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Koma-Saufen: Wo es die meisten Fälle gibt

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Alkoholkonsum  

Jung, betrunken, eingeliefert: Wo gibt es die meisten Fälle?

15.04.2010, 09:59 Uhr | dpa; rev, dpa

Koma-Saufen: Wo es die meisten Fälle gibt. Koma-Saufen: Teenager im Alkoholrausch.

Die Zahl der alkoholbedingten Krankenhausaufenthalte steigt weiter an. (Bild: Imago)

Immer mehr Jugendliche betrinken sich bis zum Vollrausch. So mussten im Jahr 2008 rund 27.000 junge Menschen im Alter von zehn bis 19 Jahren im Krankenhaus behandelt werden, weil sie zu viel Alkohol getrunken hatten. Das sind zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor und fast dreimal so viele wie im Jahr 2000. Das zeigt eine Auswertung von Daten der Statistischen Landesämter. In einigen bayerischen Städten landeten demnach besonders viele Heranwachsende mit einem Alkoholrausch in der Klinik, auffallend wenige waren es dagegen in großen Metropolen.

Wo gab es die meisten alkoholbedingten Krankenhausaufenthalte?

Im Vergleich der 413 Kreise in Deutschland belegt das bayerische Bamberg einen traurigen Spitzenplatz. Von den rund 6300 Einwohnern der Stadt im Alter von zehn bis 19 Jahren mussten 2007 und 2008 insgesamt 115 mit einem Vollrausch stationär versorgt werden. Das sind im Jahresdurchschnitt neun von tausend Heranwachsenden. Ähnlich hoch ist dieser Anteil in Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern und im oberfränkischen Hof.

Deutsche Großstädte sind eher selten betroffen

Dagegen trinken Jugendliche in großen Metropolen offenbar seltener mehr, als sie vertragen. So wurden in Hamburg, Berlin und Frankfurt am Main im Durchschnitt der Jahre 2007 und 2008 nur zwei von tausend jungen Menschen mit einem Alkoholrausch im Krankenhaus behandelt:

Großstadt

Patienten (10-19 Jahre) je 1000 Gleichaltrige

Nürnberg

5,7

Dortmund

4,4

Stuttgart

4,2

Dresden

4,1

München

3,9

Essen

3,1

Hannover

2,9

Köln

2,5

Bremen

2,2

Düsseldorf

2,0

Leipzig

2,0

Frankfurt am Main

1,7

Berlin

1,6

Hamburg

1,5


Die Bundesländer im Vergleich

Damit setzen sich Berlin und Hamburg auch im Bundesländervergleich deutlich ab - besonders vom Saarland und von Sachsen-Anhalt, wo vier von tausend Heranwachsenden im Klinikbett ausnüchtern mussten:

Bundesland

Patienten (10-19 Jahre) je 1000 Gleichaltrige

Saarland

4,0

Sachsen-Anhalt

4,0

Mecklenburg-Vorpommern

3,8

Bayern

3,6

Rheinland-Pfalz

3,4

Sachsen

3,4

Thüringen

3,2

Baden-Württemberg

3,2

Nordrhein-Westfalen

2,9

Niedersachsen

2,9

Schleswig-Holstein

2,8

Bremen

2,6

Brandenburg

2,6

Hessen

2,4

Berlin

1,6

Hamburg

1,5

Enorme Hirnschädigungen können die Folge sein

Was die Kinder und Jugendlichen sich mit solch übermäßigem Alkoholkonsum antun, wird besonders von ihnen selbst stark unterschätzt. Experten warnen, dass ein Komarausch nicht mit einem normalen Rausch zu vergleichen ist. Die Schädigungen im Gehirn, die durch einen solchen Exzess entstehen, sind enorm und können sich auch langfristig auswirken. Die frühere Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, sieht vor allem ein Problem in der mangelnden Vorbildfunktion von Gesellschaft und Eltern: Alkohol hat einen festen Platz in unserer Gesellschaft. Häufig wird auf Partys und auch auf Familienfesten getrunken, um ausgelassener zu sein. Hinzu kommt, dass für den Alkoholkonsum auch kräftig geworben wird - was gerade junge Menschen stark beeinflussen kann.

Eltern müssen gutes Vorbild sein

"Während man andere Drogen generell verbieten kann, gehört Alkohol zu unserer Kultur dazu", sagt Albert Wunsch, Dozent für Erziehungswissenschaft an der Katholischen Fachhochschule Köln. Daher hätten Eltern die schwierige Aufgabe, ihrem Nachwuchs Alkohol als ein Genussmittel nahezubringen, das man ab einem gewissen Alter in bestimmten Situationen in Maßen genießt. Dafür müssten sie zunächst selbst Vorbild sein. Dies bedeute zum Beispiel, dass sie nicht jeden Abend ihren beruflichen Frust mit Bier herunterspülen oder sich bei Feiern zu extremem Alkoholkonsum hinreißen lassen.

Ausnahmen nur an besonderen Anlässen

Jede Familie brauche zudem klare Regeln für den Umgang mit Alkohol. Dabei sei ganz wichtig, dass Kinder gar keinen Alkohol trinken dürfen. Je nach Vorgabe der Eltern könne man Heranwachsenden etwa mit 14 oder 15 Jahren zu besonderen Gelegenheiten ein Glas Sekt oder Bier anbieten. Unbedingt sollte nach der vorher vereinbarten Menge Schluss sein. Auch hierbei müssten die Eltern Vorbild sein. "Denn auch Erwachsene sollten nicht mehr als zwei bis drei Gläser Alkohol innerhalb eines speziellen Anlasses trinken", empfiehlt der Erziehungswissenschaftler.

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