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Pädagogik  

Psychisch kranken Kindern droht schlechtere Versorgung

03.11.2008, 15:50 Uhr | ruf, dpa

Psychisch kranken Kindern droht schlechtere Versorgung. (Bild: Imago)Psychisch kranken Kindern droht schlechtere Versorgung. (Bild: Imago)Kinder- und Jugendpsychiater haben vor drohenden Verschlechterungen in der Versorgung von bis zu 200.000 psychisch kranken Minderjährigen gewarnt. Den in vielen Praxen angestellten Teams aus Heil- und Sozialpädagogen drohe das Aus, sagte Christa Schaff, Vorsitzende des Berufsverbands für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Grund seien bereits ausgesprochene oder drohende Vertragskündigungen der Krankenkassen.
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Pädagogen unterstützen die Ärzte

"Dabei ist mehr Betreuung nötig als früher, weil die Störungsbilder komplexer geworden sind", sagte Schaff. Noch unterstützen in rund der Hälfte der bundesweit 700 Praxen Pädagogen die Ärzte. Sie trainieren mit den kranken Kindern beispielsweise die Konzentration oder den besseren Umgang mit Ängsten und halten Kontakt zu Eltern und Erziehern. Für das seit 1994 bestehende Modell der Sozialpsychiatrie-Vereinbarung gibt es keinen ausdrücklichen gesetzlichen Auftrag. Durch entsprechende Verträge des Ersatzkassenverbands "VdAK" und einzelner Kassen habe die Zahl der behandelten Patienten in den teilnehmenden Praxen aber von rund 150 auf bis zu 400 im Quartal steigen können, so der Verband.

Nur die Hälfte der psychisch kranken Kinder wird angemessen behandelt

Hintergrund der Vertragskündigungen ist, dass durch die Gesundheitsreform der "VdAK" für solche Verträge nicht mehr zuständig ist und dass einzelne Kassen Mehrbelastungen durch die erwarteten Honorarerhöhungen für Ärzte ab 2009 fürchten. Dem Vernehmen nach stehen allerdings Beratungen über eine Weiterführung des Modells beim nun zuständigen Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung an. Nur die Hälfte der psychisch erkrankten Kinder und Jugendlichen erhält nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Psychiatrischer Krankenhäuser heute eine angemessene Behandlung. Studien zufolge haben rund 20 Prozent der Minderjährigen in Deutschland Auffälligkeiten, bis zu acht Prozent sind behandlungsbedürftig. Bei sozial schwächeren Familien liegt der Anteil der Kinder mit Auffälligkeiten bei rund einem Drittel. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt hatte im Juli angekündigt, dass die psychischen Probleme vieler Kinder künftig besser erkannt und behandelt werden sollen.

Besonders die Zahl der ADHS-Fälle nimmt zu

"Nach meinem Eindruck nehmen Störungen des Sozialverhaltens zu, ganz viele Kinder erleben Mobbing", sagte Schaff. Zu den häufigsten Störungen zählen zudem das Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom ADHS, depressive und psychosomatische Störungen sowie Ängste. Die Pädagogen-Teams in den Praxen könnten dazu beitragen, dass etwa junge ADHS-Patienten verstärkt ohne Medikamente behandelt werden können, sagte Schaff. Angesichts der Zunahme psychischer Störungen bei Jugendlichen forderte Schaff darüber hinaus mehr Information für Eltern, standardmäßiges Coaching über die psychische Entwicklung von Kindern schon in der Schwangerenvorsorge und eine bessere Finanzierung von Elternberatung.



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