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Kindesmisshandlung in Deutschland: "ein ungelöster Skandal"

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Kindesmisshandlung  

Gewalt gegen Kinder in Deutschland ist "ein ungelöster Skandal"

17.06.2016, 17:02 Uhr | dpa, AFP, t-online.de

Kindesmisshandlung in Deutschland: "ein ungelöster Skandal". Schwere Kindesmisshandlung ist in Deutschland an der Tagesordnung. (Quelle: dpa)

Schwere Kindesmisshandlung ist in Deutschland an der Tagesordnung. (Quelle: dpa)

Zuerst die gute Nachricht: Immer mehr Deutsche lehnen körperliche Strafen in der Kindererziehung ab, der Klaps auf den Po wird seltener. Die schwerer wiegende, schlechte Nachricht: Fälle brutaler Kindesmisshandlungen sind seit elf Jahren kaum weniger geworden. 

Beim Kinder- und Jugendärztetag in Berlin forderten Ärzte besseren Schutz für Kinder in unserer Gesellschaft. Kinderrechte müssten im Grundgesetz verankert werden. Gewalt gegen Kinder sei in Deutschland "ein ungelöster Skandal", sagte der Sprecher des Berufsverbands, Hermann Josef Kahl. Ursachen seien vor allem Armut, Überforderung, sehr junge Eltern und überwiegend männliches Affektverhalten, teils unter Alkoholeinfluss.

Körperliche Strafen sind inzwischen verpönt

In der Nachkriegszeit waren Schläge in der Kindererziehung oft noch die Regel. Um die Jahrtausendwende waren viele immer noch der Auffassung, ein Klaps auf den Po habe noch keinem Kind geschadet. 

Seit 2002 ist das Recht auf gewaltfreie Erziehung gesetzlich verankert. Körperliche Bestrafungen und seelische Verletzungen sind ausdrücklich verboten. 2011 trat zudem das Kinderschutzgesetz in Kraft. Seitdem hat in großen Teilen der Gesellschaft ein Umdenken eingesetzt. Die Zahlen von 2005 und 2016 zum Vergleich: 

StrafeAkzeptanz 2005Akzeptanz 2016

Klaps auf den Po

 76,2 %44,6 %
leichte Ohrfeige53,7 %17 %
Tracht Prügel mit Blutergüssen1,9 %0,1%
Schlagen mit dem Stock1,9 %0,4 %

Täglich werden elf Kinder in Deutschland brutal misshandelt

Die Schattenseite: Schwere Kindesmisshandlung ist in Deutschland trotzdem noch an der Tagesordnung. "Elf Kinder werden jeden Tag so schwer körperlich oder seelisch misshandelt, dass diese Fälle in der Kriminalstatistik auftauchen", sagte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach.

Das Bundeskriminalamt hatte Anfang Juni mitgeteilt, dass 2015 mehr als 3900 Kinder körperlich misshandelt, 130 getötet und 14.000 Opfer von sexueller Gewalt wurden.

Kevin – sein Name ist Mahnmal für das Versagen von Kinderschutz

Dies sind nur die Fälle, die ans Licht kommen. Zum Beispiel der Fall Kevin. Sein Name wurde zum Synonym für die Debatte um Mängel beim Kinderschutz. Die Leiche des Zweijährigen wurde vor zehn Jahren in Bremen im Kühlschrank seines drogenabhängigen Ziehvaters gefunden. Jahrelang war der Junge von seinen Eltern misshandelt worden.

In Mönchengladbach wurde im Mai ein 26-Jähriger verurteilt, der seinen 19 Tage alten Sohn aus Eifersucht missbraucht und ermordet hatte. Der Mann hatte den Säugling laut Richter aus "maßloser Selbstsucht und Eifersucht" stundenlang gequält, setzte sich auf das Köpfchen und missbrauchte ihn sexuell.

Weitere Fälle der jüngeren Zeit: In Hamburg starb die dreijährige Yagmur an den Folgen schwerer Misshandlungen durch die Mutter. Eine Mutter in Flensburg ließ ihren vierjährigen Sohn wochenlang allein. Vor wenigen Tagen fand ein Radfahrer drei Kinder lebensgefährlich verletzt auf einem Gehweg in Krefeld. Die Mutter soll sie aus dem Fenster im zweiten Stock geworfen haben. 

Problemfamilien sind schwer zu erreichen

"Wir erreichen durch Prävention eher die Gutwilligen", sagt Kinderpsychiater Jörg M. Fegert aus Ulm. Sehr viel schwieriger seien Familien zu erreichen, denen es sehr schlecht geht. Immerhin: In den fünf Jahren seit es das Kinderschutzgesetz gibt, stieg die Zahl der Kinder, die von den Eltern getrennt und in Obhut genommen wurden, um ein Viertel auf über 40.000.

Jeder muss auf Signale von Misshandlung achten

Die Kinderärzte fordern weitere Verbesserungen beim Kinderschutz: Etwa mehr Früherkennung und mehr Zeit und Rechtssicherheit für die Mediziner, über Signale von Misshandlungen mit Jugendämtern zu sprechen. Es gebe viele Stellen, an denen man auch als Bekannter oder Nachbar Rat und Hilfe holen kann, wenn man Signale für eine mögliche Misshandlung im Umfeld mitbekommt. Weil die Sensibilität gestiegen ist - so hofft Kinderpsychiater Fegert - nutzen hoffentlich auch immer mehr Menschen solche Möglichkeiten.

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