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Hörschäden bei Kindern und Teenagern

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Hörschäden  

"Kannst du nicht hören?" - Hörschäden bei Kindern

25.11.2009, 12:25 Uhr | Jenni Zwick, t-online.de, dapd

Hörschäden bei Kindern und Teenagern. Immer mehr Teenager leiden unter Hörschäden.

Immer mehr Teenager leiden unter Hörschäden. (Bild: Imago)

Kinder und Jugendliche in Deutschland hören immer schlechter. In den letzten Jahren ist die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die ein Hörgerät benötigen, um 38 Prozent angestiegen. Das belegt eine Studie der DAK. Ohrenärzte warnen eindringlich vor bleibenden Hörschäden durch zu laute Musik bei Jugendlichen, denn häufige Disko-Besuche, Pop-Konzerte und eine Dauerberieselung über Kopfhörer am Ohr können das Gehör unheilbar schädigen. Doch auch viele jüngere Kinder sind hörgeschädigt und bekommen dadurch häufig Probleme in der Schule, schließen schwerer Freundschaften und können schlechter soziale Kontakte pflegen. Eine Hörminderung im Kinderalter sollte in jedem Fall sofort behandelt und versorgt werden, da sie die weitere Sprachentwicklung und damit die gesamte Entwicklung behindert. Doch welche Gründe für Hörschädigungen gibt es und worauf müssen Eltern bei kleinen Kindern und Jugendlichen achten?

Angeborene Hörschädigung bei Kindern

Bei zwei bis drei von 1000 Kindern liegt bei der Geburt ein irreparabler Innenohrschaden mit unterschiedlicher Schwere vor, so eine Erhebung des Deutschen Grünen Kreuzes (DGK). Die Ursachen hierfür sind unterschiedlich. So gilt jede zweite hochgradige Innenohrschwerhörigkeit als vererbt. Angeborene Hörschäden können aber auch durch Infektionen der Mutter während der Schwangerschaft zum Beispiel durch Masern, Röteln oder Keuchhusten entstehen. Fehlverhalten der Mutter in der Schwangerschaft, wie eine falsche Medikamenteneinnahme sowie Alkohol-, Nikotin- oder Drogenmissbrauch können ebenfalls zu Hörschäden beim Kind führen. Manche Kinder erleiden eine Hörschädigung durch eine Sauerstoffunterversorgung bei der Geburt oder einer nach der Geburt auftretenden Neugeborenengelbsucht.

Hörschäden durch äußere Einflüsse

Doch auch Kinder, die mit gesundem Gehör zur Welt kommen, können Hörprobleme bekommen, beispielsweise durch eine Erkrankung an Mumps oder Masern. Auch eine Mittelohrentzündung kann ebenfalls bleibende Schäden am Innenohr hinterlassen. Die häufigste Ursache der Mittelohrschwerhörigkeit bei Kindern ist der sogenannte Paukenerguss, eine Schleimansammlung im Mittelohr. Der Paukenerguss lässt sich mit Medikamenten oder mit einem Trommelfellschnitt und dann eventuell mit Paukenröhrchen behandeln. Große Gefahr für eine Hörschädigung geht von Lärmquellen aus, wie beispielsweise laute Knallerei an Silvester, bei der die Druckwellen zu massiv sind und so die Sinneshärchen abknicken. Ähnliches kann übrigens bei Unfällen durch Stürzen oder durch Schläge an den Kopf (beispielsweise eine Ohrfeige) geschehen.

Kann mein Kind richtig hören?

