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"Kein Täter werden": Prävention hilft Pädophilen

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"Kein Täter werden"  

Prävention hilft Pädophilen

28.09.2016, 14:31 Uhr | dpa

"Kein Täter werden": Prävention hilft Pädophilen. Bei einer Therapie sollen die Betroffenen lernen, ihre Neigung unter Kontrolle zu halten. (Quelle: dpa)

Bei einer Therapie sollen die Betroffenen lernen, ihre Neigung unter Kontrolle zu halten. (Quelle: dpa)

Pädophile gar nicht erst zu Tätern werden lassen - das ist das Ziel des Netzwerks "Kein Täter werden". Rund 6400 Männer haben bereits Hilfe gesucht.

Männer, die sich zu Kindern hingezogen fühlen, können deutschlandweit kostenlos und anonym Hilfe von Therapeuten bekommen. Das in Berlin initiierte Netzwerk "Kein Täter werden" ist mittlerweile in elf Städten vertreten. Im Interview berichtet der Pressesprecher des Netzwerks, Jens Wagner, über Ziele, Arbeit und Erfolge.

An wen richtet sich das Netzwerk "Kein Täter werden"?

Das Angebot des Präventionsnetzwerks richtet sich an Menschen, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen, unter ihrer Neigung leiden und deshalb therapeutische Hilfe suchen. Ziel ist es, sexuelle Übergriffe durch direkten körperlichen Kontakt oder indirekt durch den Konsum oder das Veröffentlichen von Missbrauchsabbildungen im Internet zu verhindern.

Wie viele Männer haben sich bereits Hilfe gesucht beziehungsweise eine Therapie begonnen?

Rund 6400 Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet haben sich seit 2005 bis Ende März 2016 an das Präventionsnetzwerk gewendet. Fast 1200 von ihnen konnte ein Therapieangebot gemacht werden. Insgesamt haben seitdem 539 Teilnehmer die Therapie begonnen und 231 erfolgreich abgeschlossen. Ebenfalls 231 befinden sich in therapeutischer Behandlung.

Wie sieht eine Therapie aus?

Die gesamte Therapie erfolgt kostenlos und unter Schweigepflicht. Sie findet wöchentlich in Gruppen sowie bei Bedarf auch in Einzelgesprächen und unter Einbeziehung Angehöriger statt. Die Behandlung folgt einem strukturierten Therapieplan und berücksichtigt die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmer. Die Therapie im Netzwerk integriert psychotherapeutische, sexualwissenschaftliche, medizinische und psychologische Ansätze sowie die Möglichkeit einer zusätzlichen medikamentösen Unterstützung.

Wo liegen die Grenzen einer Therapie?

Unser therapeutisches Angebot richtet sich an problembewusste Menschen, die aus eigenem Antrieb Hilfe in Anspruch nehmen wollen. Die Therapie kann dann erfolgreich sein, wenn die Teilnehmer etwas erreichen wollen und bereit sind, etwas zu verändern. Schwierig wird es, wenn Teilnehmer ihre individuellen Risikosituationen nicht sehen oder ihnen die Bereitschaft fehlt, daran zu arbeiten.

Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen und die Rückmeldungen der Teilnehmer?

Bisherige Auswertungen zeigen, dass das Behandlungsprogramm geeignet ist, bekannte Risikofaktoren für sexuellen Kindesmissbrauch zu senken und bei den Betroffenen eine erfolgreiche Verhaltenskontrolle aufzubauen. Unsere Teilnehmer sind in der Regel dankbar dafür, dass sie bei uns Hilfe finden und von uns nicht aufgrund ihrer sexuellen Präferenz moralisch verurteilt werden. Niemand ist verantwortlich für seine sexuelle Neigung, aber jeder für sein Verhalten.

Wie steht es um die Zukunft des Netzwerks?

Der Berliner Standort wird noch bis Ende 2016 vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz gefördert. Diese Förderung läuft Ende des Jahres aus rechtlichen Gründen aus. Verhandlungen mit dem Berliner Senat über eine Weiterfinanzierung laufen. Alle anderen Standorte werden bislang für jeweils ein bis drei Jahre von den jeweiligen Landesministerien gefördert. Unser Ziel ist daher eine Verstetigung und einheitliche Finanzierung, um bundesweit Versorgungsstrukturen zu schaffen, damit Betroffene in Wohnortnähe qualifizierte Behandlungsangebote finden.

Was passiert mit Menschen, für die die Anfahrt zu den Standorten zu weit ist?

Interessenten, die aufgrund zu weiter Anreisewege keine Diagnostik und Therapie an einem der Standorte in Anspruch nehmen können oder bei denen Faktoren vorliegen, welche die Aufnahme in das Therapieprogramm verhindern, zum Beispiel schwere psychische Störungen oder Substanzabhängigkeiten, werden an angemessene Therapiealternativen vermittelt.

So definiert sich Pädophilie

Wenn sich Erwachsene primär durch Kinder vor der Pubertät sexuell erregt fühlen, sprechen Fachleute von Pädophilie. Sofern Erwachsene sich vorrangig von Kindern und Jugendlichen sexuell angesprochen fühlen, deren Körper bereits Merkmale der Pubertät zeigen, ist von Hebephilie die Rede.

Menschen mit sexuellem Interesse an Kindern und Jugendlichen begehen nicht zwangsläufig sexuelle Übergriffe oder konsumieren Kinderpornografie. Pädophilie/Hebephilie ist deshalb nicht mit sexuellem Kindesmissbrauch gleichzusetzen, kann ihm aber vorausgehen.

Ein Prozent der Männer betroffen

Zuverlässige Zahlen, wie viele Menschen solche Neigungen haben, gibt es nicht. Wissenschaftler schätzen, dass bis zu ein Prozent der männlichen Bevölkerung pädophil ist. Eine Pädophilie wird fast ausschließlich bei Männern diagnostiziert.

Nach derzeitigem Stand der Forschung sind die Ursachen der Pädophilie/Hebephilie weitgehend unbekannt. Bei einer Therapie sollen die Betroffenen lernen, ihre Neigung unter Kontrolle zu halten.

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