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Mutter-Kind-Kur: Wie beantrage ich die Kur? Wer übernimmt die Kosten?

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Vorsorge  

Ausgebrannt: Mütter/Väter-Kind-Kuren helfen

27.04.2009, 14:18 Uhr | Robert Scholz

Mutter-Kind-Kur: Wie beantrage ich die Kur? Wer übernimmt die Kosten?. Die Einrichtungen verfolgen ein ganzheitliches medizinisches Vorsorge- und Rehabilitationskonzept.

Die Einrichtungen verfolgen ein ganzheitliches medizinisches Vorsorge- und Rehabilitationskonzept. (Bild: Imago)

Sabine ist eine junge Mutter. Mit 18 bekam sie ihr erstes Kind, mit 20 das zweite. Beate pflegt mit ihrem Mann ihr zweijähriges schwer behindertes Kind. Jürgen ist alleinerziehender Vater und Jutta ist taub und mit der Betreuung ihrer zwei hörenden Kinder an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Kinderbetreuung kann eine aufreibende Sache sein, auch ohne Extremsituationen, wie die geschilderten. Belastungen, die zu gesundheitlichen Schäden führen, die manchmal auch chronisch werden. Hier sollen Mütter/Väter-Kind-Kuren helfen.

Rehabilitationsangebote: Pflichtleistungen für Krankenkassen

Seit dem 1. April 2007 sind diese Vorsorge- und Rehabilitationsangebote für Mutter, Vater und Kind im Zuge der Gesundheitsreform in ihrer Stellung gestärkt worden. Sie wurden ab diesem Tag zu Pflichtleistungen für Krankenkassen, was vor allem heißt, dass Kassen, die wenige Angebote dieser Art bereithalten einen Ausgleich zahlen müssen. Damit ist auch der bisher geltende Grundsatz ambulant vor stationär vom Tisch. Kuren wurden in der Vergangenheit oft nur dann gewährt, wenn im Vorfeld ambulante Maßnahmen ausreichend eingesetzt wurden. Was ausreichend sei, lag im Ermessen der Krankenkassen. Weiterhin heißt diese stärkere Position im gesamten Gesundheitsangebot, dass die Überprüfung der Anträge auf Mutter/Vater-Kind-Kuren durch die Medizinischen Dienste der Krankenkassen seit dem nicht mehr obligatorisch, sondern stichprobenartig erfolgt. Wie das im Tagesgeschäft geschieht, können die Kassen selber festlegen. Damit kann es unterschiedliche Auswahlverfahren der Stichproben, je nach Versicherer, geben. 

Ein Tag im Leben von Beate

Als sie die Nachricht erfuhr, war dies ein Schock. Spina bifida, umgangssprachlich: ein offener Rücken. Seitdem bestimmt die zweijährige Judith den Tagesablauf, die Terminplanung und die Freizeit von Beate und ihrem Mann. Arzttermine, Reha-Maßnahmen und jeden Tag ein Menge Optimismus, der aufgebracht werden muss. Der Kleinen droht der Rollstuhl. Noch ist nicht klar, inwieweit der Bewegungsapparat durch die Rückenmarksschädigung beeinträchtigt ist. Eine Welle aus Sorgen, Zeitnöten und Zukunftsängsten droht manchmal Beate und ihren Mann zu überspülen. Da reicht die stetig geschöpfte Hoffnung oft nicht aus. Dass, was man im Berufsleben seit einigen Jahren ohne Scham sagen darf, ist nun auch als anerkanntes Krankheitssymptom in der Familie angekommen: Burn-Out. Mütter und Väter in solchen Extremsituationen, zumal wenn nebenbei auch noch das Berufsleben gemeistert werden muss, brennen schneller aus. Beate bekam mit Ihrem Kind eine entsprechende Kur bewilligt, bei voller Betreuung ihrer Tochter.

Welche Beschwerden werden von den Kassen anerkannt?

