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TV-Doku: "Pillen für den Störenfried?"

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"Pillen für den Störenfried?"

08.05.2012, 11:37 Uhr | t-online.de

TV-Doku: "Pillen für den Störenfried?". Philipp (14) hat ADHS. Wie gehen er und seine Familie damit um? (Quelle: SWR/Filmtank)

Philipp (14) hat ADHS. Wie gehen er und seine Familie damit um? (Quelle: SWR/Filmtank)

Kinder die sich außerhalb unserer hohen Normen bewegen, werden heute schnell als verhaltensauffällig eingestuft. Während früher Kinder, die nicht ins Konzept passten, körperlich gestraft wurden, greifen Eltern von heute zur Psychopille. Was sagt es über unsere Gesellschaft aus, dass die Anzahl der Rezepte für Psychopharmaka für Kinder und Jugendliche in den letzten 15 Jahren von 5000 auf 380.000 angestiegen sind? Für die TV-Doku "Pillen für den Störenfried?" wurden drei Familien begleitet, die auf unterschiedliche Weise mit der Verhaltensauffälligkeit ihrer Kinder umgehen. (Sehen Sie hier Fotos aus dem Film.)

Philipp ist aggressiv

Philipp ist 14. Wie Luis und Tim fiel auch er schon im Kindergarten auf. "Uns war klar, dass irgendwas mit Philipp nicht stimmt", sagt seine Mutter. "Er ist ausgetickt, hat rumgeschrien, hat alles um sich geschmissen." Er habe sich von Anfang an angegriffen gefühlt, erklärt Philipps Lehrerin. "Wenn er nicht schreiben wollte, dann flog halt mal das Mäppchen durch die Gegend, oder das Heft wurde zerrissen. Es reagierte dann sehr aggressiv und lautstark."

Auch Philipps Eltern haben an ihrer Erziehung gezweifelt. "Wir haben sicher auch falsch reagiert, weil wir nicht wussten, was er hat. Wir dachten, es hängt an der Erziehung." Philipp hat ADHS, er nimmt täglich Tabletten, macht Ergo- und Psychotherapie. Dennoch zweifeln die Eltern, welcher Weg der richtige für Philipp ist. "Mir fiel es natürlich schwer nachzuvollziehen, was da passiert. Ich war auch lange gegen die Medikation", so Philipps Vater. "Im Prinzip hat Philpp uns die Entscheidung abgenommen", ergänzt seine Mutter. Nach einem besonders anstrengenden Schultag, kündigte er an: "Mama, ich gehe jetzt hoch in mein Zimmer, mach das Fenster auf und springe raus, dann hast du keine Probleme mehr."

Seit zwei Jahren nimmt ihn keine Schule

Sowohl Philipp als auch seinen Eltern geht es mit den Tabletten besser. "Der Philipp kam nach zwei, drei Monaten und sagte, es ist schön, mein Kopf sagt mir nicht mehr so dumme Sachen." Sein größtes Problem: Seit zwei Jahren geht er nicht in die Schule. Das letzte Internat, spezialisiert auf ADHS, wurde geschlossen. Trotz Schulpflicht nimmt ihn keine Schule auf. "Dass ich nicht mehr ausraste, glauben die Schulen mir nicht." Das zuständige Schulamt will dem Fernsehteam keine Auskunft geben.

Eine Klinik im Schwarzwald sollte Philipp weiterhelfen. Sechs Wochen konnte wieder unter Kindern sein und lernen. Doch Philipp lebt inzwischen mit der Angst, zu versagen. Grenzen zu akzeptieren fällt ihm besonders schwer. Nach einem Konflikt mit einem anderen Kind musste er die Klinik verlassen. Eine weitere Hoffnung der Eltern war zerplatzt. Doch dann hat Philipp Glück: Eine Privatschule mit Internat, spezialisiert auf ADHS nimmt ihn auf. Der 14-Jährige ist glücklich, sieht endlich wieder eine Perspektive für sein Leben.

Luis ist impulsiv

Der zehnjährige Luis fiel schon im Kindergarten auf. Die Erzieherinnen wiesen die Eltern darauf hin, dass mit Luis etwas nicht stimmt: Er könne nicht ruhig sitzen, ließe sich leicht ärgern. "Er ist dann total impulsiv", sagt sein Vater über ihn."Es kann passieren, dass er beim Fernsehen einfach mal losschreit, weil er sich seit zehn Minuten auf ein Fernsehbild konzentriert hat und Energien gesammelt hat, die einfach dann raus müssen. Für mich als Techniker ist es schwer verständlich gewesen, was da in diesem Kind vor sich geht."

