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Bettnässende Kinder: Bitte nicht schimpfen

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Schon wieder ist das Bett nass …  

Kinder nicht ausschimpfen

21.06.2011, 16:07 Uhr | dpa-tmn

Bettnässende Kinder: Bitte nicht schimpfen . Bettnässen: Schon wieder ist das Bett nass. (Quelle: Archiv)

Schon wieder ist das Bett nass. (Quelle: Archiv)

Übernachten bei Freunden und Klassenfahrten sind für manche Kinder sind sie mit gemischten Gefühlen verbunden, denn sie haben ein trauriges Geheimnis: Sie machen nachts noch immer ins Bett und haben Angst, entdeckt oder geärgert zu werden. Bettnässen oder Enuresis nennen das die Mediziner. Ursache ist meist eine Reifeverzögerung.

Machen Kinder nachts ins Bett, ist meist eine harmlose Reifeverzögerung die Ursache. Eltern sollten deshalb ruhig reagieren und dem Kind signalisieren, dass sie es beim Trockenwerden unterstützen. Strafen oder Beschimpfungen erhöhten hingegen den Druck auf das Kind und schwächten sein Selbstbewusstsein. Dadurch könne sich das Einnässen sogar verschlimmern, warnt die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) in Berlin.

Wann spricht man von Bettnässen?

Eltern und Verwandte erwarten oft schon früh, dass ihre Kinder nachts die Blase kontrollieren können. Medizinisch wird erst dann von Bettnässen gesprochen, wenn ein Kind jenseits des fünften Geburtstages mindestens zweimal pro Woche einnässt.

Dabei wird die primäre und die sekundäre Enuresis unterschieden. Die primäre Enuresis ist gekennzeichnet durch fortlaufendes Einnässen über das sechste Lebensjahr hinaus, ohne dass das Kind über einen längeren Zeitraum trocken war. Bei der sekundären Form waren die Kinder nachts schon mal trocken und nässen dann wieder ein.

Wie viele Kinder sind betroffen?

Untersuchungen haben ergeben, dass nachts etwa 25 Prozent der Vierjährigen, zehn Prozent der Siebenjährigen, fünf Prozent der Zehnjährigen und ein bis zwei Prozent der Jugendlichen einnässen. Die spontane Heilungsrate beträgt etwa 13 Prozent pro Jahr. Die meisten Betroffenen sind Jungen. Wahrscheinlich ist die tatsächliche Zahl noch viel höher, da die Dunkelziffer als sehr hoch einzuschätzen ist.

Ursachen für das Einnässen

Bei der sekundären Enuresis liegen in der Regel psychische Ursachen vor, wie zum Beispiel Schulstress, Trennung der Eltern oder Probleme mit Freunden.

Bei Kindern, die schon immer eingenässt haben, spielen psychische Gründe laut Medizinern in der Regel keine Rolle. Sie werden bei der primären Enuresis eher als eine Folge der Störung betrachtet. Ursache ist häufig eine verzögerte Entwicklung der Hirnanhangdrüse, die zu wenig von einem bestimmten Hormon produziert, das die Harnproduktion hemmt (ADH oder Vasopressin). Normalerweise wird dieses Hormon von der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) in einem tageszeitlich abhängigen Rhythmus ausgeschieden, der dafür sorgt, dass nachts weniger Harn in die Blase gelangt. Diese hormonelle Regulation kann bei der primären Enuresis nocturna gestört sein.

Tiefschlaf und familiäre Veranlagung

Häufig fallen diese Kinder zusätzlich noch in einen extrem tiefen Schlaf, der ihnen das Erwachen bei Harndrang unmöglich macht. Dann sind oft Reifungsstörungen der übergeordneten Zentren die Ursache. Sie haben sich nicht richtig oder verlangsamt entwickelt. Die Kinder spüren zum Beispiel nicht, dass ihre Blase voll ist. Es gibt familiäre Veranlagungen, die über eine Reifungsverzögerung zum Bettnässen führen können. In knapp 90 Prozent aller Fälle hat ein naher Verwandter das gleiche Problem gehabt.

Mit Belohnungen arbeiten

Um den Nachwuchs zu motivieren, könnten Eltern trockene Nächte mit kleinen Dingen belohnen oder in einem Plan die Fortschritte einzeichnen. Erst wenn diese Tricks nicht greifen oder das Kind psychisch auffällig wird, sollten Eltern einen Termin beim Kinderpsychiater vereinbaren. Behandelt wird das Einnässen beispielsweise mit einer Verhaltenstherapie oder einer Kontinenzschulung, bei der Kinder ihren Körper besser wahrnehmen lernen.

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