Schwerhörigkeit ist eine Behinderung, die wegen ihrer Unsichtbarkeit unterschätzt und oftmals erst spät entdeckt wird. Doch ist sie für Kinder ein großes Hindernis in ihrer Entwicklung. Vor allem die ersten Lebensmonate sind für das Hören von entscheidender Bedeutung, da sich in dieser Zeit die Hörbahn entwickelt. Je länger der Hörverlust unentdeckt bleibt, desto schwieriger wird es für das Kind, den Rückstand in der Sprachentwicklung aufzuholen. Daher ist es besonders wichtig, die Früherkennung dieser Krankheit sicherzustellen. Seit dem 1. Januar 2009 übernehmen Krankenkassen die Kosten für den Hörtest bei Neugeborenen, dem sogenannten Hörscreening. Eine Mess-Sonde, die der Arzt ins äußere Ohr einführt, gibt ein kurzes Geräusch ab. Anschließend wird die akustische Information gemessen, die das Innenohr auf diesen Reiz hin weitergibt. Ein Mikrofon registriert das Echo und damit den Zustand der Haarsinneszellen. Dies Echo nennt man otoakustische Emissionen (OAE). Das Hörscreening gilt als bestanden, wenn das Baby mindestens an einem Ohr den Test besteht. Trotzdem sollten die Eltern auf das Schreien und die Reaktionen ihres Babys auf Geräusche achten. Denn fast immer sind es die Eltern, die zuerst den Verdacht haben, dass ihr Kind schlecht hört. Hier folgen einige wichtige Anhaltspunkte für Eltern und Bezugspersonen:

- In der vierten bis sechsten Lebenswoche sollten Säuglinge bei plötzlichen lauten Geräuschen erschrecken und sich bei Zuspruch der Eltern beruhigen.

- Im dritten bis vierten Lebensmonat sollten Säuglinge stimmhaft lachen und brabbeln und die Augen in Richtung der Schallquelle bewegen.

- Säuglinge im sechsten bis siebten Lebensmonat sollten erste zweisilbige "Wörter" von sich geben, auf Musik lauschen.

- Mit zehn bis zwölf Monaten sollten Säuglinge auf leises Ansprechen aus einem Meter Entfernung reagieren und Verbote oder Aufforderungen verstehen.

- Etwa zum zweiten Geburtstag sollten Kinder Anweisungen befolgen können, die ihnen ins Ohr geflüstert werden.

Was tun bei einem Hörschaden?

Falls die Hörstörung durch eine Mittelohrentzündung oder eine ungenügende Belüftung der Ohrtrompete verursacht wurde, kann die Schwerhörigkeit mit einem relativ einfachen chirurgischen Eingriff beseitigt werden. Dabei wird angesammelte Flüssigkeit entfernt und gegebenenfalls Paukenröhrchen gelegt, damit die Ohren besser belüftet werden (die Paukendrainagen werden nach drei bis zwölf Monaten eigenständig vom Körper abgestoßen). Wenn Hörstörungen bei Kindern rechtzeitig, das heißt möglichst vor Vollendung des ersten Lebensjahres, erkannt werden, können schwerhörige Mädchen und Jungen heute mit Hörgeräten ein nahezu normales Leben führen. Wenn die Behinderung angeboren ist, müssen Arzt und Eltern entscheiden, welche Art von Hörhilfe das Kind bekommt. Da in den ersten beiden Lebensjahren die Grundlagen für das Hören - und damit auch für die Sprachentwicklung - gelegt werden, ist es wichtig, dass die Maßnahmen früh gestartet werden. In dieser frühen Zeit der Entwicklung reifen die Hörbahnen zum Gehirn und das Hörzentrum selbst noch aus. Viele der Verbindungen zwischen Gehirnzellen und Ohr müssen sich erst aufbauen, um optimal zu funktionieren. Das geht aber nur, wenn vom Ohr aus Reize an das Gehirn geleitet werden. Passiert das nicht, verkümmert die Fähigkeit zu hören. Deshalb wird die Anpassung eines Hörsystems wahrscheinlich notwendig sein. Hörgeräte können bei Kleinkindern zu einer wesentlichen Verbesserung des Hörerlebens führen. Erfreulich ist, dass Kinder die bunt gestalteten Hörhilfen gut annehmen. Kinder merken schnell, dass sie durch Hörgeräte den Kontakt zu anderen Kindern bekommen, den sie aufgrund ihrer Beeinträchtigung bisher vermisst haben.

