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Kinderarmut: Hungern in der Schule - Kinderarmut in Deutschland

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Kinderarmut  

Hungern in der Schule - Kinderarmut in Deutschland

25.10.2010, 15:41 Uhr | cst; ard, t-online.de, ots

Kinderarmut: Hungern in der Schule - Kinderarmut in Deutschland. Kinderarmut: Mädchen isst Frühstücksbrot. (Quelle: Archiv)

Nur wer satt ist, kann sich in der Schule konzentrieren. (Quelle: Archiv)

"Essen ist Leben" lautet der Titel der ARD-Themenwoche. Doch längst nicht für jeden in Deutschland steht genug oder gesundes Essen auf dem Ernährungsplan. Vor allem Kinder und Jugendliche aus von Armut betroffenen Familien leiden darunter. Nur wer satt ist und ausreichend Vitamine und Nährstoffe zu sich nimmt, kann sich konzentrieren, lernen und entwickeln. Die Spirale des sozialen Abstiegs beginnt im Einkaufswagen, die Chance auf Bildung und einen Aufstieg aus der Unterschicht entscheidet sich auch am Esstisch.

Vier Millionen Minderjährige leben in Armut

In Deutschland leben mehr als vier Millionen Minderjährige in Armut. Fast zwei Millionen Kinder unter 15 Jahren sind in einem der reichsten Länder der Erde auf staatliche Unterstützung wie zum Beispiel Hartz-IV angewiesen. Doch diese Unterstützung reicht nicht. Für die betroffenen Kinder und Jugendlichen bedeutet ein Leben in Armut meist soziale Ausgrenzung - Sportvereine, Diskobesuche, Kino sind häufig zu teuer, Einladungen zu Geburtstagspartys bleiben oft aus. Doch hinter dem Begriff "Armut" verbirgt sich auch ein elementares Problem: schlechte Ernährung - oder schlichtweg Hunger.

Wie gehen Politik und Gesellschaft damit um? Versagt der Wohlfahrtsstaat ausgerechnet bei den Schwächsten? Leidet der Sozialstaat unter einem Mangel- oder unter einem Verteilungsproblem? Welche Lösungsansätze gibt es? Über diese und andere Fragen diskutierte Thomas Leif am Montag, den 25. Oktober 2010, in der Sendung "2+Leif" mit Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands und Monika Stolz (CDU), Sozialministerin in Baden-Württemberg.

Gleich zu Beginn bot Gastgeber Leif der baden-württembergischen Sozialministerin Stolz vier Flaschen Cola an - im Wert von 3,20 Euro, dem Tagessatz eines Kindes, dessen Eltern auf Hartz-IV angewiesen sind. Stolz verwies auf das monatliche Gesamtbudget der Familien und die im Zuge der Neuregelung der Hartz-IV Sätze eingeführten Leistungen, die eine Teilhabe der Kinder am gesellschaftlichen Leben ermöglichen sollen. Schneider hielt dagegen: "Ein junger Mensch hat keine Chance mit Hartz-IV auszukommen."

"Wir brauchen eine Bildungsoffensive und keine Magnetkarte"

Schneider warnte die SPD davor, der Reform der Hartz-IV-Sätze im Bundesrat zuzustimmen. "Die SPD wäre gut beraten dem nicht zuzustimmen, weil - und auch das ist garantiert - diese Regelsätze speziell für Kinder wieder vor dem Bundesverfassungsgericht landen werden. Dann stellt sich die Frage, wer wird alles mit auf der Anklagebank sitzen." Stolz erwartet indes in der Länderkammer die Zustimmung der SPD-geführten Landesregierungen. "Die SPD wird sich schwer tun, das ganz abzulehnen, weil ja eigentlich die Hartz-IV-Sätze unter der SPD-Regierung festgelegt waren. Weil sie es eben so schlampig gemacht hat, musste das Bundesverfassungsgericht auch eine Nachjustierung einfordern. Insofern ist die SPD hier in einer etwas schwierigen Position."

Schneider zweifelte zudem daran, dass die Bundesregierung eine sogenannte "Bildungs-Chipkarte" einführen wird: "Die kommt nie. Da bin ich mir ganz sicher. Die Einführungskosten sind vergleichsweise hoch." Die Kommunen würden sich weigern, die entsprechenden Kosten zu übernehmen. Schneider forderte die entsprechenden Mittel zur Bekämpfung der Armut sowie für eine Bildungsoffensive zu verwenden: "Was uns in Deutschland wirklich nicht fehlt, sind Magnetkarten. Wir haben im Moment viele Arme, um die müssen wir uns kümmern. Wir haben Kinder, die brauchen eine echte Bildungsoffensive und keine Magnetkarte."

Sozialministerin Stolz verteidigte das Vorhaben: "Ich finde die Idee einer Chipkarte gut. Wir haben in Stuttgart da recht gute Erfahrungen. Das ist aber auch aufwändig, das braucht eine gewisse Vorarbeit, so dass wir das jetzt nicht sofort umsetzen können." Dennoch solle die Regierung an der geplanten Einführung festhalten: "Politik darf nicht kleingläubig sein, Politik darf auch mal eine Idee verfolgen, die nicht von heute auf morgen umgesetzt werden kann, sondern die auch einer gewissen Anlaufszeit bedarf."

Viele ungeklärte Fragen

Dem eigentlichen Thema der Sendung - hungrige Kinder in der Schule - näherten sich die Beteiligten nur über die altbekannten Umwege wie Hartz-IV, Kinderarmut und Finanzierungsprobleme. Wie viele Kinder denn nun ohne Frühstück in die Schule kommen, ob Schulobstprogramme helfen können oder warum nicht flächendeckend in Schulen ein Mittagessen angeboten wird - naheliegende Fragen, über die man bei der vorgegebenen Thematik eine Diskussion erwartet hätte - wurden gar nicht erst angesprochen. Stattdessen verwies Stolz mehrere Male auf die Eigenverantwortung der Eltern, die die Pflicht und Aufgabe hätten, sich um ihre Kinder zu kümmern. Doch was, wenn Eltern dazu nicht mehr in der Lage sind? Die Antworten stehen nach wie vor aus.

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