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Kochen für Kinder: Vom Essensverweigerer zum kulinarischen Entdecker

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Kochen für Kinder  

So wird ein Kind vom Essensverweigerer zum kulinarischen Entdecker

29.07.2013, 12:34 Uhr | iri, dpa

Kochen für Kinder: Vom Essensverweigerer zum kulinarischen Entdecker. Zusammen Einkaufen, Kochen und vor allem Essen ist wichtig für die Kinder. (Bild: imago) (Quelle: imago)

Das gemeinsame Einkaufen, Kochen und vor allem Essen ist wichtig für die Kinder. (Bild: imago) (Quelle: imago)

Naserümpfen und müdes Gabelgestocher am Mittagstisch: Viele Kinder machen ihren Eltern das Leben mit Starallüren schwer. "Das mag ich nicht!" ist der Terrorsatz für alle kochenden Mütter und Väter, die mit einer ausgewogenen Mahlzeit versuchen, ihrem Nachwuchs Lust auf Gesundes zu machen. Wenn es nach den Kleinen geht, müsste es jeden Tag Fischstäbchen mit Kartoffelbrei oder Nudeln mit Tomatensoße geben - und das am besten direkt aus der Tüte statt hausgemacht. Doch aus Geschmacksverweigerern können auch leicht wieder kulinarische Entdecker werden.

Keine Alternativen anbieten

"Kinder wachsen heute in einem Schlaraffenland auf", sagt Dagmar von Cramm, Autorin und Ernährungsexpertin aus Freiburg. "Wenn etwas nicht schmeckt, ist immer noch genug als Alternative im Kühlschrank." Doch wenn das Mittagessen verweigert wird, sollten Kinder nicht die Möglichkeit bekommen, sich stattdessen eine Tiefkühlpizza warm zu machen: "Gehen Sie nicht den Weg des geringsten Widerstandes", warnt von Cramm geplagte Eltern. "Was auf den Tisch kommt, muss zumindest probiert werden. Und wenn etwas nicht schmeckt, muss vom Rest mehr gegessen werden."

Machtspiel zwischen Eltern und Kind

Oft ist die Frage ums Essen ein reines Machtspiel zwischen Kind und Eltern: "Besonders kleine Kinder versuchen immer wieder Grenzen auszutesten", erklärt Wiebke Franz, Diplom-Ökotrophologin beim Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung in Wettenberg (Hessen). Doch wenn Eltern dauerhaft nachgeben, bilden sich die seltsamsten Unsitten: Manche Kinder essen nichts Grünes oder bestimmte Gemüsesorten nur roh, andere verweigern jede Form von Fisch oder wollen auf alles Ketchup haben. "Da wird das Kochen zum Kraftakt."

Fertigprodukte meiden

Essen ist, bis auf wenige Geschmacksausnahmen, eine Frage der Gewöhnung. "Eltern müssen früh damit anfangen, ihrem Kind eine ausgewogene Ernährung anzubieten", fordert von Cramm. Nach dem Stillen und der Flaschenkost sollte so oft wie möglich frisch gekocht werden. "Fertigprodukte aus dem Glas oder der Tüte schränken die Geschmacksentwicklung ein." Das gelte auch für ältere Kinder: Die Zusatzstoffe in vielen Tiefkühl- und Fertigprodukten verfälschen den wahren Lebensmittelgeschmack. Ein Beispiel: Kinder, die Erdbeeren nur aus Joghurts oder stark gezuckert kennen, mögen die natürliche Frucht nicht mehr. "Gesüßte Lebensmittel senken auf Dauer die Süßschwelle", erklärt Franz. Die Folge: Es muss immer mehr gezuckert werden, um das gleiche Süßerlebnis zu haben.

Es ist normal, dass Kinder nicht alles mögen

Dabei ist es völlig normal, dass Kinder manche Sachen nicht mögen. "Problematisch wird es erst, wenn Kinder eine wichtige Lebensmittelgruppe, zum Beispiel Gemüse, vollständig ablehnen oder ihren Hunger überwiegend außerhalb der Hauptmahlzeiten stillen", warnt die Ernährungsberaterin Gudrun Donig im Online-Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik in München. "So weit sollte man es gar nicht erst kommen lassen."

Eltern sollten mit gutem Beispiel vorangehen

Der beste Weg, Kinder an eine vielfältige Ernährung heranzuführen, ist das eigene Vorbild: "Eltern geben mit ihrem Essverhalten den Weg vor", sagt Franz. Gemeinsam einkaufen, auf den Markt gehen, regelmäßig die Kleinen mitkochen lassen und - ganz wichtig - auch zusammen essen: "So wird das Essen zu einem positiven Erlebnis mit ganz vielen Möglichkeiten, Neues zu entdecken." Noch besser sei es, wenn Kinder Gemüse selbst anbauen können. Die Möhren oder Radieschen aus dem eigenen Garten schmeckten den kleinen Gärtnern immer.

"Das Auge isst mit"

Bei älteren Gemüsemuffeln können Eltern tricksen. "Ob als Bratling oder fein püriert in Suppen und Soßen: Versuchen Sie so oft wie möglich, Gemüse in Gerichte einzubauen, das sorgt für Gewöhnung", rät von Cramm. Kinder essen vor allem dann mehr Gemüse, wenn es püriert und unter ihre Lieblingsspeise gemischt wird. Ideal sind aber auch kleine Knabberteller. "Kaum ein Kind kann widerstehen, wenn Gemüse und Obst lecker angerichtet sind", hat die Ernährungsexpertin beobachtet. Gemüsesticks mit Dip, klein geschnittenes Obst in Herz- oder Sternform, Kirschtomaten oder auch der frisch gepresste Saft mit Strohhalm und Sonnenschirmchen: "Bei Kinder läuft viel über das Auge", sagt von Cramm.

Eltern- und Kinderwünsche kombinieren

Auch in der Absprache der Mahlzeiten sollte es ausgewogen zugehen: "Planen Sie die Essenswoche gemeinsam mit Ihrem Kind", rät von Cramm. Ideal sei ein täglicher Wechsel zwischen Eltern- und Kinderwunsch: Am Montag gibt es Nudeln mit Tomatensoße, dafür am Dienstag aber Salat und frischen Fisch. "Auch Kinder müssen Kompromisse eingehen lernen."

Konsequent bleiben

Von Cramm aus Freiburg warnt: Eltern sollten sich nicht auf der Nase rumtanzen lassen. Denn oft geht es überhaupt nicht um den Eintopf oder die Gemüsepfanne, sondern um ein Machtspiel. Die schlechte Stimmung aus der Schule wird direkt auf den Mittagstisch übertragen, der Streit ums Essen wird zum reinen Nebenkriegsschauplatz. "Wer jetzt für den Nachwuchs eine Alternative kocht oder gleich den Nachtisch aus dem Kühlschrank holt, hat zwar seine Ruhe, macht sich aber auf Dauer das Leben schwer", erklärt die Expertin. Doch was tun, wenn die Kinder nicht essen wollen? "Führen Sie keine Grundsatzdiskussion." Wer die Suppe nicht mag, muss Brot essen - oder einen Apfel.


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