Die Diagnose von Luis lautet ADHS. Die Eltern zweifeln an ihrer Erziehung. Haben sie etwas falsch gemacht? "Wir brauchten eine Lösung für unsere kippende Familiensituation", sagt Luis Vater. Als alle Therapien nicht halfen, hat sich die Familie für eine Medikamententherapie entschieden.

Lernen ohne Störungen

Seit nunmehr fünf Jahren nimmt Luis Tabletten. Sein Arzt hält das für die einzig erfolgreiche Methode. "Die Ausprägung seiner ADHS war so deutlich, dass er mit allem anderen keinen Erfolg hatte. Wir wissen, dass all die therapeutischen Maßnahmen deutlich weniger wirksam und weniger schnell wirksam sind."

"Ich möchte nur, dass diese Medikamente ihm ermöglichen, seine Träume zu realisieren", sagt Luis' Mutter. Und dazu gehört für sie: lernen ohne Störungen. In der Schule kommt Luis mit Hilfe der Tabletten gut zurecht. Doch was denkt Luis selbst über die Medikamente? "Wenn ich sie nicht nehme, bin ich irgendwie wilder." Ohne die Tabletten könnte man Luis erleben, wie er wirklich ist, doch so soll er auf Wunsch seiner Eltern nicht gezeigt werden. Jeden Tag Medikamente nehmen - davon ist Luis manchmal ganz schön genervt. Aber für seine Eltern hat der Erfolg in der Schule Vorrang.

Tim kann seine Emotionen schwer verarbeiten

Auch Tim (10) war schon früh auffällig. Im Kindergarten gab es erste Anzeichen, andere Kinder fühlten sich durch seine körperliche Art der Kontaktaufnahme belästigt. Er hatte Probleme, sich zu konzentrieren, zog Grimassen, hatte Tics. Bis heute kann er seine Emotionen und Erfahrungen nur schwer verarbeiten.

Seine Eltern entschieden sich bewusst gegen Tabletten und für Therapien. "Das ist keine Krankheit für mich", sagt Tims Vater. "Das ist das normale Leben. Er hat ein Verhaltensproblem und wenn ich das mit Medikamenten behandeln will, stelle ich es still. Das ist doch keine Zukunft für das Kind."

"Da hat sich ganz viel getan"

Seine Therapeutin erinnert sich: "Als Tim kam, war er sozial sehr auffällig. Ich hatte das Gefühl, das Kind ist auf der Flucht." Jahrelang trainiert die Therapeutin mit ihm - mit Erfolg. "Tim lernt, Konflikte zu lösen. Kinder, die Medikamente nehmen, lernen Medikamente zu nehmen." Tim macht Fortschritte, auch ohne Tabletten. Die Familie unterstützt Tim dabei. Besonders wichtig ist für ihn seine Großmutter, die ihn so annimmt, wie er ist. "Für mich ist er ganz normal. Früher haben sich die Jungens auch geschlagen. Ist doch heute auch so. Aber die Leute können heute doch nichts mehr vertragen."

Tims Weg ist dennoch mühsam. Bei einem Verhaltenstraining auf Sylt muss er in einer großen Gruppe von Kindern allein klarkommen. "Tim fällt es schwer, Frustration zu ertragen", sagt sein Psychologe. "Aber das muss er lernen." Auch in der Schule fällt Tim auf. Hier zeigen seine Anstrengungen ebenfalls Wirkung. "Da hat sich ganz viel getan," lobt ihn seine Lehrerin. Tims Mutter glaubt fest daran, dass ihr Sohn es schafft. "Wenn er jemanden findet, der ihn so akzeptiert, wie er ist, dann ist er ganz wunderbar."

Drei Familien, drei Wege

Drei Familien mit auffälligen Kindern, drei Wege. Tim geht seinen Weg ohne Medikamente, er hat dadurch schon viel über sein Verhalten gelernt. Luis nimmt Tabletten und kommt damit in der Schule gut zurecht. Aber wird er irgendwann auch ohne Medikamente bestehen? Philipp hat endlich eine Schule gefunden, die ihn so akzeptiert, wie er ist. Er gehört inzwischen zu den Klassenbesten.

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