Jugendliche mit Hörschäden

Die Zahlen sind alarmierend: Ein Drittel der jungen Menschen von heute werden spätestens als 50-Jährige ein Hörgerät benötigen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung schätzt, dass bereits ein Viertel aller 16- bis 24-Jährigen an Hörschäden leiden. Das bestätigt auch die Bundesärztekammer mit ihrer Einschätzung, dass jeder vierte Jugendliche schwerhörig sei (man spricht von Schwerhörigkeit, wenn die betroffene Person noch verwertbare Höreindrücke hat. Gehörlosigkeit liegt vor, wenn über das Gehör keine Sprache mehr verstanden werden kann). Viele Teenager haben schon einen vorübergehenden Tinnitus gehabt, bei anderen ist die Krankheit chronisch, belegen Forschungen. Hauptursache dafür ist zu laute Musik. In Diskotheken und bei Konzerten fängt der messbare Lärmpegel erst bei 90 Dezibel an - ab 85 Dezibel gilt Lärm bereits als hörschädigend. 110 Dezibel sind in Clubs oder bei einem Rockkonzert die übliche Lautstärke, beim Start eines Flugzeugs oder Straßenbauarbeiten werden sie jedoch als unerträglich wahrgenommen. Im Vergleich: Die Schmerzgrenze für Lärm liegt bei 120 Dezibel. Eine besondere Gefahr geht auch von der Dauerbeschallung über Mini-Kopfhörer der MP3-Player aus, die Mittelwerte von 100 Dezibel erreichen können. Tückisch ist, dass die Töne der Musik als angenehm empfunden werden - im Gegensatz zu Baustellen- oder Verkehrslärm, der aber oftmals gleich laut ist.

Kinder und Jugendliche mit Hörsturz

Oftmals ist im Fall eines Hörsturzes ein Ohr fast komplett taub. Dadurch bekommen die Kinder und Jugendlichen Schwierigkeiten, Gesprächen in etwas lauterer Umgebung zu folgen. Häufig fällt es ihnen schwer, die Geräusche zu orten und zu erkennen, wer beispielsweise in einer Gruppe oder im Klassensaal spricht. Sie müssen erst mit den Augen den Sprechenden suchen, um die Ohren gegebenenfalls richtig „einzustellen“. Dadurch verpassen sie den Anfang des Gesprochenen und können nicht angemessen reagieren. Außerdem verlieren viele hörgeschädigte Jugendliche die Fähigkeit, leise und hohe Töne wahrzunehmen. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit können Hörgeräte hier ebenfalls helfen.

Tinnitus bei Jugendlichen

Leidet der Jugendliche an einem Tinnitus, durch Stress oder zu laute Musik verursacht, kommt es auf die Schwere des Ohrpfeifens an. Der Jugendliche nimmt Geräusche oder Töne wahr, obwohl diese nicht von einer äußeren Schallquelle ausgehen. Er hört ein Rauschen, Sausen, Zischen, Klingeln, Pfeifen, Summen, Surren, Zirpen oder Maschinengeräusch (Dröhnen, Klopfen). Die Töne und Geräusche können in Lautstärke und Intensität variieren, dauerhaft oder periodisch auftreten sowie in einem Ohr, in beiden Ohren oder im Kopf wahrgenommen werden. Die Behandlung eines Tinnitus hängt auch von der Ursache ab: Oftmals empfiehlt sich das Erlernen von Entspannungstechniken. Neben autogenem Training hat sich die Progressive Muskelentspannung bewährt. Wird der Tinnitus durch eine Stoffwechselerkrankung ausgelöst, werden diese Erkrankungen zuerst therapiert.

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