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Krebs: Über Krankheit zu sprechen hilft Eltern und Kindern

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Krebs  

Den Kindern von der Krankheit erzählen

19.05.2009, 13:59 Uhr | iri; rev

Krebs: Über Krankheit zu sprechen hilft Eltern und Kindern. Die Mütter, die ihren Kindern von der Erkrankung erzählt hatten, waren mit dieser Entscheidung zufrieden.

Die Mütter, die ihren Kindern von der Erkrankung erzählt hatten, waren mit dieser Entscheidung zufrieden. (Bild: Archiv)

Mütter, die nach einem Krebstest ihren Kindern die Ergebnisse mitteilen, sind mit dieser Entscheidung zufriedener als wenn sie diese verheimlichen. Das bestätigt eine Studie an der Georgetown University, die auf dem Jahrestreffen der US-Krebsforscher präsentiert wird. Auch Väter spielen dabei eine wichtige Rolle. "Es ist Angelegenheit beider Eltern, Ergebnisse eines Krebstests möglichst kurz darauf mit den Kindern zu besprechen. In vielen Fällen hilft dieses Gespräch der Patientin, eine bessere Kommunikationsbeziehung mit den Kindern herzustellen", so Studienautor Kenneth Tercyak.

Zwei von drei Müttern sprechen mit Kindern über Diagnose

Dazu befragten die Forscher 221 Mütter, die sich auf das Brustkrebsgen eins und zwei untersuchen ließen, sowie ihre Partner. Diese Gene sind hauptverantwortlich für Formen des Brust- und Eierstockkrebs, die auch vererbt werden können. Zwei von drei Müttern sprachen mit ihren Kindern über die Ergebnisse innerhalb eines Monats, vor allem wenn keine Anzeichen für Krebsrisiko gefunden wurden. Nur knapp jeder zweite Vater tat dasselbe. Fast alle Mütter waren im Nachhinein über diese Entscheidung glücklich. Nur sehr wenige Mütter und Väter holten das aufklärende Gespräch mit den Kindern vor Ablauf eines halben Jahres nach.

Unwissenheit macht Kindern Angst

"Der Umgang mit der Diagnose Krebs ist immer ein Problem für die Betroffenen", berichtet Erika Wasserrab, Geschäftsführerin der Österreichischen Gesellschaft für Psychoonkologie. "Oft hören wir von Jugendlichen und Erwachsenen, die Verbitterung darüber verspüren, als Kinder nie über den Gesundheitszustand der Eltern aufgeklärt worden zu sein. Die Phantasien der Kinder sind oftmals schlimmer als die Realität. Vielen macht es große Angst, wenn die Mutter immer wieder für ein paar Tage ins Spital muss, ohne dass ihnen der Grund mitgeteilt wird. Damit werden die Kinder nicht in die Behandlung eingebunden und sind auch im Fall des Todes überhaupt nicht darauf vorbereitet", so Wasserrab.

Kinder von Erkrankten haben oft psychische Störungen

Kinder, deren Eltern eine schwerwiegende körperliche Erkrankung haben, würden doppelt so häufig psychische Auffälligkeiten zeigen wie andere Kinder, berichtet Dr. Getrude Bagyi von der Universitätsklinik für Neuropsychiatrie des Kindes- und Jugendalters am AKH Wien. "Interessant ist, dass das familiäre Beziehungsklima in diesem Zusammenhang von größerer Bedeutung ist als die Schwere der Krankheit." Vieles hängt also in einer solchen Lage vom richtigen Umgang mit dem Kind ab. Davon, wie es informiert wird, wie die Situation dem Kind erklärt wird und wie man in der Familie das Thema behandelt. "Viele psychische Störungen könnten verhindert werden, wenn die Eltern frühzeitig mit ihren Kindern offen über die Erkrankung sprächen", so Georg Romer vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf und Leiter der Beratungsstelle "Kinder körperlich kranker Eltern".

"Wie sage ich es meinem Kind?"

Da Krebs in der Gesellschaft weiterhin ein Tabu sei und zu Unrecht sofort mit dem Tod assoziiert werde, würden viele Betroffene die Aufklärung ihrer Familie hinauszögern. "Die Frage lautet immer wieder: Wie sage ich es dem Kind? Kann es diese Nachricht verarbeiten?" Es gilt, je klarer und eindeutiger die Situation erklärt wird, umso leichter kann das Kind die Informationen emotional verarbeiten. Die Eltern sollten das Kind in möglichst einfacher Sprache aufklären und dem Kind immer wieder die Chance für Rückfragen geben. Je mehr verschwiegen wird und je mehr das Kind nicht begreift, desto bedrohlichere Formen nehmen die Vorstellungen in der Fantasie des Kindes an. Um das zu verhindern, sind meistens mehrere Gespräche notwendig. Dafür sollten sich die Eltern auf jeden Fall genügend und immer wieder Zeit nehmen.

Ärzte und Psychologen helfen bei der Aufklärung

Auch die Bereitschaft der Ärzte ist gestiegen, gemeinsam mit den Patienten die Kinder aufzuklären. Zudem sollten Psychoonkologen oder Kinderpsychologen zu Rate gezogen werden, um eine Form der Mitteilung zu finden, die dem Alter der Kinder entspricht. "Eltern fühlen sich nach der Diagnose oft alleingelassen. Gerade in dieser Phase ist es wichtig, Hilfe zu suchen." Für den optimalen Umgang mit der Diagnose hält Wasserrab die Zusammenarbeit aller Beteiligten für wichtig. "Je mehr die Pflegepersonen, Spitalsärzte, Sozialarbeiter, der Hausarzt, Gynäkologe und Onkologe miteinander im Kontakt sind, desto mehr kann das die Situation für den Patienten entlasten."

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