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Eltern verabreichen ihren Kindern zu oft Erwachsenen-Medikamente

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Medikamente  

Zu oft Erwachsenen-Medikamente für Kinder

29.04.2009, 13:38 Uhr | rev, dpa, t-online.de

Eltern verabreichen ihren Kindern zu oft Erwachsenen-Medikamente. Junge liegt in Bett mit Hustensaftflasche.

Erwachsenen-Medikamente können für Kinder schädlich sein. (Bild: Archiv)

Viele Eltern finden es in Ordnung, Kindern in geringen Dosen Erwachsenen-Medikamente zu geben. 34,6 Prozent sind davon überzeugt, dass das Verabreichen sparsam dosierter Arzneien für Erwachsene an den Nachwuchs vertretbar ist, wie eine repräsentative Studie der GfK Marktforschung ergab. Eltern von kleineren Kindern bis sechs Jahren sind etwas vorsichtiger: Nur 25,9 Prozent von ihnen würden den Kindern entsprechende Medikamente geben.

Nicht schädlich für Kinder?

Bezogen auf die Gesamtbevölkerung erklärten 41,9 Prozent der Männer und Frauen, Erwachsenen-Medikamente seien bei entsprechender Dosierung sicher auch für Kinder nicht schädlich. Für die Studie im Auftrag des in Baierbrunn bei München erscheinenden Magazins "Apotheken Umschau" wurden 1984 Personen im Alter ab 14 Jahren befragt, darunter 476 Männer und Frauen mit minderjährigen Kindern.

Kinder reagieren sensibler auf bestimmte Stoffe

Eltern, die davon ausgehen, dass sich bestimmte Medikamente bei Kindern genauso auswirken wie bei Erwachsenen, könnten ihren Nachwuchs in Gefahr bringen: Durch die Verwendung von für Kinder nicht zugelassenen Medikamenten komme es oft zu Nebenwirkungen, die teilweise lebensbedrohlich für Kinder sein könnten, so Hannsjörg Seyberth, der frühere Direktor der Universitätsklinik Marburg. Vor allem Kinder reagieren besonders sensibel auf die Verabreichung bestimmter Stoffe, denn ihr Stoffwechsel funktioniert je nach Alter anders als der von Erwachsenen. Beispielsweise sind Säuglinge und Neugeborene anfälliger für eine Überdosis, weil in diesem Alter Niere und Leber langsamer arbeiten und dadurch Wirkstoffe lange im Körper bleiben. Kinder im Kindergartenalter dagegen haben einen schneller arbeitenden Stoffwechsel als Erwachsene, weshalb Medikamente bei ihnen immer wieder zu niedrig dosiert werden.

Zu wenig Medikamente

Ohnehin gibt es in Deutschland zu wenig Medikamente für Kinder, weshalb Ärzte häufig zum so genannten "Off-label-Use" gezwungen sind. Das heißt, sie verabreichen kranken Kindern Medikamente, die nicht für sich gedacht sind. Zwar verlangt eine EU-Verordnung seit 2007, dass Pharmafirmen ihre Medikamente auch für Kinder testen, sollten sie für diese Zielgruppe relevant sein, doch diese Anordnung allein reiche nicht aus, wie Stefan Burdach, Direktor der Kinderklinik München-Schwabing, sagt. Kinder bräuchten keine Medikamente, die unter anderem auch für sie getestet wurden, sondern solche, die speziell für sie entwickelt wurden. Zudem könnten Pharmafirmen nicht zu Zulassungs-Studien mit Kindern gezwungen werden, so Mühlbauer. Freiwillig würden derartige Untersuchungen von den Firmen ohnehin nicht durchgeführt werden, weil sich der Markt nicht lohne.

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