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Masern: Impfmüdigkeit löste Masernepidemie aus

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Masern  

Impfmüdigkeit löste Masernepidemie aus

02.02.2009, 14:33 Uhr | Spiegel Online; hei, Spiegel Online

Masern: Impfmüdigkeit löste Masernepidemie aus. Masernepidemie: Experten sehen in verstärkter Impfmüdigkeit die Ursache.

Masernepidemie: Experten sehen in verstärkter Impfmüdigkeit die Ursache. (Bild: Imago)

Die Ausrottung der Masern ist weit entfernt: Vor allem Impfmuffel sorgen dafür, dass die Viren immer wieder Epidemien auslösen - auch in Deutschland. Doch die als "Kinderkrankheit" verharmloste Infektion ist gefährlich: Weltweit starben 2007 knapp 200.000 Menschen.

Todesfälle in Duisburg

Die traurige Bilanz in Duisburg waren zwei tote Kinder und 95 schwere Erkrankungen mit Krankenhauseinweisung. Im Jahr 2006 befielen die Masern mehr als 1700 Kinder in Nordrhein-Westfalen - eine Infektionskrankheit, die laut Weltgesundheitsorganisation WHO eigentlich bis zum Jahr 2010 weltweit ausgerottet sein sollte. Und bis vor knapp drei Jahren war zumindest das deutsche Bundesland augenscheinlich auf dem besten Weg dorthin: Mit 122 Masern-Fällen im Jahr 2004 verzeichnete Nordrhein-Westfalen damals ein historisches Tief in den Fallzahlen.

Impfmüdigkeit als Ursache

Dass sich die Viren in der Folge statt zu verschwinden massiv ausbreiteten, führen Forscher schon lange auf die Impfmüdigkeit der Bevölkerung zurück - jetzt haben sie es mit Zahlen erneut belegt. Das Team um Ole Wichmann von der Infektionsepidemiologie am Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin hat den Ausbruch von 2006 genauer unter die Lupe genommen: Die Wissenschaftler konzentrierten sich dabei auf die Stadt Duisburg, wo 614 Masern-Fälle aufgetreten waren. Sie sammelten Informationen über den Krankheitsverlauf von 464 Kindern, interviewten deren Eltern und befragten sie nach dem Impfstatus und nach Gründen für eine eventuelle Impfverweigerung.

Faulheit oder strikte Ablehnung?

Wie das Team im "Bulletin of the World Health Organization" berichtet, waren vier von fünf erkrankten Kinder gar nicht oder nicht ausreichend geimpft. 36 Prozent der Eltern gaben an, sie hätten die Immunisierung vergessen, 28 Prozent hatten die Impfung abgelehnt. Die Fraktion der Verweigerer hat Georg Vogt vom Gesundheitsamt Duisburg in drei Gruppen eingeteilt: die "einfachen Impfmuffel", die "ideologisch verhärteten Anthroposophen" und die "oberkritischen Gebildeten".

Oft treten Komplikationen auf

Masern sind eine hochansteckende Infektionskrankheit, die Fieber und einen typischen, roten, großfleckigen Hautausschlag auslösen. Die Erkrankung beginnt meist mit einer Entzündung der Schleimhäute, die Kinder sind abgeschlagen und entwickeln hohes Fieber. Bei bis zu jedem dritten Patienten treten jedoch auch Komplikationen auf, die das Ohr, die Lungen oder den Verdauungstrakt betreffen. Das war auch in Duisburg der Fall: Jedes fünfte kranke Kind litt den Analysen zufolge zusätzlich an einer Mittelohrentzündung. Sieben Prozent der Patienten entwickelten eine Lungenentzündung, drei Kinder erkrankten an einer gefährlichen Entzündung des Gehirns (Masern-Enzephalitis). Auffällig war für die Forscher zudem, dass unter den Infizierten besonders viele Jugendliche von 10 bis 14 Jahren waren.

Ausrottung nicht realisierbar?

Die Wissenschaftler folgern in ihrem Artikel: "Die Ansammlung von Personen ohne Immunität führte zu diesem Ausbruch." Sie fordern erweiterte Impfprogramme in Schulen, die vor allem die Immunitätslücke bei den Jugendlichen schließen sollen. "Andernfalls ist die Ausrottung der Masern in Deutschland und Europa nicht realisierbar", schreiben die Forscher.

Sprunghafter Anstieg der Masernfälle in 2008

Ähnliche Bedenken äußern auch andere Forscher: Wie das Team um Mark Muscat vom staatlichen dänischen Impfinstitut in Kopenhagen in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Lancet" berichtet, sank die Zahl der Fälle in den Jahren 2006 und 2007 zunächst von 8223 auf 3909, in Deutschland gar von 2307 auf 571. Doch in den ersten neun Monaten des Jahres 2008 verzeichneten die Forscher in Europa wieder einen sprunghaften Anstieg auf 6269 Masernfälle. Die Ausrottung der Masern sei dadurch gefährdet.

Rückgang der Todesfälle

Dennoch geben andere Zahlen auch Anlass zur Hoffnung, denn die Zahl der Todesfälle ist weltweit gesunken. Während es Anfang der sechziger Jahre noch sechs Millionen Maserntote pro Jahr gab, starben 2007 nach Angaben der (WHO) 197.000 Menschen an Masern - ein Rückgang um 74 Prozent seit dem Jahr 2000.

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