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Beruf und Familie: Willkommen im Fight Club: Ist der Elternalltag wirklich so hart?

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Beruf und Familie  

Willkommen im Fight Club – ist der Elternalltag wirklich so hart?

15.09.2015, 12:00 Uhr | dpa

Beruf und Familie: Willkommen im Fight Club: Ist der Elternalltag wirklich so hart?. Familie und Beruf: Vereinbarkeit unmöglich? Berufstätige Eltern kämpfen an zwei Fronten. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Vereinbarkeit unmöglich? Berufstätige Eltern kämpfen täglich an zwei Fronten. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Ist es eine glatte Lüge, dass sich Karriere und Familie miteinander vereinbaren lassen? Ist es ein vergeblicher Kampf, in dem Eltern sich täglich aufreiben? Mehrere Sachbücher zum Thema ziehen eine negative Bilanz. Kinder zu bekommen, bedeute, Mitglied im "Fight Club" zu werden, schreibt beispielsweise der Autor Malte Welding.

Im Abstand von wenigen Monaten kamen mehrere Bücher auf den Markt, in denen es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht. Bei allen Unterschieden haben sie Bücher eine gemeinsame Kernaussage: Familie und Karriere - so wie sie bisher gedacht werden - sind unvereinbar.

Job-Hamsterrad dreht sich für Eltern zu schnell

Die "Zeit"-Redakteure Marc Brost und Heinrich Wefing arbeiten in ihrem Buch "Geht alles gar nicht. Warum wir Kinder, Liebe und Karriere nicht vereinbaren können" vier Ursachen heraus, mit denen sie die Unvereinbarkeit begründen.

Da ist die Beschleunigung des Arbeitslebens. Kommunikationswege werden kürzer, Mitarbeiter müssen sich immer schneller und häufiger in Neues einarbeiten. Dadurch bleibt weniger Zeit für die Familie. Gleichzeitig brechen traditionelle Geschlechterrollen weg. Frauen wollen und müssen heute berufstätig sein. Väter wollen sich in der Familie stärker einbringen. Rollenvorbilder, wie Familie im beschleunigten Arbeitsalltag funktionieren kann, fehlen den Vätern und Müttern von heute.

Wer Karriere machen will, muss lange im Büro bleiben und Präsenz zeigen. Doch das geht wiederum von der Zeit mit der Familie ab. Und schließlich sind da die eigenen Erwartungen: Man wollte doch etwas reißen und erfolgreich sein! Woher da noch die Zeit für ein Kind nehmen? Das Resümee ziehen die Autoren schon im Titel: "Geht alles gar nicht".

Erst Wiedereinstieg in Vollzeit, dann Kündigung

Die Journalistinnen Susanne Garsoffky und Britta Sembach ziehen in "Die Alles ist möglich-Lüge. Wieso Familie und Beruf nicht zu vereinbaren sind" einen noch drastischeren Schluss. Jahrelang hatten sie geglaubt, dass beides, also Kind und Karriere, möglich ist. Bereits kurz nach der Geburt sind sie in Vollzeit in den Job zurückgekehrt. Sie reiben sich auf zwischen Familie und Beruf. Als die Kinder in der Grundschule sind, kündigen sie. Ihr Lebenskonzept, Familie und Karriere vereinbaren zu können, sei gescheitert.

Als Einzelkämpfer haben Eltern keine Chance

Was bedeutet das für die Eltern-Generation, die mitten drin steckt? "Unser Buch ist eine Bestandsaufnahme, keine Kapitulationserklärung", sagt Heinrich Wefing. Es sei eine Verarbeitung ihrer Situation als berufstätige Väter. Sie hätten ihren Frust aufgeschrieben, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der derzeitigen Form nicht funktioniert. Ihr Buch sei der Versuch, all den überforderten Vätern und Müttern eine Stimme zu geben und zu sagen: Wir stoßen alle an eine Grenze. Und Marc Brost ergänzt: "Niemand weiß im Moment, wie es gehen soll. Aber das bedeutet nicht, dass wir verzagt sind. Wir wollen nur, dass endlich nach Lösungen gesucht wird."

Bei Malte Welding steckt der Aufruf zum Eltern-Aufruhr schon im Buchtitel: "Seid fruchtbar und beschwert Euch! Ein Plädoyer für Kinder - trotz allem".