Symptome, die auf nachhaltige Erschöpfungszustände deuten, gelten in den Indikationsrichtlinien allesamt als prinzipiell anerkennenswert. Das Müttergenesungswerk hat diese auf ihrer Webseite zusammengestellt (www.muettergenesungswerk.de). Sie sind eine gute Richtschnur für den allgemeinen Umgang der Kassen mit Indikationen, die eine entsprechende Kur aus deren Sicht sinnvoll erscheinen lassen. Dazu zählen unter anderen: Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Unruhe, Angst, Niedergeschlagenheit, Über- oder Untergewicht oder Allergien und viele mehr.

Am Abend ist Jürgen den Tränen nahe

Sein Sohn wurde ihm zugesprochen, weil die Mutter aufgrund ihrer Krankheit nicht in der Lage war ihr Kind zu betreuen. Er lebt getrennt von seiner Frau und arbeitet im Drei-Schicht-System. Der Junge wird langsam erwachsen, die Probleme häufen sich. Die Aufsicht über die schulischen Belange, die Freizeit seines Sohnes, seine Freunde - das alles ist schwer bei unregelmäßigen Arbeitszeiten. Es gibt Streit. Die Belastungen wurden irgendwann für beide zu groß.

Voraussetzungen für eine Mütter/Väter-Kind-Kur

Alle Frauen und Männer in Familienverantwortung haben grundsätzlich Anspruch auf eine medizinische Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahme nach den Paragrafen 24 und 41 des Sozialgesetzbuches (SGB 5), so beantwortet das Bundesfamilienministerium die Frage nach den Voraussetzungen für eine Kur. Es muss ein Attest des behandelnden Arztes vorliegen mit entsprechender Diagnose beziehungsweise Indikation. Ein Attestformular hat das Müttergenesungswerk auf seiner Homepage unter der Rubrik "Beratung und Vermittlung/Wichtige Dokumente“ eingestellt. Downloads von Antragsformularen, sind ebenfalls unter www.mutter-und-kind-kur.de zu bekommen

Welche Indikationen/Diagnosen berechtigen zu einer Kur?

Allgemein können medizinische Leistungen im Sinne des entsprechenden Gesetzes gewährt werden, wenn Risikofaktoren oder Gesundheitsstörungen vorliegen, die voraussichtlich in absehbarer Zeit zu einer Krankheit führen werden und die beeinflussbar sind. Weiterhin, wenn die gesundheitliche Entwicklung eines Kindes durch den gesundheitlichen Zustand der Eltern gefährdet ist (Primärprävention). Rehabilitationsmaßnahmen sind kurz gesagt dann einzuleiten, wenn die Gesundheitsschäden dauerhaft auftreten und die Familienaufgaben ebenso dauerhaft nicht mehr bewältigt werden können. Jede Kasse wird intern ihre eigenen Kriterien anlegen. Die Techniker Krankenkasse zum Beispiel hat vier Punkte zusammengefasst, die ihrer Ansicht nach zur Kur berechtigen: Zum einen, erhebliche Probleme mit der Versorgung und Erziehung der Kinder; starke familiäre Belastungen, wie etwa Trennungssituationen; starke psychische Belastungen oder die Pflegebedürftigkeit behinderter Kinder beziehungsweise Angehöriger. Sie sollten sich vorher auf den Webseiten Ihrer Kasse erkundigen, wie dort die Anforderungen formuliert sind. Dort wird entschieden. Achten Sie darauf, dass das früher gern benutzte Argument der Kassen, um Kuren abzulehnen, heute keine Gültigkeit mehr hat. Ablehnungen wurden oft damit begründet, dass die ambulanten Maßnahmen noch nicht voll ausgeschöpft worden sind. Dies kann nach geltender Regelung kein alleiniges Argument mehr sein.

Die Ohnmacht von Jutta

Jutta hat sich immer durchs Leben geschlagen. Trotz, oder gerade wegen ihrer Behinderung. Jutta ist seit ihrer Geburt taub. Zwei Kinder hat sie mittlerweile geboren, beide können glücklicherweise hören. Beide haben aber auch ihrer Mutter diese im Alltag oft entscheidende Fähigkeit voraus. Sie spielen mit ihren fünf und acht Jahren diesen Vorteil allzu oft aus. Verständigen sich hinter Mamas Rücken, wenn sie gerade keine Zeit hat, sich auf das Lippenlesen zu konzentrieren, weil sie versucht dem Klempner das Waschmaschinenproblem zu verdeutlichen. Die Belastung ist enorm. Die Kinder bockig und oft ohne Erbarmen. 

