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So verändern sich Familiennamen in deutschland

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Müller, Meier, Schmidt und die Globalisierung  

Die Vielfalt der Familiennamen in Deutschland wächst

13.05.2016, 19:01 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli

So verändern sich Familiennamen in deutschland. So verändern sich die Familiennamen durch Globalisierung und das Namensrecht.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

So verändern sich die Familiennamen durch Globalisierung und das Namensrecht. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Vornamen kann man aussuchen. Nachnamen nicht. Sie werden vererbt - von einer Generation auf die nächste. Eine Vergrößerung des Namens-Fundus scheint daher kaum möglich zu sein. Eine Expertin erklärt, warum bei uns dennoch viele neue Familiennamen entstehen. 

Das deutsche Namensrecht ist bei Familiennamen nur wenig flexibel. Freie Namenswahl und individuelle Wünsche, wie bei Rufnamen üblich, sind nicht vorgesehen. Nur in Ausnahmefällen, etwa wenn der Name verunglimpfend ist (Hitler, Ficke), ein Künstlerpseudonym benötigt wird oder wenn Schreibweise oder Aussprache sehr fremd und kompliziert sind, erlaubt das Namensänderungsgesetz Anpassungen.

"Die wichtigste Option zu variieren, ist die Heirat. Dann kann man entweder den Namen des Partners annehmen oder einen Doppelnahmen wählen. Ansonsten tut sich bei deutschen Namensträgern nicht viel Neues", sagt Gabriele Rodríguez von der Namensberatungsstelle der Universität Leipzig.

Verschiedene Namenssysteme in binationalen Ehen

Die Doppelnamenregelung kann bei binationalen Familien allerdings schnell ausgehebelt werden: Heiratet etwa ein Portugiese oder Spanier eine Deutsche, kann durch die Verbindung ein Mehrfachname entstehen. Denn in diesem romanischen Kulturkreis - das gilt gleichermaßen für latein- und südamerikanische Länder - trägt jeder grundsätzlich sowohl den ersten Nachnamen der Mutter als auch den des Vaters. So fließen automatisch mehr als zwei Namen in den Familiennamen ein, wenn auch die deutsche Partnerin ihre Wurzeln namentlich berücksichtigt sehen will. "Ich kenne Fälle", ergänzt die Expertin, "wo die Kinder eines deutsch-spanischen Paares ebenfalls drei Familiennamen bekommen haben. Mehrteilige, multinationale Namenskoppelungen wie diese werden in Zukunft wahrscheinlich vermehrt auf uns zukommen."

Demographischer Wandel beeinflusst Vielfalt deutscher Nachnamen kaum

Etwa eine Million Familiennamen - die Doppel- und Mehrfachnamen werden nicht gesondert mitgezählt - gibt es in  Deutschland. Zu den häufigsten gehören Müller, Schmidt, Maier oder Becker, die im Mittelalter aus Berufsständen hervorgegangen sind. Sie sind in verschiedenen Schreibweisen zigtausend Mal vertreten und werden voraussichtlich nie aussterben, erklärt Rodríguez. "Wenn hierzulande Familiennamen aus Mangel an Nachkommen endgültig verschwinden, kann das nur solche betreffen, die ohnehin nur vereinzelt vorkommen und weniger als zehnmal bundesweit belegt sind."

Neue Nachnamen durch Einwanderer aus aller Welt

Auf die Vielfalt wird das vereinzelte Aussterben alter und seltener Familiennamen wahrscheinlich keinen Einfluss haben, denn insgesamt nimmt die Zahl der Nachnamen im Einwanderungsland Deutschland zu. Sie werden internationaler und exotischer. "Über den vermehrten Zuzug von Menschen aus dem nichteuropäischen Ausland und durch Bürger mit Migrationshintergrund etablieren sich bei uns ganz neue Namen. Es entstehen aber auch nie dagewesene, neue Namenskreationen. Das hängt auch damit zusammen", weiß Rodríguez, "dass es in anderen Kulturen, beispielsweise in afrikanischen Ländern oder in Indien, entweder keine typischen Familiennamen gibt oder im Alltag nur der Vorname relevant ist."

Um den gesetzlichen Anforderungen in Deutschland zu genügen, müssen für Neubürger, die in ihrer früheren Heimat keine Nachnamen kannten, häufig künstliche Namen definiert werden. "Das ist manchmal nur schwer mit der ursprünglichen Tradition vereinbar."

