Einschlafhilfen
Dem Sandmann unter die Arme greifen17.07.2013, 12:15 Uhr | Simone Blaß, t-online.de
Einschlafhilfen sollen Eltern unterstützen und die Babys so geborgen wie in der Gebärmutter schlafen lassen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)
Ein schlafendes Kind ist für viele Menschen der Inbegriff von Frieden. Kein Wunder! Denn ein müdes Kind, das nicht schlafen kann oder auch nicht schlafen will, führt schnell zum Nervenkrieg. Gefühlte 100 Stunden jeden Abend im Kinderzimmer, Schlafanzugzwerge, die bereits zum zehnten Mal im Wohnzimmer auftauchen - wahrscheinlich ist genau das der Grund, warum ein Buch mit dem Titel "Verdammte Scheiße, schlaf ein!" so einen Zuspruch hat. Und warum Eltern immer wieder versuchen, die lieben Kleinen in Sachen Schlaf zu überlisten.
"Als unsere große Tochter frisch geboren war, hat sie mehr oder weniger die ersten drei Wochen nur durchgeschlafen. Doch von einem Tag auf den anderen war das vorbei. Plötzlich hat es jedes Mal ewig gedauert, bis sie wieder in den Schlaf gefunden hat. Das ging wochenlang so." Alles haben Dirk und seine Frau probiert: in den Schlaf stillen, Einschlaflieder, Rituale, Schlafprogramme, stundenlanges Danebenliegen - das Warten auf den Schlaf wurde für die ganze Familie zur persönlichen Hölle. Denn nicht nur das Kind, auch die Eltern wurden immer müder und unkonzentrierter. Irgendwann lagen die Nerven blank. "Bis ich auf die Idee gekommen bin, dieses Monstrum von Milchpumpe aus der Apotheke per Gummiband mit der Babywiege zu verbinden. Das monotone Rauschen der Maschine und das extrem gleichmäßige Geschaukel haben Johanna anscheinend völlig überrascht und total beruhigt."
Instinktiv hat Dirk die richtige Lösung für das Schlafproblem seiner Tochter gefunden. "Denn", so bestätigt Dr. Alfred Wiater von der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin gegenüber der Elternredaktion von t-online.de, "es gibt tatsächlich Tonfrequenzen, die schlafstimulierend wirken." Dirks Idee ist eine ähnliche wie die eines Schweizer Erfinders. "Sleepy Relax" heißt sein System, das - allerdings tonlos - ebenfalls auf einem ganz einfachen Prinzip beruht: Vier Spezial-Sockel werden unter den Füßen des Kinderbettes befestigt. Eine Spirale, die in diesen Sockeln versteckt ist, reagiert auf alle Bewegungen des Kindes. Laut Hersteller selbst auf seine Atmung und seinen Herzschlag. Das Baby wiegt sich so sozusagen von allein in den Schlaf. 60 Prozent aller betroffenen Kinder sollen auf diese Weise besser ein- und sogar 70 Prozent besser durchschlafen können. Der Schlafforscher hält das für durchaus möglich: "Da das Sleepy-System den kindlichen Rhythmus aufnimmt, erscheint es mir als Einschlaf- und Wiedereinschlafhilfe sinnvoll. Wiegende Bewegungen kennen wir aus vielen Kulturen als wirksame Einschlafmittel. Im Sleepy-System sehe ich eine Fortentwicklung dieser Praxis."
Jutta schwört auf eine Plüschfigur namens Doodoo, wenn es um den Schlaf ihres sechs Monate alten Sohnes geht. "Das ist die reinste Geheimwaffe. Der kleine Hund imitiert die Geräusche im Mutterleib und das hat von Anfang an funktioniert." Ein sehr empfindlicher Sensor registriert, wenn das Baby unruhig wird und aktiviert für die nächsten fünf Minuten das rauschende Geräusch. Später, wenn die Kinder größer sind, kann man auch ein gängiges Schlaflied wählen. Das Prinzip ist einfach, aber durchaus wirkungsvoll und wird inzwischen häufig auf Säuglingsstationen beziehungsweise Frühgeborenenstationen empfohlen und eingesetzt.
