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Übergewicht: Dicke Kinder leiden an Körper und Seele

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Übergewicht  

Dicke Kinder leiden schwer

02.02.2009, 16:38 Uhr | das geflügelte wort

Übergewicht: Dicke Kinder leiden an Körper und Seele. Junge ist einen Teller Suppe.

Adipositas, eine globale Epidemie. (Bild: dpa; mt: imago)

Die Zahlen sind alarmierend: 15 Prozent aller 3-17-Jährigen in Deutschland leiden an Übergewicht. Und diese Kinder leiden im wahrsten Sinne des Wortes schwer daran.

Adipositas ist eine globale Epidemie

Laut einer umfangreichen Studie des Robert Koch-Institutes sind neun Prozent aller Kinder in Deutschland übergewichtig, 6 Prozent sind adipös. Das bedeutet: Jedes sechste Kind in Deutschland ist zu schwer – Tendenz steigend. Die Weltgesundheitsorganisation spricht von Adipositas als einer globalen Epidemie, deren Folgen bald ebenso viele Todesopfer fordern werden wie Hunger und Unterernährung. Neben den körperlichen Schäden wirkt sich das hohe Gewicht im Kindes- und Jugendalter aber auch stark auf die Psyche aus. Es kann sogar zu Depressionen kommen. Doch Übergewicht ist keine endgültige Diagnose – den betroffenen Kindern kann geholfen werden.

Körper und Psyche leiden

Übergewicht und Adipositas (starkes, krankhaftes Übergewicht) können genetisch bedingt sein, die Erblichkeit wird – aufgrund von Zwillings-, Adoptions- und Familienstudien – sogar auf 40 bis 70 Prozent geschätzt. Doch auch, wenn die Gene Einfluss auf das Körpergewicht haben, so sind sie nicht der Grund für Übergewicht. Sie geben lediglich Auskunft über die Neigung dazu. Und genau hier gilt es anzusetzen: Denn letztendlich sind in den meisten Fällen Kalorien im Übermaß und mangelnde Bewegung schuld am hohen Gewicht.

Fehlverhalten aufdecken

Ob ein Mensch dick wird oder nicht, hat also häufig auch etwas mit seiner Veranlagung zu tun. Aber das ist keine Ausrede. Denn auch, wenn in Familien mit vielen übergewichtigen Personen die Wahrscheinlichkeit höher ist, so liegt das in vielen Fällen auch am Verhalten. Und das kann verändert werden. Das beginnt bereits beim Zubereiten von Mahlzeiten. Oft ist es schon von erstaunlichem Erfolg gekrönt, wenn der Speiseplan der Familie Schritt für Schritt umgestellt wird.

Ernährungsgewohnheiten langsam umstellen

Versteckte Fette, unüberlegt zu sich genommene Süßigkeiten und Fast Food sollten aber nicht von heute auf morgen verboten werden. Fettärmere Produkte, mehr Gemüse und Obst sowie gesunde Snacks können diese langsam ersetzen, ohne für sofortigen und sich negativ auswirkenden Essensfrust zu sorgen. Denn wer es gewohnt war, täglich ein Schokoladencroissant in der Pause zu verputzen, der wird sich nicht von jetzt auf gleich an einen Apfel oder ein Vollkornbrot mit Frischkäse gewöhnen.

Ein Vorbild sein

Für einen langfristigen Erfolg beim Abnehmen brauchen Kinder Hilfe und Vorbilder. Wenn Sie das Übergewicht mit Ihrem Kind gemeinsam angehen, dann merkt es, dass es mit seinen (Gewichts-)Problemen nicht alleine gelassen wird. „Oft besteht das Problem schon seit dem Kindergarten oder der Grundschule, die Familien haben schon einige Versuche gemacht und gemerkt, wie schwer es ist, eine langfristige Verhaltensänderung durchzuhalten“, so Claudia Lindner von Esskimo in Nürnberg. Das interdisziplinäre Team  arbeitet, wie viele andere Gruppen bundesweit, nach den Richtlinien der KgAS, der Konsensusgruppe Adipositasschulung für Kinder und Jugendliche.

Essen ist kein Trostpflaster

Bereits kleine Kinder werden häufig mit einem Stückchen Schokolade getröstet, wenn sie weinen. Doch ein solches Verhalten kann Folgen haben. Essen wird schnell zum Liebesersatz und Trostpflaster und führt dann oft zu Kummerspeck. Stattdessen sollten Sie sich Zeit nehmen für Ihr Kind: Zuhören und ihm Aufmerksamkeit schenken, wenn es Probleme hat. Gerade in kritischen Phasen wie dem Schuleintritt und auch der Pubertät neigen viele Kinder dazu, zuzunehmen. Das liegt erstens an der Veränderung des Bewegungsverhaltens, oft aber auch am Umfeld.

Verbote sind sinnlos

Verbote und Einschränkungen haben eine gegenteilige Wirkung. Sie führen zu einem größeren Verlangen nach gerade diesen Lebensmitteln und langfristig zu einem heimlichen Konsum, der dann sogar zu Selbstvorwürfen und Aggressionen gegen sich selbst führen kann. Claudia Lindner ist sich sicher, dass die meisten Eltern wissen, dass verbieten nicht funktioniert. „Je nach Ausmaß des Übergewichts halte ich es aber für wichtig, dem Kind auch ‚Essensgrenzen‘ zu setzen. Damit macht man sich bei den Kindern nicht beliebt, egal ob sie normal- oder übergewichtig sind. Aber es ist der Job der Eltern.“ Sie empfiehlt, gemeinsam mit dem Kind zu überlegen, welche Lebensmittel sehr viel Fett und Zucker enthalten und durch was man sie ersetzen könnte. „Unsere Lebensgewohnheiten haben sich geändert und tun es noch. Wir wissen nicht, wie wir mit dem Überfluss und der Bequemlichkeit umgehen sollen. Kinder und Jugendliche sind da nur ein Spiegel.“

Speck als Schutzpanzer

Hinter dem Übergewicht können sich auch bereits vorher vorhandene seelische Probleme verstecken, die mit Nahrung "heruntergeschluckt" wurden. Das angesammelte Fett fungiert dann als ‚Panzer‘. In einem solchen Fall hilft ein Besuch beim Ernährungsberater allein wenig, da das Essen selbst nicht das Problem ist. Diese Kinder brauchen erstens die Hilfe eines Spezialisten und müssen zweitens lernen, andere Wege zu finden, um Frustrationen zu begegnen. Auch, wenn viele übergewichtige Kinder nach außen hin sehr selbstbewusst wirken, so sieht es in ihrem Inneren oft ganz anders aus. Stärken Sie das Selbstbewusstsein Ihres Kindes. Trauen Sie ihm etwas zu und loben Sie es, wenn es erfolgreich war.

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