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Steuerfreibetrag aufgestockt: "Trostpflaster" für Alleinerziehende

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Freibetrag aufgestockt  

Nur ein "kleines Trostpflaster" für Alleinerziehende

30.07.2015, 13:56 Uhr | Silke Asmußen, t-online.de

Steuerfreibetrag aufgestockt: "Trostpflaster" für Alleinerziehende. Der Steuerfreibetrag für Alleinerziehende wurde rückwirkend zum 1. Januar 2015 erhöht. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Der Steuerfreibetrag für Alleinerziehende wurde rückwirkend zum 1. Januar 2015 erhöht. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Elf Jahre lang stagnierte der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende, jetzt wird der Steuervorteil für Mütter und Väter, die mit ihren Kindern alleine leben, endlich erhöht – um 600 Euro im Jahr. Grund zum Jubeln? Nicht wirklich. Das sei nur ein "kleines Trostpflaster" für die 1,6 Millionen Betroffenen in Deutschland , sagt der Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV). Von einer deutlichen Entlastung des oft knappen Budgets Alleinerziehender auf lange Sicht kann keine Rede sein.

Seit 2004 lag der Freibetrag für alleinerziehende Eltern - aktuell sind 90 Prozent davon Frauen - in der Steuerklasse II bei 1308 Euro im Jahr. Im Juli stimmte der Bundesrat dann einer Anhebung um rund 46 Prozent auf 1908 Euro zu, rückwirkend zum Januar 2015. Dieser Betrag steigt für jedes weitere Kind um 240 Euro. 80 Millionen Euro pro Jahr will der Staat dafür bereitstellen.

Und so funktioniert‘s: Der Entlastungsbetrag wird von den Jahreseinkünften einer alleinerziehenden Mutter oder eines alleinerziehenden Vaters abgezogen. Dann wird die Einkommensteuer auf den sich daraus ergebenden Verdienst erhoben. Es handelt sich also um einen steuerlichen Freibetrag.

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Davon profitieren ausschließlich Elternteile mit zu versteuernden Einkommen, die alleine mit ihren Kindern leben. Ändert sich die Situation - beispielsweise weil ein neuer Partner zum Haushalt beiträgt -, ist das Steuerprivileg umgehend gestrichen.

Doch der angehobene Entlastungsbetrag bedeutet nicht, dass Alleinerziehende in Zukunft 600 Euro mehr in der Tasche haben. Der einfache Grund: Sie werden lediglich um die Steuern entlastet, die sie auf den aufgeschlagenen Betrag hätten zahlen müssen.

Beispiele: So viel bleibt unterm Strich durch den Freibetrag

Eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern würde zum Beispiel 2148 Euro ihres Einkommens nicht versteuern müssen, für einen alleinerziehenden Elternteil mit drei Kindern blieben 2388 Euro steuerfrei.

Generell gilt wie bei anderen Steuerfreibeträgen auch: Wer die höchsten Abgaben zahlt, profitiert auch am stärksten. Eine Steuerexpertin aus Frankfurt hat für T-Online.de berechnet, um wieviel die Steuerersparnis jetzt steigt. Individuelle Steuerfälle hat die Fachfrau dabei natürlich nicht berücksichtigt. Die folgende Tabelle gibt gerundete Beträge an:

Jahreseinkommenzusätzliche Steuerersparnis mit einem Kindmit zwei Kindernmit drei Kindern
15.000 Euro100 Euro145 Euro180 Euro
20.000 Euro136 Euro204 Euro260 Euro
40.000 Euro194 Euro264 Euro340 Euro
60.000 Euro225 Euro300 Euro370 Euro

Alleinerziehende verdienen meist wenig

Ökonom Frank Hechtner von der Freien Universität Berlin hat für die "Süddeutsche Zeitung" jedoch ermittelt, dass Single-Eltern im Durchschnitt deutlich weniger verdienen - etwa 27.000 Euro im Jahr. Entsprechend moderat wirkt sich die Steuerentlastung aus.

Alles andere als zufrieden mit der Aufstockung ist die VAMV-Bundesvorsitzende Solveig Schuster. Der Staat habe die Chance einer langfristigen Förderung durch eine Dynamisierung verpasst – wie etwa beim Grundfreibetrag, kritisiert Schuster. Und dadurch werde es wieder zu einer schleichenden Steuererhöhung für Alleinerziehende kommen.

Auch Steuergerechtigkeit sei "noch lange nicht erreicht". Angemessen wäre "die Ausgestaltung mit einem zweiten Grundfreibetrag als Gegenstück zum Ehegattensplitting", erklärt Schuster in einer Pressemitteilung.

Nicht zu vergessen:  Die Regelung kommt nur denjenigen zugute, die in einem Job genug verdienen, um Einkommensteuer zahlen zu müssen. Rund 40 Prozent aller Alleinerziehenden - 625.000 Mütter und Väter - sind davon allerdings ausgeschlossen, weil sie auf Sozialleistungen angewiesen sind. Das ergab eine Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung von 2014. Und diese Hartz-IV-Empfänger haben gar nichts vom Entlastungsbetrag.

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