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Europäische Union: Bisphenol A in Babyfläschchen ab 2011 verboten

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Bisphenol A in Babyfläschchen ab 2011 verboten

26.11.2010, 12:43 Uhr | AFP, t-online.de

Europäische Union: Bisphenol A in Babyfläschchen ab 2011 verboten . Baby nuckelt an Fläschchen: Ab März 2011 wird es in Babyfläschchen kein Bisphenol A mehr geben. (Bild: imago)

Ab März 2011 wird es in Babyfläschchen kein Bisphenol A mehr geben. (Bild: imago)

Die Europäischen Union hat endlich entschieden: Ab kommendem Jahr dürfen Babyfläschchen nicht mehr die umstrittene Chemikalie Bisphenol A enthalten. Gesundheitsexperten der Mitgliedsstaaten einigten sich in Brüssel darauf, die Produktion solcher Fläschchen ab März 2011 zu verbieten und den Verkauf und Import ab Juni. Verbraucherschützer fordern, den Stoff auch aus anderen Alltagsprodukten zu verbannen.

"Das ist eine gute Nachricht für die Verbraucher in Europa", erklärte Verbraucherkommissar John Dalli. Bisphenol A ist ein Grundstoff für die Herstellung des Kunststoffs Polycarbonat, der sich zum Beispiel in Plastikbesteck, Nuckelflaschen, Babytassen und Schnullerschilden befindet, aber auch in Getränkeverpackungen oder in der Innenbeschichtung vieler Dosen. Gleichzeitig ist Bisphenol A aber auch eine hormonell wirksame Chemikalie, die im Organismus ähnlich wie das Geschlechtshormon Östrogen wirkt. Bisphenol A wird unter anderem für Unfruchtbarkeit, Schädigungen der Sexualentwicklung sowie Prostata- und Brustkrebs verantwortlich gemacht.

Umfassendes Verbot von Bisphenol A gefordert

Allein in Deutschland werden nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) jährlich rund 400.000 Tonnen Bisphenol A vermarktet. Babyfläschchen hätten daran nur einen geringen Anteil, erklärte der BUND in Berlin. So finde sich der Stoff auch in zahlreichen anderen Kunststoffartikeln aus Polycarbonat sowie in den Innenbeschichtungen von Dosen und in Thermopapier. Der BUND dringt deshalb auf ein Verbot aller Produkte, die Kinder und schwangere Frauen belasten könnten.

Der europäische Verbraucher-Dachverband BEUC forderte ein Verbot der Chemikalie in sämtlichen Alltagsprodukten. Daneben müsse die EU auch entschiedener gegen gefährliche Chemiecocktails in Waren vorgehen, erklärte die BEUC-Vorsitzende Monique Goyens in Brüssel.

In Frankreich und Dänemark ist Bisphenol A bereits verboten, ebenso in Kanada, Australien und in mehreren US-Bundesstaaten. In Deutschland hatten im vergangenen Jahr mehrere Hersteller Schnuller aus dem Verkehr gezogen, nachdem der BUND darin die Chemikalie nachgewiesen hatte. Daneben findet sich Bisphenol A unter anderem auch in Getränkedosen.

Bisphenol A könnte Tumore fördern

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hatte die Chemikalie unterhalb dem geltenden EU-Grenzwert Ende September zwar für unbedenklich erklärt. Verbraucherkommissar Dalli sieht jedoch "Bereiche der Unsicherheit". Er beruft sich auf neue Studien, wonach Bisphenol A eine Auswirkung auf das Wachstum, Immunabwehr und Gehirnentwicklung haben und Tumore fördern könnte. Auch Unfruchtbarkeit soll durch die Chemikalie ausgelöst werden.

So entwickelten in Studien Mäuse nach Gabe der Chemikalie eine vergrößerte Prostata, wurden früher geschlechtsreif oder zeigten schlechtere Spermienqualität. Hormonell wirksame Chemikalien wie Bisphenol-A sind besonders für Säuglinge und Kleinkinder gefährlich. Ihre Körper können Schadstoffe noch nicht gut abbauen. Außerdem könnten die Stoffe die Entwicklung der Kinder stören, befürchten Fachleute.

Ursprünglich wollte Dalli erst im kommenden Jahr ein Verbot vorschlagen. Nach den Worten seines Sprechers "versuchte er sein Glück" und erzielte bei dem am 25.11. angesetzten Treffen der EU-Gesundheitsexperten auf Anhieb die nötige qualifizierte Mehrheit. Das Europaparlament hatte sich bereits im Juni für ein Verbot von Bisphenol A in Babyfläschchen stark gemacht, hat aber in dieser Frage kein Mitbestimmungsrecht.


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