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Schulen: Deutschland hat zu wenig Schulpsychologen

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Zu wenig Schulpsychologen

08.12.2008, 14:06 Uhr | rev, dpa

Immer mehr Kinder und Jugendliche nehmen Psychopharmaka.Immer mehr Kinder und Jugendliche nehmen Psychopharmaka. (Bild: Imago)

Fehlende moralische Orientierung

So schieden 2006 von bundesweit rund 18.000 pensionierten Lehrern 24 Prozent aus Krankheitsgründen aus, wovon die Hälfte wiederum wegen psychischer Probleme ging. Da zeigten wohl auch Probleme im Elternhaus und mangelnde moralische Orientierung der Kids ihre Folgen, meint Seifried: "Wir haben Eltern, die wenig Interesse für ihre Kinder haben oder hilflos sind - und Kinder, die schon mit zehn, elf Jahren auf der Straße streunen." Es gebe aber auch ehrgeizige und autoritäre Eltern, die enormen Druck auf ihre Sprösslinge ausübten, den diese dann irgendwie loswerden müssten: "Aggression und Mobbing kennen wir nicht nur aus der Hauptschule, sondern auch und gerade aus dem Elite-Gymnasium."

Immer mehr Kinder erhalten Psychopharmaka

Zugleich werden Kindern immer häufiger Psychopharmaka verabreicht, wie eine Studie der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Köln zeigt: 2006 erhielten mit 28.100 Kinder viermal so viele Neuroleptika wie im Jahr 2000 (6800 Kinder). "Grundsätzlich wird relativ schnell mit Medikamenten interveniert, ohne sich die Zeit zu nehmen, den Hintergrund der Störung zu finden", kritisiert Psychologe Seifried.

Erst Katastrophen führen zum Handeln

Die Ursache für den Schulpsychologen-Mangel erklärt Christa Schaffmann: "In den 70er Jahren gab es eine richtige Welle, es wurden viele Stellen geschaffen - diese Generation geht jetzt aber in Rente. Viele Bundesländer haben aus finanziellen Gründen die frei gewordenen Stellen nicht nachbesetzt." Oft sei es erst eine Katastrophe wie der Amoklauf in einer Schule im westfälischen Emsdetten 2006, die die Politik aufrüttele. Ein Jahr nach dem Amoklauf hatte Nordrhein-Westfalen eine deutliche Aufstockung der Schulpsychologen-Zahlen von 170 auf 260 beschlossen - und ist damit bundesweiter Spitzenreiter.

Teuere Psychotherapeuten als Alternative

Der Besuch beim Schulpsychologen ist für die Eltern kostenlos, beim niedergelassenen Psychotherapeuten nicht. "Damit haben Leute mit Geld bessere Chancen, ihre Kinder unterstützten zu lassen", bemängelt Seifried. Auch für Katrin aus Bergisch Gladbach zahlen die Eltern aus dem eigenen Portemonnaie: "Wir haben in der dritten Klasse eine Lese- Rechtschreib-Schwäche vermutet, aber monatelang vergeblich auf ein Gespräch mit dem Schulpsychologen gewartet", sagt ihre Mutter. Katrin wiederholte die Klasse und bekam Panik vor der Schule. "Wir hatten das Warten satt und haben dann auf eigene Faust einen Experten gesucht - der war zwar teuer, aber jetzt läuft die Lerntherapie."

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