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Zeichnung von syrischem Flüchtlingskind bewegt Deutschland

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Horror und Hoffnung  

Zeichnung eines Flüchtlingskindes aus Syrien geht vielen Menschen zu Herzen

26.09.2015, 09:35 Uhr | André Jahnke, dpa

Zeichnung von syrischem Flüchtlingskind bewegt Deutschland. Flüchtlinge: Diese Zeichnung hat ein Flüchtlingskind der Bundespolizei in Passau geschenkt: Links das Grauen des Krieges in Syrien, rechts die Hoffnung auf Sicherheit bei der Ankunft in Deutschland. (Quelle: dpa/Bundespolizei)

Diese Zeichnung hat ein Flüchtlingskind der Bundespolizei in Passau geschenkt: Links das Grauen des Krieges in Syrien, rechts die Hoffnung auf Sicherheit bei der Ankunft in Deutschland. (Quelle: Bundespolizei/dpa)

Wenn Kinder etwas Schreckliches erlebt haben, bringen sie es oft in Bildern zum Ausdruck. Eine Zeichnung, die ein Flüchtlingskind aus Syrien deutschen Polizisten geschenkt hat, berührt viele Menschen. Darauf sind grausame Szenen zu sehen, mit denen das Kind in seiner vom Bürgerkrieg erschütterten Heimat konfrontiert war.

Die schockierende Filzstiftzeichnung des Flüchtlingskindes ist zweigeteilt: Unter der syrischen Flagge ist auf der linken Seite ein zerstörtes Haus zu sehen, abgetrennte Gliedmaßen liegen auf der Straße, aus dem Hinterhalt wird geschossen, und ein Kind mit einem abgerissenen Fuß läuft an Krücken. Im rechten Teil steht unter der deutschen Flagge ein großes Haus mit einem langen Zufahrtsweg und Menschen mit Koffern. Die deutsche Fahne und die Polizei sind jeweils von roten Herzen umrahmt.

Ein unbekanntes Kind, vermutlich ein Mädchen, hat dieses Bild bei der Bundespolizei in Passau vor wenigen Tagen gemalt und an die Wand gehängt. Es zeigt eindrucksvoll die Schrecken des Krieges in dem Heimatland des Kindes und die Hoffnungen, die es in Deutschland setzt. "Wie das Kind die beiden Welten sieht, ist schon schwer beeindruckend", sagt der Sprecher der Bundespolizeiinspektion Freyung, Thomas Schweikl. Jetzt hat die Bundespolizei die Zeichnung bei Twitter veröffentlicht.

Kriegserlebnisse hinterlassen seelische Wunden

"Es ist wahrscheinlich, dass das Kind die dargestellten Ereignisse erlebt hat, da es diese sonst nicht so zeichnen könnte", sagt die Psychologin und Traumaforscherin Iris-Tatjana Kolassa von der Universität Ulm. Vermutlich sei das Malen der Ereignisse auch eine Form der inneren Verarbeitung. Kinder seien in einer sensiblen Entwicklungsphase, und solche Erlebnisse hinterließen tiefe Spuren.

Die Wunden könne aber auch erst viel später aufreißen. "Zum Beispiel wenn ein Geräusch als Schuss interpretiert wird, oder wenn das Kind erneut Blut oder Verletzung sieht oder sich massiv hilflos, bedroht und überfordert fühlt", erläutert Kolassa. In der Phase, in der noch keine Symptome für eine posttraumatische Belastungsstörung vorhanden sind, sollten Kindern vor allem Sicherheit, Schutz und Tagesstruktur vermittelt werden, rät sie. "Ein Ansprechpartner ist gut, aber man sollte nicht über traumatische Details sprechen, wenn das Bedürfnis nicht vom Kind kommt."

Flüchtlingskind sehnt sich nach Schutz und Sicherheit

Die Professorin für klinische und biologische Psychologie ist auch nicht von dem krassen Gegensatz des Bildes überrascht. "Deutschland wird in diesem Bild idealisiert als Land, in dem es Struktur, Schutz und Sicherheit gibt. Und das ist die wichtigste Hoffnung der betroffenen Flüchtlinge."

Polizei: "Das lässt niemanden unberührt"

Bei der Bundespolizei entfaltet das Bild eine besondere Wirkung. "Dass das Kind auch die Polizei mit einem roten Herz gemalt hat, berührt die Kollegen natürlich und gibt ihnen eine weitere Motivation für die Arbeit", schildert Schweikl. Hunderte Beamte aus ganz Deutschland unterstützen seit Monaten die bayerischen Kollegen bei der Registrierung der Flüchtlinge. "Viele sind wochenlang von ihren eigenen Kindern getrennt und ein solches Bild, dass das Schicksal der Flüchtlinge so drastisch aufzeigt, lässt niemanden unberührt", ergänzte der Sprecher der Bundespolizeidirektion München, Fabian Hüppe.

Bei Twitter löste das Bild sofort positive Reaktionen aus. Ein Nutzer schreibt: "Kein Kind sollte solche Erlebnisse machen müssen". Ein anderer bedankt sich bei den Bundespolizisten: "Danke für eure Unterstützung und die vielen Überstunden, die ihr ganz sicher schiebt. Ihr habt Geschenke verdient." Ein weiterer sieht in dem Bild auch eine politische Botschaft: "Wie ein Bild die Debatte prägen kann. Teil 2 beginnt jetzt."

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