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Gesundheitsvorsorge: Toben hilft Kindern besser als Therapien

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Gesundheitsvorsorge  

Toben statt therapieren

14.10.2010, 14:34 Uhr | rw, t-online.de, dapd, dpa

Gesundheitsvorsorge: Toben hilft Kindern besser als Therapien. Junge beim Toben im Herbstlaub.

Toben an der frischen Luft: besser als jede Ergo-Therapie. (Bild: imago) (Quelle: imago)

Krankengymnastik, Einlagen und Schmerzmittel: Wenn im Alter immer öfter die Hüfte oder der Rücken zwickt, gehören all diese Mittel zum medizinischen Standardrepertoire. Zunehmend werden aber schon Kinder in Deutschland mit allen erdenklichen Therapien und physiotherapeutischen Hilfsmitteln überschüttet, ohne den eigentlichen Ursachen ihrer Haltungsschäden oder Bewegungsstörungen auf den Grund zu gehen. Experten sehen Handlungsbedarf.

Zu Bewegung und Aktivität motivieren

Als eine wesentliche Grundursache für viele Probleme wie Haltungsschäden oder andere motorische Störungen im Kindesalter sehen die meisten Experten einhellig den sich ausbreitenden Bewegungsmangel. Hier sind auch die Eltern in der Pflicht. "Meist braucht es nicht viel, um Kinder zu motivieren", so Christine Graf, Leiterin der Abteilung Bewegungs- und Gesundheitsförderung an der Deutschen Sporthochschule Köln. Durch die Aktivität könne sich der Nachwuchs körperlich und geistig besser entwickeln. Die Bewegung fördere zum Beispiel die Motorik und Koordination eines Kindes und verbessere seine Konzentrationsfähigkeit. Die Ursachen vieler später therapiebedürftiger Störungen könnten so schon im Ansatz ausgemerzt werden.

TV und Internet buhlen um die Freizeit der Kinder

Allerdings konkurrieren Medien wie Fernseher, Spielkonsole und Internet mit sportlichen Aktivitäten um die Freizeit der Kinder. "Wenn Kinder die direkte Wahl zwischen Spielen und Fernsehen haben, setzen sie sich lieber vor das TV-Gerät", weiß auch Graf. Für Eltern kann es nur allzu bequem sein, den Nachwuchs vor der Mattscheibe zu "parken", statt sie beim Spielen draußen zu beaufsichtigen. Ein vernünftiger Ersatz für ausreichend Bewegung ist das aber nicht. Eltern sollten also im Sinne ihrer Kinder unbedingt auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Mediennutzung einerseits und ausreichend Bewegung andererseits achten. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung macht Vorgaben, die bei der Orientierung helfen, wie viel TV-Konsum für Kinder noch akzeptabel ist.

"Medizinisierung der Kindheit"

Die Folgen fehlender Bewegung bekommen zunehmend auch die Krankenkassen zu spüren. Schon Kinder werden in Deutschland tausendfach mit Arzneimitteln oder Krankengymnastik gegen Rückenschmerzen, Bewegungs- oder Sprachstörungen behandelt. So erhielten 14 Prozent der Kinder unter zehn Jahren bei der Barmer GEK im vergangenen Jahr Physio-, Ergo- oder Logotherapie verschrieben, wie aus dem Heil- und Hilfsmittelreport 2010 der zur Jahreswende fusionierten Kasse hervorgeht. "Da stellt sich die Frage, ob nicht zu viel Medizin bei Kindern angewendet wird", so Vorstandsvize Rolf-Ulrich Schlenker. Elf Prozent hätten Hilfsmittel wie Einlagen oder Inhalationsgeräte bekommen.

Laut GEK-Report erhielten 2008 rund 4,7 Prozent der rund 250.000 versicherten Kinder im Alter bis 13 Jahren Physiotherapie. Bei mehr als 5400 Kindern unter 13 Jahren wurden Rückenschmerzen diagnostiziert - rund 51 Prozent erhielten Schmerzmittel. 29 Prozent der Kinder mit Rückenschmerzen bekamen eine Physiotherapie. Schlenker meint, unspezifische Rückenschmerz-Diagnosen und entsprechende Verordnungen bei Kindern machten stutzig. Bereits Kleinkinder bis drei Jahre würden in wachsendem Maß wegen Rückenschmerzen behandelt. Der Report beklagt die fortschreitende "Medizinisierung der Kindheit". Bei Defiziten in den Bereichen Sprachfähigkeit und Motorik würden Förderungsmaßnahmen der Sozial- und Kultusbehörden möglicherweise aus Sparsamkeit durch medizinische Behandlungen ersetzt - bezahlt durch die Krankenkassen.

Toben besser als Therapien

Die Kosten für solche Behandlungen steigen massiv. Zudem bezweifeln zumindest die Kassenfunktionäre den Nutzen so mancher Therapie für die kleinen Patienten. Denn die meisten Behandlungen setzen an einem Punkt an, der eigentlich viel zu spät kommt. Sie sind darauf ausgerichtet, schon bestehende Haltungsschäden zu korrigieren oder Bewegungs- und Sprachstörungen auszugleichen. Die Frage nach dem "Warum" stellen sie in der Regel nicht. Warum zum Beispiel hat ein Kind Haltungsschäden entwickelt und hat einen schlechten Bewegungsablauf? "Mangelnde Bewegung dürfte die Ursache sein", so GEK Vorstand Schenker. Gerd Glaeske, unter dessen Leitung der Heil- und Hilfsmittelreport entstand, schlägt in die selbe Kerbe. Auch er sieht die Lösung nicht in immer mehr medizinischen Hilfsmitteln. "Ob das Geld für diese Therapien gut angelegt ist, wissen wir überhaupt nicht", so Glaeske.

Mehr Bewegung ins Leben bringen

Doch auch unabhängig von den Kosten gilt: Kinder brauchen Bewegung und sollten sie mit Spaß erleben dürfen. Von Geburt an bewegen sich die meisten Kinder gesund und haben auch einen natürlichen Drang nach Bewegung in sich. Er wird ihnen nur im Laufe des Heranwachsens abtrainiert. "Einmal die Woche eine Stunde zum Sport reicht nicht aus, um eine aktive und bewegungsreiche Kindheit zu haben", kritisiert Gesundheitswissenschaftler Professor Klaus Roth von der Universität Heidelberg. Dabei wäre es seiner Meinung nach überhaupt kein Problem für mehr Bewegung zu sorgen. "Es reicht schon aus, wenn Eltern ihre Kids mal nicht überall mit dem Auto hinfahren." Viele Wege ließen sich auch zu Fuß oder mit dem Rad erledigen. Durch solche Tricks werde der Alltag ganz nebenbei viel aktiver.

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