Ein maskuliner Zusatz wird zum Familiennamen

Wie kompliziert und kurios Namensanpassungen ausfallen können, erklärt die Expertin anhand einer eingebürgerten indischen Familie, die der Gruppe der Sikh angehört. Bei diesen besteht der zweiteilige Name traditionell aus einem persönlichen Namen und einem Zusatz, der das Geschlecht charakterisiert: Singh (Löwe) für Männer und Kaur (Prinzessin oder Schmuckstück) für Frauen. "Hier wird bei Einbürgerung nicht selten das maskuline Anhängsel Singh, also Löwe, als Nachname gewählt. Ihn tragen auch alle weiblichen Familienmitglieder. Manchmal werden solche Bezeichnungen sogar übersetzt, so dass Singh mitunter zum Familienname Leo mutiert."

Im Stammbuch ist der Familienname eingetragen.  (Quelle: imago/Leber)Im Stammbuch ist der Familienname eingetragen. (Quelle: imago/Leber)

Frau Petrowa heißt hier nun Frau Petrow

Einem Wandel sind hierzulande auch slawische Nachnamen unterworfen. Hier setzt sich bei der Anpassung an das deutsche Umfeld immer häufiger durch, dass die typisch weibliche Namensendung -owa oder -ova zugunsten der männlichen Form (-ow/-ov) wegfällt. "Im Gegenzug", so die Expertin. "wird es bei Einwanderern aus diesen Regionen immer beliebter, ihren Kindern nun zusätzlich traditionelle Nachnamen als Zweitvornamen mit diesen geschlechtsbeschreibenden Endsilben zu geben. Damit wollen Familien die Tradition des sogenannten Vatersnamen aufrecht erhalten. Dieser steht in der klassischen, dreiteiligen russischen Namenstruktur nach dem Vornamen an zweiter Stelle und war immer wichtiger als der Nachname."

Die Metamorphose russlanddeutscher Namen

Eine andere Entwicklung zeigt sich bei Russlanddeutschen. Ihre alten Nachnamen, die ihre Vorfahren bei ihrer Auswanderung nach Osten trugen, sind im Laufe der Zeit häufig russifiziert worden. "Sprachanpassungen ins Kyrillische fanden vor allem bei Umlauten statt oder wenn beispielsweise ein Name mit dem im russischen Alphabet fehlenden H begann. Dann wurde aus Familie Hansen unter Umständen die Familie Gansen. In solchen Fällen können Rückkehrer hier ihren Ur-Namen wieder annehmen und eintragen lassen. Die Voraussetzung ist allerdings, dass die sprachliche Wandlung nachgewiesen wird.

Wenn Vornamen auch Nachnamen sind und umgekehrt

Besonders verwirrend kann es werden, wenn deutsche Namenssystematik bei Kulturen angewendet wird, in denen Vor- und Nachnamen kaum unterschieden werden. Das ist zum Beispiel im Koreanischen so, wo der häufige Name "Kim" gleichermaßen als persönlicher und als Familienname verwendet wird. Ähnliches gibt es auch in der Türkei, in der erst 1934 Nachnamen eingeführt wurden, die auch noch beliebig gewählt werden konnten. So gibt es dort unzählige Kombinationen mit dem Wort "Öz" (= Ursprung / echt, wahr, rein), die sowohl Vor- als auch Nachname sein können. Und für den arabisch-islamischen Raum sind Zuordnungen ebenfalls schwierig. Der verbreitete Vorname "Mohammed" kommt insbesondere in Pakistan häufig auch als Nachname vor.

Typische Merkmale gehen durch Eindeutschung verloren

Auch wenn die Übersichtlichkeit durch die Vermischung unterschiedlicher Namenskulturen leidet, letztendlich werde bei uns durch Zuwanderung und durch Menschen mit Migrationshintergrund die Welt der Namen bereichert, betont Rodríguez. "Schade finde ich allerdings, dass durch die Anpassung an deutsche Regelungen charakteristische Eigenheiten ausländischer Namenssysteme oftmals nicht mehr sichtbar. Die Ursprünge eines Namens gehen so verloren. Typische deutsche Familiennamen werden durch diese Entwicklung aber nicht verdrängt beziehungsweise verloren gehen."

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