mit der Mutter.

Gratwanderung für die Pflegeeltern

Was die Reportage auch zeigt: Je länger die Kinder bei den Eltern auf Zeit leben, umso größer wird die Bindung - auf beiden Seiten. Eine schwierige Gratwanderung für die Pflegeeltern, die erleben, wie ihre Schützlinge bei ihnen aufblühen, sich wohl fühlen und gern bleiben möchten, und andererseits wissen, dass die Kinder früher oder später doch gehen müssen.

Rafi wurde vom Vater geschlagen

Ein halbes Jahr später besucht das Team von "37 Grad" beide Familien erneut. Bei Veronica und Jürgen lebt ein neues Kind. Rafi, der von seinem Vater geschlagen wurde, genießt die Geborgenheit seiner neuen Familie. "Es ist oft so, dass Kinder Regeln und Grenzen nur mit Gewalt erfahren haben", sagt Veronica. "Das erleben sie bei uns erstmals anders."

Marco wird untersucht

Das Kamerateam begleitet sie und Baby Marco ins Krankenhaus. Hat der Junge bleibende Schäden? Aufatmen bei Veronica, die Befunde sind in Ordnung. Über die psychischen Auswirkungen wagt sie keine Prognose. Marco ist jetzt sieben Monate alt. Er strahlt, lacht und brabbelt. "Aber er ist viel, viel langsamer als andere Kinder in dem Alter", meint seine Pflegemutter.

Zweimal im Monat dürfen die leiblichen Eltern zu Marco. Veronica Gefühle dabei sind zwiespältig: "Wenn ich die Eltern kennenlerne, ihre Situation sehe, kommt ein Stück Mitleid auf. Dann vergeht auch ein wenig dieses entsetzliche Gefühl, dass man den Eltern gegenüber hat. Ich sehe, dass sie selber arm dran sind und nicht in der Lage sind, das Baby zu versorgen."

Die Besuche der Eltern werden vom Jugendamt begleitet. Das Amt soll eine Empfehlung aussprechen, wo Marco zukünftig leben soll. Die Mitarbeiter glauben nicht, dass der Junge bei Mutter oder Vater leben kann und empfehlen Dauerpflegeeltern. Die leiblichen Eltern wollen aber das Sorgerecht zurück. Veronica muss vor Gericht aussagen. Dieses entscheidet schließlich, dass Marco nicht zurück zu seinen Eltern muss.

"Kindergarten und Schule reagieren viel zu langsam"

Die Reportage zeigt Marcos letzte Tage bei Veronica und Jürgen. Veronica fällt es schwer, den Jungen gehen zu lassen. Sie erzählt, dass die Bilder von Marco - schwer verletzt im Krankenhaus - sie nicht loslassen. Sie findet, man sollte Kinder besser schützen: "Es gab durchaus Kinder, bei denen ich gedacht habe, das hätte man eher sehen können. Dann wäre es nicht so schlimm geworden. Kindergarten und Schule reagieren viel zu langsam. Das ist oft zu spät. Da bin ich dann auch wütend."

"Tolle Eltern warten"

Auch bei Magda und Horst stehen die Zeichen auf Abschied. Der Auszug des Babys wird vorbereitet. Wieder einmal muss die Familie ein Kind gehen lassen. Magda erklärt, dass der Abschied leichter fällt, "wenn auf der andern Seite tolle Eltern warten." Auch Pflegetochter Mira wird seit Wochen auf ihren Auszug vorbereitet.

Bei Anruf Kind

Dann zeigt sich: Miras Mutter hat den Drogenentzug abgebrochen, das Mädchen soll nun zu Dauerpflegeeltern. Mira hat sehr wohl bemerkt, dass verabschiedete Kinder nicht in die Familie zurück kommen. Am liebsten würde sie bei Magda und Horst bleiben. Auch die Pflegeeltern und ihre Töchter wollen Mira eigentlich nicht gehen lassen. Mitten in die Überlegungen platzt ein Anruf: Magda muss ein neues Kind abholen. Von einem Moment auf den anderen ist sie wieder für ein fremdes Kind verantwortlich.

Happy End für Mira

Einige Wochen später hat die Familie beschlossen, dass Mira bei ihnen bleiben soll. Alle haben das quirlige Mädchen in ihr Herz geschlossen. Nach einer Anhörung beim Jugendamt wird entschieden: Mira darf bleiben. Das Kamerateam verabschiedet sich von einer Familie in Feierlaune.

Wie die vorgestellten Familien arbeiten viele tausend Pflegefamilien in Deutschland mit viel Idealismus daran, verängstigte und traumatisierte Kind zu stabilisieren und ihnen ein Zuhause auf Zeit zu geben. Das verlangt den Familien einiges ab. Eigene Bedürfnisse, eventuell sogar die eigenen Kinder müssen, zumindest zeitweise, zurückgestellt werden. Nur so kann es gelingen, den verletzten Kindern einen Weg in ein normales Leben zu ebnen.

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