Der Antrag

Der Antrag muss bei der Krankenkasse eingereicht werden, zuvor muss sich der Hausarzt, wie könnte es anders sein, mit einer Reihe von Prüfungen befasst haben. Zu prüfen hat er die Vorsorge- oder Rehabilitationsbedürftigkeit, deren Fähigkeit und Prognose. Auch das jeweilige Ziel der Maßnahme ist festzulegen, sogar unter Berücksichtigung eines eventuellen Milieuwechsels, wie dies im Amtsdeutsch heißt, und einer möglichen Entlastung von den Alltagsaufgaben, um den Erfolg der Maßnahmen zu sichern. Die Krankenkasse entscheidet dann über die Bewilligung des Antrages und hat hausinterne Verträge mit diversen Trägern, die diese Leistungen im Auftrag erbringen. Allein das Müttergenesungswerk betreibt bundesweit 90 Kureinrichtungen und über 1400 Beratungsstellen. Dazu kommen 67 privatwirtschaftliche oder den Krankenkassen beigeordnete Mutter/Vater-Kind-Kliniken. Die Beratung des Müttergenesungswerkes ist kostenfrei und sollte in jedem Fall im Vorfeld der Antragstellung genutzt werden. Bei Ablehnung eines Antrages oder bei finanziellen Problemen, wie etwa Beihilfen zum selbst zu tragenden Tagegeld, sind ebenfalls die Beratungsstellen die beste Anlaufstelle. Darüber hinaus bieten die Wohlfahrtsverbände diesen Service in ihren städtischen Büros.

Die Kosten

Die Kosten werden von der entsprechenden Krankenkasse getragen. Für die Mütter oder Väter bleibt die obligatorische Zuzahlung von maximal zehn Euro pro Tag. Kinder bleiben von dieser ausgenommen. Finanzielle Beihilfen zu Fahrt- oder anderen Kurnebenkosten, können aus Spendengeldern bei Bedürftigkeit geleistet werden.

Die Einrichtungen

Da in den Einrichtungen Mutter/Vater und Kind betreut werden, verfolgen diese ausnahmslos ein ganzheitliches medizinisches Vorsorge- und Rehabilitationskonzept. Ziel ist es Selbsthilfe und Eigenverantwortung zu stärken. Was sich wie ein Auszug aus dem Wellnesskatalog liest, macht Sinn, denn Mutter und Vater sollen ja nach drei Wochen wieder zurück in die Familie und ein neues Leben mit ihren Kindern etablieren. Das Müttergenesungswerk bietet speziell das Konzept der integrierten Versorgung an, die sogenannte "therapeutische Kette“. Beratung, Prävention, Reha und Nachsorge greifen in dieser wie ein Räderwerk ineinander.

Sandra (33), Mutter von Marie (7)

"Nach der Kur war ich wie ausgewechselt. Erst durch die Auszeit habe ich begriffen, was ich in meinem Leben ändern muss, und wie wichtig es ist, auf sich und seine Bedürfnisse zu achten. Jetzt geht es mir und meiner Tochter viel besser.“

Verbesserung des Eltern-Kind-Verhältnisses

Auch wenn dies ein werblicher Textauszug aus dem Prospekt des Müttergenesungswerkes ist, so oder ähnlich bestätigen dies Mütter und, nicht zu vergessen, Väter mit denen man spricht. Warum sollte auch in der Familie etwas anderes gelten als im Beruf. Die Kur ermöglicht nicht nur die Revitalisierung der eigenen Kräfte, sondern kann auch das Verhältnis zum Kind nachhaltig verbessern und stärken. Ob man das Kind mit in die Kur nimmt, hängt entscheidend von der Diagnose des Arztes und dessen Beratung ab. Manchmal ist gerade der Abstand der Schlüssel zum Erfolg.

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