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Kinderarbeit: So werden Kinder als Zwangsarbeiter und Schuldknechte ausgebeutet

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Kinderarbeit  

Zwangsarbeiter und Schuldknechte - so werden Kinder ausgebeutet

12.06.2015, 10:19 Uhr | t-online.de, dpa

Kinderarbeit: So werden Kinder als Zwangsarbeiter und Schuldknechte ausgebeutet. Die Idylle trügt: Kinderarbeit in Indien hat viele Gesichter.  (Quelle: EPA/DIVYAKANT SOLANKI)

Die Idylle trügt: Kinderarbeit in Indien hat viele Gesichter. (Quelle: EPA/DIVYAKANT SOLANKI)

Diamanten, Rosen, Autoreifen, Melonen, Elektroschrott, Textilien - das alles geht durch Kinderhände. Rund 168 Millionen Kinder zwischen fünf und 17 Jahren müssen nach Schätzung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) arbeiten. Etwa 85 Millionen von ihnen werden täglich bis zu 16 Stunden unter oft gesundheitsschädlichen und gefährlichen Bedingungen ausgebeutet. Kinderarbeit ganz verbieten ist allerdings der falsche Weg.

Als Zwangsarbeiter oder in Schuldknechtschaft schuften sie in Privathaushalten, in der Landwirtschaft, in Minen und Steinbrüchen, in der chemischen oder der Textilindustrie. Die meisten arbeitenden Kinder leben in Süd- und Ostasien sowie in Afrika südlich der Sahara. Zum Internationalen Tag gegen Kinderarbeit am 12. Juni informieren Menschenrechtsorganisationen über ihre Not.

Verbraucher können etwas bewirken

Organisationen wie Unicef, Terre des Hommes, Earthlink oder die Internationale Arbeitsorganisation ILO setzen sich für bessere Arbeitsbedingungen für die Kinder in Entwicklungsländern ein. Ganz abschaffen wollen sie die Kinderarbeit gar nicht, die den jungen Menschen und ihren Familien oft das Überleben sichert. Sie setzen sich vielmehr dafür ein, dass Kinder Arbeit und Schulausbildung verbinden können. Zahlreiche Projekte arbeiten in dieser Richtung.

Auch Verbraucher können darauf Einfluss nehmen. Ein Boykott von Waren, die eindeutig in Kinderarbeit produziert sind, ist die ehrlichste Variante. Außerdem kann man auf Prüfsiegel achten, die garantieren, dass Waren fair gehandelt und unter angemessenen Bedingungen produziert wurden.

Weniger Teppiche, dafür mehr Pflanzengift

Von Kinderarbeit profitiert der Welthandel und ganz besonders die Endkunden in Industrienationen, die billige Waren suchen. Das Beispiel Indien zeigt, unter welchen Bedingungen Kinder schuften müssen, in Steinbrüchen, an Teeständen, auf Müllhalden oder auf Feldern.

Millionen kleiner Hände müssen in Indien anpacken. Oft können die Kinder deswegen nicht in die Schule und schänden schon früh ihren Körper. Es gibt nun zwar weniger Kinder, die Teppiche weben - dafür mehr, die genveränderte Pflanzen bestäuben.

Giftige Goldausbeute in Ghana

In Ghana arbeiten Tausende Kinder und Jugendliche unter gefährlichen und gesundheitsschädlichen Arbeitsbedingungen in Goldminen. Die meisten sind zwischen 15 und 17 Jahren alt. Internationale Händler, die Gold aus Ghana ankaufen, unterstützen damit möglicherweise die Ausbeutung von Minderjährigen, sagt die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Firmen, die in Ghana, dem zehntgrößten Goldproduzenten weltweit, einkaufen, müssten ihre Zulieferer genauer überprüfen, forderte die Organisation.

Die Minderjährigen sind demnach vor allem in kleinen, unregulierten Goldminen beschäftigt, die den Großteil der Produktion in dem westafrikanischen Land ausmachen. Dort sind sie oft zuständig für den Transport des abgebauten Gesteins an die Oberfläche, für das Zerhacken des Erzes oder für die Herauslösung des Goldes mit Hilfe von giftigem Quecksilber.

Indien hält den traurigen Rekord

Die Zahl der arbeitenden Kinder geht weltweit zurück - doch noch immer müssen Millionen Kinder schuften. Besonders viele sind es in Indien: 4,4 Millionen Jungen und Mädchen laut Zensusdaten. Kinderrechtsaktivisten wie der indische Friedensnobelpreisträger Kailash Satyarthi halten diese Zahl jedoch für viel zu niedrig.

