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Kinderkrankheiten: Masernfälle in Europa verdoppelt

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Kinderkrankheiten  

Masernfälle in Europa verdoppelt

04.08.2009, 10:42 Uhr | rev, dapd

Die Zahl der Masernfälle in Europa hat sich im vergangenen Jahr verdoppelt. Während 2007 europaweit noch 3900 Erkrankungen gezählt wurden, waren es nach einem Bericht des Ärztemagazins "impfbrief.de" 2008 bereits rund 7800.

Deutschland auf viertem Platz

Mit 90 Prozent kam die große Mehrheit der Fälle nach dem Bericht aus den sechs Ländern Schweiz (2062), Italien (1619), Großbritannien (1406), Deutschland (915), Frankreich (604) und Österreich (427). Dabei seien alle Altersgruppen betroffen gewesen, erklärten die Experten. 53 Prozent der Patienten seien Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 19 Jahren gewesen. Rund 15 Prozent aller Kranken seien stationär behandelt worden.

Impfmüdigkeit als Ursache

Dass sich die Masern-Viren wieder massiv ausbreiteten, führen Forscher in Deutschland schon lange auf die Impfmüdigkeit der Bevölkerung zurück - jetzt haben sie es mit Zahlen erneut belegt. Das Team um Ole Wichmann von der Infektionsepidemiologie am Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin haben einen Ausbruch von 2006 genauer unter die Lupe genommen: Die Wissenschaftler konzentrierten sich dabei auf die Stadt Duisburg, wo 614 Masern-Fälle aufgetreten waren. Sie sammelten Informationen über den Krankheitsverlauf von 464 Kindern, interviewten deren Eltern und befragten sie nach dem Impfstatus. Wie das Team im "Bulletin of the World Health Organization" berichtet, waren vier von fünf erkrankten Kinder gar nicht oder nicht ausreichend geimpft. 36 Prozent der Eltern gaben an, sie hätten die Immunisierung vergessen, 28 Prozent hatten die Impfung abgelehnt. Die Fraktion der Verweigerer hat Georg Vogt vom Gesundheitsamt Duisburg in drei Gruppen eingeteilt: die "einfachen Impfmuffel", die "ideologisch verhärteten Anthroposophen" und die "oberkritischen Gebildeten".

Nationaler Impfplan vorgesehen

Die europäische Überwachungsbehörde ECDC (European Centre for Disease Prevention and Control) reagierte laut impfbrief.de mit großer Sorge auf die drastische Zunahme. Dass dies seit längerer Zeit absehbar gewesen sei, mache es keineswegs besser, sondern stelle den beteiligten Ländern inklusive Deutschland ein Armutszeugnis aus. Positiv zu vermerken sei, dass die deutsche Gesundheitsministerkonferenz im Juni 2009 beschlossen habe, 2010 einen nationalen Impfplan vorzulegen.

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