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ADHS: Mehr Bewegung in die Schule bringen

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ADHS in der Schule  

Mehr Bewegung in die Schule bringen

23.01.2013, 14:36 Uhr | Sabine Caron, t-online.de

ADHS: Mehr Bewegung in die Schule bringen. Bei richtiger Förderung ist auch das Abitur möglich. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bei richtiger Förderung ist auch das Abitur möglich. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wenn Kinder mit ADHS in die Schule kommen, gehen die Probleme oft erst richtig los. Nicht selten werden Kinder zu Beginn der Grundschulzeit das erste Mal einem Kinderpsychologen vorgestellt. Sie können sich nicht konzentrieren und haben Schwierigkeiten, dem Unterricht zu folgen - obwohl sie normal intelligent sind. Dazu kommen Probleme mit den Mitschülerinnen und Mitschülern: oft wird das Kind zum Außenseiter oder zum „schwarzen Schaf“. Wie können Eltern und Lehrer die Kinder im Schulalltag unterstützen? Gibt es spezielle Schulen für ADS-Kinder? Welche professionelle Hilfe ist sinnvoll?

Woher kommen die Probleme?

Wenn Kinder mit AD(H)S in die Schule kommen, lassen die Probleme meistens nicht lange auf sich warten. Die Anforderungen, die an sie gestellt werden, überfordern die Kinder oft maßlos und auf deren individuelle Talente kann wenig Rücksicht genommen werden. In der Schule gilt überwiegend: stillsitzen, zuhören und leise sein, statt bewegen, toben, singen und kreativ sein. Da fallen Kinder mit AD(H)S schnell auf - durch ihr Verhalten aber auch durch ihre schulischen Leistungen. Oft werden dann die Eltern von den Lehrern aufgefordert, auf ihr Kind einzuwirken, da dessen Verhalten in der Schule nicht mehr tragbar sei. Für die Eltern ist das dann meist ein Schock. Auch, weil sofort die Sorgen losgehen, ihr Kind solle nun auf eine Förderschule geschickt werden. Viele Eltern reagieren auf allzu deutliche Lehrerkritik dann reflexartig mit Ablehnung beziehungsweise mit einer Abwehrhaltung.

Weil die Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus gerade für ein Kind mit AD(H)S aber besonders wichtig ist, sollte man sich von Anfang an nicht gegenseitig mit Vorwürfen begegnen. Aus Vorhaltungen der Lehrer entsteht nur ein kommunikativer Teufelskreis. Denn Mütter, die permanent mit ihren Kindern meckern, und drohende Väter verschlimmern das Problem, statt es zu lösen. "ADS-Kinder sind traurig. Wenn nun auch die Bindung an die Eltern durch deren fortwährendes Drängen und Schimpfen unsicher wird, dann sehen sie keinen Ausweg mehr", so Kinder- und Familientherapeut Wolfgang Bergmann. Trotzdem liegt der Ansatzpunkt zunächst bei den Eltern, indem sie die Bindung an das Kind und ihre Autorität stärken. Erst wenn sie die Probleme zu Hause geordnet haben, können sie auch die in der Schule angehen.

Kommunikation zwischen Lehrern und Eltern

Viele Pädagogen gehen davon aus, dass Kinder mit einer AD(H)S-Diagnose auch auf normalen Schulen gut zurecht kommen können. Ob das klappt, hängt vor allem davon ab, ob die Kommunikation zwischen Lehrern und Eltern stimmt und es die Bereitschaft gibt, sich dem Thema zu widmen. Statt gegenseitiger Vorwürfe ist es wichtig, dass Eltern und Lehrkräfte das konstruktive Gespräch suchen und nicht gegeneinander, sondern zusammen arbeiten. Viele Lehrer sind mit der Problematik nicht vertraut, so dass Eltern gegebenenfalls ihre Informationen weiterleiten sollten. Überlegen Sie gemeinsam, wie die Situation verbessert werden könnte, etwa durch ein regelmäßiges Feedback mit Hilfe eines Verhaltens-Berichtsbogen. Hier wird täglich von der Lehrerin in einem Frage-Katalog vermerkt, ob das Kind es zum Beispiel geschafft hat, sich in der Pause nicht zu streiten oder im Unterricht sitzen zu bleiben. Auf dem Internetportal "familienhandbuch.de" macht Diplom Pädagogin Uta Reimann-Höhn Vorschläge, die sich darüber hinaus bewährt hätten:

  • Ein Sitzball: Das Bewegen auf dem Sitzball kanalisiert den Bewegungsdrang

  • Das Laufdiktat: Das Kind läuft dabei zu einem Text und prägt ihn sich ein. Dann läuft es zu seinem Tisch zurück und schreibt das Wort oder den Satz aus der Erinnerung.

  • Rechenaufgaben lösen und dann an einem anderen Ort im Zimmer kontrollieren

  • Mit Hilfsaufgaben beauftragen: Das Kind kann dabei helfen, Hefte auszuteilen, die Tafel abzuwischen oder dem Hausmeister etwas mitzuteilen. Auf diese Weise setzt das Kind seinen individuellen Bewegungsdrang sogar produktiv ein.

  • Störungsfreie Beschäftigung erlauben: Dinge wie ein Knetball für die Hand, Kaugummi kauen oder ein Stuhl, der leicht wippt, lenken die anderen Schüler nicht ab, können aber helfen den Bewegungsdrang zu kanalisieren.

Alternative: Privatschulen für ADHS-Kinder

Häufig allerdings reichen solche Maßnahmen nicht aus. Viele Kinder landen deshalb noch immer, trotz normaler Intelligenz, auf Förderschulen. Sie erfahren auf der Regelschule nicht die richtige Unterstützung, weil die meist überfordert mit den kleinen Zappelphillipps sind. Nicht ohne Grund wurden in den letzten Jahren einige Privatschulen gegründet, deren Aufnahmebedingung "eine zeitnahe, durch eigens dafür geschulte Psychologen, Psychotherapeuten und Ärzte durchgeführte ADHS-Diagnosestellung" ist. So formuliert es das Private Gymnasium Esslingen, das 2007 seinen Betrieb aufnahm. Auch die HEBO-Schule in Bonn, die seit 30 Jahren als "Schulversager" geltende Kinder und Jugendliche zum Schulabschluss führt, hat sich die "spezifische Förderung von Kindern mit AD(H)S, diagnostische Testungen und Potentialanalyse durch die schulinternen Schulpsychologen zum Ziel gesetzt", wie es auf der Homepage der Schule heißt. Auch wenn solche speziellen Schulen immer noch selten sind: "Verhält die Schule sich nicht kooperativ, sollte sie gewechselt werden", so Therapeut Bergmann.

Was Eltern tun können

Die erste wichtige Botschaft an Eltern ist: Sie tragen keine Schuld daran, dass ihr Kind AD(H)S hat. Die zweite Botschaft: "Lernen und Veränderungen im Verhaltensmuster sind trotz ADS möglich. Sie kosten etwas mehr Kraft und mehr Übungsdurchläufe", erklärt die Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin Dr. Elisabeth Aust-Claus, die auf dem Online-Portal opti-mind.de das ADS-Elterntraining betreut. ADS-Kinder seien meistens auf intensivere Hilfe beim Lernen und bei den Hausaufgaben angewiesen. Sie bräuchten Lernstrategien, Unterstützung beim Zeitmanagement und visuelle Anschauungshilfen. Um Eltern zu helfen, genau diese besondere Förderung zu realisieren, gibt es auf dem Portal Vorlagen für Punktepläne, Wochenplaner, Checklisten und andere Materialien. Für ein ordentliches Zeitmanagement kann es helfen wenn die Kinder immer zur gleichen Uhrzeit die Hausaufaufgaben erledigen. Eltern können dann eine Uhr daneben stellen, auf der man die Hausaufgaben- oder Lernzeit beziehungsweise deren Ende verdeutlicht.

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Das Lernen kreativ gestalten

Wolfgang Bergmann kennt viele kreative Übungen, die Eltern mit ihren Kinder machen können, um den Lernerfolg zu steigern. Alle diese Übungen kämen "seiner seelisch-geistigen Verfassung entgegen - und es belohnt uns mit Aufmerksamkeit und Fleiß", wie der Familientherapeut in seinem Buch "AD(H)S in der Schule" schreibt. Ein Beispiel sei das Üben von Diktaten. "Wenn Sie das Kind zwingen wollen, diesen vorgegebenen Text ordentlich, sauber und korrekt in sein Heft zu schreiben, werden Sie scheitern - beide. Sie und Ihr Kind", erläutert Bergmann. Stattdessen plädiert er dafür, die schauspielerischen Stärken der Kinder auszunutzen und das Kind den Text zunächst in ein Diktafon vorlesen zu lassen. Beim nochmaligen Abspielen schreibt das Kind dann mit - und lauscht seiner Stimme nun mit voller Aufmerksamkeit.

Literaturtipps für Eltern von Kindern mit ADHS:

Dr. Elisabeth Aust-Claus und Dipl. Psychologin Petra Marina Hammer: ADS - Topfit beim Lernen. Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Bedienungsanleitung für dein Gehirn. Erschienen bei OptiMind media. Preis: 19,80 Euro

Dr. Elisabeth Aust-Claus: ADS - Eltern als Coach. Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Ein praktisches Workbook für Eltern. Erschienen bei OptiMind media. Preis: 19,80 Euro

Wolfgang Bergmann: AD(H)S in der Schule. Wie Eltern ihren Kindern helfen können. Erschienen bei Beltz. Preis: 12,95 Euro

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