Gericht kippt Verbot für Grabsteine aus Kinderarbeit

Auch für Grabsteine in Deutschland schuften Schätzungen zufolge in Indien Zehntausende Kinder in Steinbrüchen und Ziegeleien. Doch Kommunen dürfen Grabsteine aus Kinderhand auf ihren Friedhöfen nicht einfach verbieten. Das hat der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg entschieden und erklärte eine Stuttgarter Regelung für unwirksam. Begründung: Es gebe kein staatlich anerkanntes Zertifikat für Grabsteine ohne Kinderarbeit.

Den Steinmetzen könne der Nachweis nicht zugemutet werden, dass ihre Grabsteine tatsächlich ohne Kinderarbeit produziert wurden. Neun Steinmetzbetriebe aus dem Raum Stuttgart hatten geklagt. Zuvor hatte der Landtag die Kommunen zu Verboten von Grabsteinen aus unfairem Handel oder ausbeuterischer Kinderarbeit ermächtigt.

Wo Kinder am häufigsten arbeiten

Landwirtschaft: Kinder müssen Samen aussäen, Setzlinge pflanzen, Unkraut jäten, Jasmin-Blüten pflücken oder Baumwolle ernten. Häufig werden sie auch zur Bestäubung der Baumwollpflanzen eingesetzt - weil jetzt genetisch veränderte Pflanzen angebaut werden, können die Samen andernfalls im nächsten Jahr nicht ausgesät werden. "Wegen der vielen Chemikalien ist Bestäuben besonders schädlich", sagt Viji Arora von der Organisation CRY (Child Rights And You) in Neu Delhi.

Gastronomie: Zahlreiche Tee-Stände, Essens-Buden und Restaurants beschäftigen Jungs, die Teller auf die Tische stellen und abputzen. "Das passiert vor aller Augen - aber unsere Gesellschaft akzeptiert das einfach als normal", sagt CRY-Aktivistin Arora. Viele Besitzer erklären, sie täten etwas Gutes. Würden sie die Kinder nicht beschäftigen, lungerten sie auf den Straßen herum und nähmen Drogen.

Haushalt: Vor allem Mädchen sind oft in fremden Haushalten beschäftigt. Dort müssen sie Wasser vom Brunnen holen, putzen, Wäsche waschen, kochen, auf Babys aufpassen. Oft haben sie kein Zimmer, sondern müssen auf dem Küchenboden oder auf dem Balkon schlafen. Indische Medien berichten immer wieder von Fällen, in denen Mädchen kaum zu Essen bekamen, geschlagen und sexuell missbraucht wurden.

Teppichwebereien, Minen, Fabriken: Kinderarbeit in den besonders gefährlichen Berufszweigen nehme ab, sagt Zaved Rehman von der Kinderrechtsorganisation Butterflies in Neu Delhi. Gerade dort würden die bestehenden Gesetze durchgesetzt. Und auch das Bewusstsein der Käufer etwa von Teppichen sei hoch.

Heimarbeit: Unzählige Kinder helfen ihren Eltern beim Rollen von Zigaretten oder stellen Räucherstäbchen her. Die Zahl der arbeitenden Kinder in den eigenen vier Wänden nehme zu, sagt Shanta Sinha, Ex-Vorsitzende der Nationalen Kommission zum Schutz der Kinderrechte in Indien. "Die Kinder machen zu Hause - zusammen mit ihren Eltern - Armreifen, Sandalen, Fußbälle, Kricket-Schläger", zählt sie auf.

Steinbrüche: Ganze Familien von Wanderarbeiten klopfen in Rajasthan Pflastersteine für Europa. Je mehr kleine Hände mit anpacken, desto mehr verdient die Familie - auch wenn es am Ende trotzdem nur zwei Euro pro Tag sind. Ähnlich sieht es bei den Müllsammlern und in Ziegeleien aus. Viele Kinder seien Schuldknechte, etwa weil ihre Eltern sich für eine Arztbehandlung oder eine Hochzeit Geld liehen, sagt Bhuwan Ribhu von der Organisation Bachpan Bachao Andolan.

Textilindustrie: "Sumangali" bedeutet "die glücklich verheiratete Frau". Im Süden Indiens versprechen Textilfabrikanten Mädchen Geld für die Hochzeit, wenn sie drei Jahre lang für sie arbeiten. Doch statt eines Starts in eine bessere Zukunft leiden die Mädchen oft unter Überstunden, Hunger und Eingesperrtsein. "Sumangali ist nichts anderes als Zwangsarbeit und Schuldknechtschaft", sagt Karnam Kamaraj von der Organisation Read (Rights Education and Development Centre).

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