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Spätabtreibung: "Sie gehen durch die Hölle"

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Abtreibung  

Spätabtreibung: "Sie gehen durch die Hölle"

25.11.2008, 12:10 Uhr | sca, dpa

Pränataldiagnostik: Segen oder Fluch?

"Die heutigen medizinischen Möglichkeiten sind sowohl ein Segen als auch ein Fluch", sagt Familientherapeutin Maria Nuij-Brandt von der Berliner Beratungszentrale "Familie im Zentrum". Die Sozialpädagogin ist spezialisiert auf psychosoziale Beratung nach vorgeburtlichen Untersuchungen (Pränataldiagnostik). "Die Technik ermöglicht es, beispielsweise schwere Herzfehler rechtzeitig zu erkennen." Dadurch überlebten viele Babys, die früher gestorben wären. Ebenso können unheilbare Krankheiten und Behinderungen entdeckt werden, bevor das Kind auf die Welt kommt. "Das führt zu einem Schock bei den Frauen. Familien drohen an den Belastungen kaputtzugehen."

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Je später desto schlimmer

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 229 Mal Schwangerschaften nach der 22. Woche abgebrochen - dann sind gesunde Babys in der Regel bereits alleine lebensfähig. Im Verhältnis zu insgesamt 116.871 Abtreibungen ist der Anteil mit 0,2 Prozent zwar verschwindend gering. Doch: "Je später die Abtreibung, desto schlimmer ist es für die Frauen, denn sie haben schon eine Beziehung zum Kind aufgebaut", sagt Brünig. Viele der Untersuchungen erfolgen aber erst nach den ersten zwölf Schwangerschaftswochen, in denen eine Abtreibung ohne Indikation noch möglich ist.

Trauer statt Schuldgefühle

Wie eine Spätabtreibung nach der 22. Schwangerschaftswoche erfolgt, wissen die wenigsten. "Die Frauen müssen die Babys richtig gebären", erklärt Brünig. Sie bereitet Frauen auf diesen Schritt vor. Sie erklärt ihnen, dass das ungeborene Kind vor dem Auslösen der Wehen mit einer Injektion getötet wird. Sie hilft den Müttern, ihr totes Baby nach der Entbindung in den Arm zu nehmen, um sich zu verabschieden - zunächst unvorstellbar für die meisten Frauen. Und sie hilft ihnen zu trauern. "Schuldgefühle verhindern oft die Trauer. Die Frauen geben sich die Schuld am Tod des Kindes. Sie gehen durch die Hölle."

Mehr frühzeitige Beratung nötig

Bei drei bis fünf Prozent aller Ungeborenen wird nach Angaben von Pränataldiagnostiker Adam Gasiorek-Wiens eine Fehlbildung festgestellt. Häufig seien die Paare aber nicht ausreichend auf diese Möglichkeit vorbereitet, sagt der in Berlin praktizierende Arzt. Er wünscht sich mehr frühzeitige Beratung. "Ärzte handeln häufig nach ihren eigenen Wertvorstellungen und genehmigen einen Abbruch, ohne dass die Frauen genügend Zeit bekommen, um alles zu verarbeiten", kritisiert Gasiorek-Wiens. Eine erzwungene Beratung vor der Spätabtreibung sei viel zu spät.

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