Alle Autoren sagen klar: Um eine bessere Vereinbarkeit zu erreichen, reicht es nicht aus, dass sich die einzelnen Familien noch besser organisieren. Vielmehr müsse es neue, gesellschaftliche Konzepte geben.

Eltern müssen im Job mehr Rücksicht fordern

Bis dahin gilt: "Es gibt keinen Masterplan", wie es Lena Schröder-Dönges formuliert. Sie coacht junge Berufstätige mit Kinderwunsch sowie junge Eltern, die nach der Babypause wieder in den Beruf einsteigen wollen. Berufstätige, die Kinder bekommen, tanzten auf zwei Hochzeiten. "Das kann sich vorher keiner vorstellen, was das bedeutet." Dabei müsse jedes Paar seinen eigenen Weg finden. Der lässt sich zumindest teilweise im Vorfeld besprechen. Was für eine Familie möchte man sein? Wo sind die Prioritäten? Solche Fragen lassen sich diskutieren.

Hilfreich ist sicher auch, bei der Arbeitgeberwahl darauf zu achten, wie der Betrieb zum Thema Vereinbarkeit steht, sagt Karrierecoach Silke Mekat. Wirbt der Arbeitgeber zum Beispiel damit, familienfreundlich zu sein? Gleich im Bewerbungsgespräch das Thema anzusprechen, davor scheuen sich zwar viele. Doch wenn ein Unternehmen damit wirbt, familienfreundlich zu sein, sollten Bewerber mutig sein und sich erkundigen, wie das konkret aussieht, rät Mekat.

Susanne Garsoffky würde ihre Mutterschaft im Nachhinein selbstbewusster angehen. "Ich habe viel zu lange so getan, als wäre die Familie mein Privatproblem", erzählt sie. Sie habe nur in der Teeküche über ihre Kinder geredet und versucht, so geräuschlos wie möglich Mutter zu sein. Im Nachhinein würde sie selbstbewusster einfordern, dass der Betrieb auf sie Rücksicht nehmen muss. "Wenn mehr junge Eltern lauthals mehr Rücksicht fordern würden, müsste der Einzelne auch mit weniger Konsequenzen vonseiten der Chefs rechnen." Junge Eltern könnten zum Beispiel eine Eltern-Lobby gründen und sich Unterstützung vom Betriebsrat holen.

Nicht zu früh zurück zu Vollzeit

Sie rät außerdem dazu, sich am Anfang für die Familie mehr Zeit zu nehmen. "Nach wenigen Wochen oder Monaten wieder Vollzeit zu arbeiten, erfordert Opfer", sagt sie. Zunächst ist das für viele in Ordnung. Doch im Laufe des Berufs- und Familienlebens kämen noch viele Opfer auf die jungen Eltern zu. Es sei nicht klug, bereits in den ersten Monaten die Grenzen der eigenen Leidensfähigkeit auszutesten.

Letztendlich bleibt nur jedem Paar übrig, seinen eigenen Weg zu finden. Brost und Wefing plädieren am Ende ihres Buchs dafür, sich angesichts fehlender funktionierender Vereinbarkeitsmodelle selbst eine Geschichte zu erfinden. Eine Geschichte eines Lebensentwurfs, die man ruhig erzählen kann, ohne rot zu werden, ohne zu idealisieren und sich kleinzumachen. Und wie diese Geschichte aussehen kann, dass muss jeder und jede für sich entscheiden.

Infos zu den Büchern

  • Brost, Marc; Wefing, Heinrich: "Geht alles gar nicht: Warum wir Kinder, Liebe und Karriere nicht vereinbaren können",
    Rowohlt, 2015, 240 Seiten, 16,95 Euro, ISBN: 978-3498004156

  • Garsoffky, Susanne; Sembach, Britta: "Die Alles ist möglich-Lüge: Wieso Familie und Beruf nicht zu vereinbaren sind",
    Pantheon Verlag, 2014, 256 Seiten, 17,99 Euro, ISBN: 978-3570552520

  • Welding, Malte: "Seid fruchtbar und beschwert euch!: Ein Plädoyer für Kinder - trotz allem",
    Kiwi-Paperback, 2015, 13,99 Euro, ISBN: 978-3462047080

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