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Medikamente  

Alarmierender Trend: Mehr Neuroleptika an Kinder

24.10.2008, 17:37 Uhr | mmh

Zu oft Neuroleptika?Zu oft Neuroleptika? (Foto: Archiv)Immer mehr Neuroleptika werden zu schnell an Kinder und Jugendliche verschrieben. Das steht in einer Studie der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Köln. Neuroleptika könnte man mit "Nervendämpfungsmittel" umschreiben, sie werden vor allem bei akuten Psychosen eingesetzt, um Symptome zu lindern, sie heilen aber nicht. Die Studie weist einen alarmierenden Anstieg bei der Verschreibung neuartiger Neuroleptika bei Kindern und Jugendlichen nach.

Immer mehr Nervendämpfer für Kinder

Dem ARD-Politikmagazin "Report Mainz" liegt diese Studie vor. Sie weist einen drastischen Anstieg bei der Verschreibung neuartiger Neuroleptika bei Kindern und Jugendlichen nach. Demnach erhielten 6.864 Kinder und Jugendliche im Jahr 2000 in Deutschland ein neuartiges Neuroleptikum. 2006 waren es bereits 28.100. Innerhalb von sechs Jahren wären die Verschreibungszahlen damit um das Vierfache gestiegen.

Verschreibung ohne passende Diagnose

Der Leiter der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Köln, Prof. Gerd Lehmkuhl, weist darauf hin, dass immer mehr Kinder und Jugendliche mit Neuroleptika behandelt würden, aber die dazu passenden Diagnosen nicht in gleichem Maße anstiegen. Das würde bedeuten, dass die Medikamente auf Störungen ausgedehnt würden, für die sie nicht zugelassen seien. Hinter den gestiegenen Verordnungszahlen vermutet Lehmkuhl eine zunehmende Bereitschaft von Ärzten Psychopharmaka auch an Kinder und Jugendliche zu verschreiben. Außerdem glaubt er, dass zu schnell auf bestimmte Verhaltensauffälligkeiten, wie aggressive Störungen, mit Medikation reagiert werde. Der Arzneimittelexperte der Universität Bremen Prof. Gerd Glaeske erklärte "Report Mainz" gegenüber: "Bei Kindern sollte man beim Einsatz von Neuroleptika sehr zurückhaltend sein, da Kinder noch in der Entwicklung sind. Es entwickelt sich noch das Gehirn und das zentrale Nervensystem, insofern könnte es natürlich dort bei einer vorschnellen Gabe von Neuroleptika hochdosiert zu längerfristigen Schäden kommen."

Starke Nebenwirkung: Für Kinder ungeeignet

Wegen der massiven Nebenwirkungen, die Neuroleptika haben können, rät die Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Charlotte Köttgen, grundsätzlich von einer Vergabe dieser Psychopharmaka an Kinder ab: "Neuroleptika haben sehr schwerwiegende Nebenerscheinungen. Sie haben vermehrt Folgeerscheinungen wie Diabetes, Gewichtszunahmen mit den Folgen von Kreislaufstörungen, Herz-Kreislaufstörungen mit der Folge von unwillkürlichen Bewegungszwängen, die oft anhaltend bleiben."

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