Viele Kinder brauchen einen bestimmten Teddy, ein Schmusetuch, Mamas getragenes T-Shirt oder Ähnliches, um Ruhe finden zu können. Man spricht hier von einem Übergangsobjekt. "Letztere haben vor allem für jüngere Kinder eine große Bedeutung zur Überwindung von Trennungsängsten zur Mutter. Gerade bei jüngeren Kindern ist zu bedenken, dass neben einer mangelnden Fähigkeit, sich an feste Einschlafgewohnheiten zu halten, Ängste vor dem Einschlafen, zum Beispiel Furcht vor der Dunkelheit und Alleinsein, vorhanden sein können", heißt es dazu im "Handbuch Kinderschlaf".
Für ältere Kinder, die nicht einschlafen können und die manchmal auch nicht schlafen wollen, gibt es eine noch größere Auswahl an Einschlafhilfen. Bären, mit denen man sich vermeintlich unterhalten kann, speziell komponierte Musik, die ebenfalls Auswirkungen auf die Gehirnwellen haben soll und besondere Lichter, die zum Beispiel bunte Fische regelmäßig über die Zimmerdecke huschen lassen und so den Unruhe-Geist beruhigen sollen. "Mit Licht sollte man aber eher zurückhaltend sein", warnt Dr. Wiater, Mitherausgeber des Buches. "Denn dadurch wird die Ausschüttung des Einschlafhormons Melatonin verhindert und durch zusätzliche Wechsel könnte eine weitere Ablenkung erfolgen."
Auch autogenes Training und progressive Muskelentspannung speziell auf die Kleinen ausgerichtet und sogar spezielle Globuli und Bachblütenextrakte sind auf dem Markt. Wobei man diese genauso wie Baldrian niemals ohne ärztlichen beziehungsweise heilpraktischen Rat geben sollte und schon gar nicht ganz kleinen Kindern.
Kinder, die bereits von allein ganz prima schlafen, brauchen auch keine besonderen Einschlafhilfen. Ein schönes Abendritual genügt. Hält ein Kind einen aber Abend für Abend auf Trab, versucht man alles, um es zur Ruhe zu bringen. Manchmal zu viel. Denn oft verstärken die zahlreichen Hilfsmittel, die von der Industrie zur Verfügung gestellt werden, die Einschlafprobleme nur noch. Nämlich dann, wenn das Kind nicht einschlafen kann, weil es zu viele Eindrücke zu verarbeiten hat und nicht zur Ruhe kommt. "Konstante Einschlafrituale von bis zu 15 Minuten, monotone und entspannende Abläufe sowie eine schlaffördernde, abgedunkelte, kühle, ruhige und nikotinfreie Schlafumgebung reichen im Normalfall völlig aus", so Wiater.
Manche Eltern möchten in Sachen Einschlafritual alles richtig machen und ziehen es zu stark in die Länge oder reagieren zu früh auf das kleinste Maunzen. Jedes Kind ist hier anders und während das eine von Regenbogenlichtern im Zimmer beruhigt wird, machen diese ein anderes ganz nervös.
In ihrer Verzweiflung greifen viele Eltern seit Jahren auf das Buch "Jedes Kind kann schlafen lernen" zurück. Die dort beschriebene radikale Ferber-Methode wird allerdings inzwischen allgemein als zu heftig, fast brutal kritisiert. "Neben der Ferber-Methode gibt es die etwas ‚sanftere‘ Freiburger Sanduhrmethode", erklärt der Chefarzt der Kinderklinik des Krankenhauses Porz. "Es handelt sich dabei um verhaltenstherapeutische Maßnahmen, die allerdings nur Sinn machen, wenn sie in ein verhaltenstherapeutisches Gesamtkonzept integriert sind und professionell begleitet werden."
Kinder, egal wie klein sie noch sind, spüren übrigens die Ungeduld der Eltern. Sie sind wahre Seismografen für unterdrückte Wut, die automatisch auftaucht, wenn man sich jeden Abend viele Stunden lang im Kinderzimmer über den ausbleibenden Schlaf ärgert und darüber, was man in dieser Zeit alles hätte schaffen können. Kinder können dann erst recht nicht schlafen. Möchte man also, wie heute allgemein üblich, sein Kind beim Kampf um den Schlaf trotzdem nicht allein lassen, dann macht es sicher Sinn, sich eine Einschlafhilfe zu suchen, die einen in erster Linie selbst beruhigt.
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17.07.2013, 12:15 Uhr | Simone Blaß, t-online.de
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