Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Gesundheit >

Autismus: Ein Leben mit dem Asperger-Syndrom

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Autismus  

Chaos im Kopf: Ein Leben mit Autismus

01.04.2010, 14:28 Uhr | dpa

Autismus: Ein Leben mit dem Asperger-Syndrom. Nachdenklicher Junge sitzt auf einer Treppe.

Selten lässt sich Autismus auf den ersten Blick erkennen. (Bild: dpa)

An Kommentare wie "Der Junge braucht doch nur mal eine hinter die Ohren" hat sich Martina Schwarz* gewöhnt. Ihr Sohn Max ist kein frecher Bengel. Bei ihm diagnostizierten Ärzte das Asperger-Syndrom, eine Form von Autismus. Max kann Reize nicht filtern, manchmal überfordern sie ihn. Dann wirft er sich schon mal im Supermarkt auf den Boden und macht seinem Frust lautstark Luft.

Am besten wäre jeder Tag gleich

Das Leben von Martina Schwarz hat vor allem eines: Struktur. Bevor sie mit ihren Kindern zur Schwimmhalle fährt, steht dieser Plan seit Tagen fest. Vor der Abfahrt überprüft sie im Internet zweimal, ob die Halle wirklich geöffnet hat. Für Spontaneität gibt es keinen Platz im Leben von Martina Schwarz. Sie hat sich das abgewöhnt. Denn ihr Sohn Max hasst Spontaneität. Wenn es nach dem Zehnjährigen ginge, wäre jeder Tag gleich. Er braucht die Routine.

Die Diagnose kam spät

Schwarz wird mit 31 Jahren schwanger. Die Schwangerschaft ist kompliziert. Umso glücklicher ist sie, als ihr Sohn geboren wird. Er entwickelt sich prächtig, doch als Max in der Kita keine Freundschaften schließt und lieber allein bleibt, wundert sie sich. Die Kinderärztin beruhigt sie. Er sei eben ein "Spätzünder". Doch die Mutter bleibt skeptisch. Sie recherchiert und sucht Fachleute auf. Vier Jahre später diagnostiziert ein Arzt das Asperger-Syndrom. Max ist unfähig, zu anderen Menschen eine normale Beziehung aufzubauen.

Unfähig Gefühle zu erkennen

Wer Max auf der Straße sieht, erkennt seine Besonderheit nicht. Er wirkt vielleicht tollpatschig, auf jeden Fall aber intelligent. Beim Sprechen macht er keine Fehler, kann ganze Passagen aus der "Sendung mit der Maus" zitieren. Seine Mutter nach einem Glas Wasser zu fragen, musste er jedoch mühsam lernen. Denn Max fehlt die Fähigkeit, Bedürfnisse auszudrücken und Gefühle zu erkennen.

In der Schule: Max versteht den Stoff, aber nicht den Unterricht

Als Max eingeschult wird, versteht er zwar den Stoff, kann aber trotzdem dem Unterricht nicht folgen. Jedes Geräusch lenkt ihn ab. Auch das Konzept der Lehrerin kann er nicht verstehen. Er kommt auf eine andere Schule und lernt nun in kleineren Gruppen. In dem Kompetenzzentrum wird er seit drei Jahren gefördert. Er lernt, Gesichtsausdrücke zu deuten, grundlegende Bedürfnisse zu formulieren. Niemand weiß, ob er jemals selbstbestimmt leben kann. Autismus ist nicht heilbar.

Nur keine Überraschungen

Zum Geburtstag bekommt Max nur unverpackte Geschenke: Spielzeug, das er sich ausdrücklich gewünscht hat. Er hasst Überraschungen. Und genauso kann Max auch nicht verlieren - er mag die meisten Kinderspiele sowieso nicht. Er versteht sie nicht. Wenn sich Rollen oder Spielsituationen ändern, weiß er nicht weiter. Sein Kopf findet keine Lösung. Max liebt Hackfleisch, aber nur bröseliges - Buletten hingegen isst er nicht. Er kann sich nicht anpassen, sein Inneres nicht ausdrücken, denn Max hat eine andere Logik als die Menschen um ihn herum.

Immer einen Notfallplan parat

Martina Schwarz hat gelernt, was ihr Sohn braucht. So richtig wird sie wohl nie in seine Welt vordringen, aber sie versucht es. Wenn Max sich verletzt, will er nicht in den Arm genommen und getröstet werden. Daran hat sie sich gewöhnt. Er braucht für jeden Ausflug, jede Bitte und jede Veränderung eine plausible Erklärung - und vorsichtshalber einen Plan B. Martina Schwarz gibt ihm diese Sicherheit. Erziehungstipps von Supermarkt-Begegnungen braucht sie nicht - Verständnis schon.

(*Name von der Redaktion geändert)

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Dumme Idee 
Sprung auf Hai zeugt nicht gerade von Intelligenz

Diese Aktion hätte auch gerne in die Hose gehen können. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
Auf flachen Sohlen - Schuhe für die kühle Jahreszeit

Angesagte Stiefel, trendige Schnürer, klassische Stiefeletten u.v.m. jetzt entdecken bei BAUR.

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal