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Nabelschnurblut: Was bringt die teure Konservierung?

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Nabelschnurblut  

Nabelschnurblut: Wunderwaffe aus dem Eis?

14.12.2010, 15:07 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Nabelschnurblut: Was bringt die teure Konservierung?. Bei etwa minus 180 Grad wird das Stammzellenkonzentrat aus dem Nabelschnurblut gelagert. (Quelle: dpa)

Bei etwa minus 180 Grad wird das Stammzellenkonzentrat aus dem Nabelschnurblut gelagert. (Quelle: dpa)

Es scheint, als lande bei uns in Deutschland eine Menge Potenzial im Müll. Denn nach wie vor sind es nur die wenigsten Eltern, die die Möglichkeit nutzen, wertvolle Stammzellen aus dem Nabelschnurblut ihres Kindes zu gewinnen und einzulagern. Das mag einerseits an den Kosten liegen, andererseits aber auch an gewissen Zweifeln.

Nabelschnurblut bleibt immer jung und frisch

Aus dem Nabelschnurblut entnommene Stammzellen können sich in verschiedene Zelltypen verwandeln und so zur Behandlung schwerer Erkrankungen eingesetzt werden, wobei sie wie ein Ersatzteillager funktionieren. Theoretisch könnte man auch Knochenmark entnehmen und die Stammzellen von dort gewinnen, was man auch weltweit macht. Allerdings altern die Stammzellen genauso wie der Rest des Organismus und genau hier liegt einer der entscheidenden Vorteile des Nabelschnurblutes. Da es direkt bei der Geburt entnommen werden kann, ist das Blut sozusagen immer jung und unbelastet. Hinzu kommt, dass eine Entnahme - im Gegensatz zur Knochenmarkspende - ohne Risiko und schmerzfrei vonstatten geht.

Nabelschnurblut: Spenden oder konservieren?

Dass Stammzellen ein großes Potenzial für die Medizin bergen und dass damit unter Umständen Leben gerettet werden können, das steht inzwischen außer Zweifel. Die Frage, die sich stellt, ist aber in diesem Zusammenhang die, ob es tatsächlich sinnvoll ist, auf privatem, sehr teurem Weg das Nabelschnurblut für seinen Nachwuchs einlagern zu lassen oder ob es nicht besser ist, das so genannte Plazentarestblut zu spenden.

Letzteres geht allerdings - im Unterschied zur kommerziellen Lösung - nicht in jeder Geburtsklinik. Die Vorteile einer Spende: Das Nabelschnurblut des Babys kann direkt eingesetzt werden um kranken Menschen damit zu helfen. Kosten entstehen für die Eltern nicht und wenn der Nachwuchs sein Nabelschnurblut irgendwann einmal braucht, besteht sogar die Möglichkeit, das Blut zurückzubekommen, sofern es noch da ist. Ein Anspruch darauf besteht aber nicht.

Das ist bei einer privaten Nabelschnurbank natürlich anders. Schließlich bezahlt man dafür, dass man selbst das Blut wieder anfordern kann. Rund zweitausend Euro für die ersten 20 Jahre Lagerung sind durchaus üblich, wobei auch per monatlicher Rate gezahlt werden kann. Einige Privatversicherte sind hier im Vorteil. "Wir bezuschussen unter bestimmten Voraussetzungen die Einlagerung von Nabelschnurblut bereits seit den 90er Jahren", erklärt etwa Stefan Taschner von der UniVersa Krankenversicherung.

Wie lassen sich Stammzellen aus Nabelschnurblut überhaupt einsetzen?

Nabelschnurblut könnte eine gute Investition in die Zukunft sein. Gerade in der Krebstherapie hat man mit Stammzellen viel Erfolg, da sie ebenso wie Knochenmark für die Bildung neuer Blutzellen sorgen können. Weil das Mark bei Krebspatienten durch die oft notwendige Chemotherapie stark beschädigt ist und seine Aufgabe nicht mehr erfüllen kann, könnte eine Therapie mit Nabelschnurblut in bestimmten Fällen die letzte Rettung sein. Denn ein geeigneter Knochenmarkspender muss erst einmal gefunden werden.

Nabelschnurblutkonservierung: Nur ein unethisches Geschäft mit der Angst?

Ein Argument, das die privaten Nabelschnurbanken für sich nutzen. Schließlich bewahre man hier die eigenen Stammzellen auf und habe jederzeit Zugriff darauf. Allerdings können eigene Stammzellen nicht bei allen Krankheiten für die Therapie verwendet werden. Hierzu zählt zum Beispiel die bei Kindern verhältnismäßig häufige Krebsart Leukämie (Blutkrebs). Die eigenen Stammzellen könnten hier die Krankheit womöglich in sich tragen und scheiden deshalb für die Behandlung aus. Also doch nur ein unethisches Geschäft mit der Angst von Eltern?

Diese Frage stellt sich auch, weil es bei akutem Bedarf leichter ist, einen passenden Nabelschnurblut-Spender zu finden, als einen passenden Knochenmarkspender. Es müssen nämlich weniger Merkmale zwischen Spender und Empfänger übereinstimmen. Der Nachteil: In einer vergleichbaren Menge sind weniger Stammzellen und die Zellzahl ist für die Behandlung erwachsener Patienten oft zu gering. Durch die gleichzeitige Transplantation von zwei Nabelschnurblutpräparaten kann man dieses Dilemma aber lösen.

Langfristiges Einfrieren von Nabelschnurblut

Das häufig verwendete Argument, dass die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut nicht lebenslang eingelagert werden könnten, das Kind diese aber in der Regel erst in einigen Jahrzehnten wirklich brauchen könne, wurde vom Frauenhofer-Institut für Biomedizinische Technik widerlegt. Nach Angaben der Wissenschaftler kann Nabelschnurblut, vorausgesetzt es wird entsprechend aufbereitet und eingelagert, über Jahrhunderte aufbewahrt werden. Das liegt daran, dass durch die Lagerung bei rund minus 200 Grad die Stoffwechselprozesse so gut wie vollständig zum Erliegen kommen und beim Auftauen dann frisch und unversehrt sind - zumindest theoretisch. Praktisch fehlt auf diesem Gebiet einfach die Erfahrung, was wiederum die Kritiker auf den Plan ruft.

Transplantation von Stammzellen aus eigenem Nabelschnurblut hoch umstritten

Kein Mediziner kann zum heutigen Zeitpunkt sagen, wie sich die Forschung entwickeln wird. Die Bundesärztekammer schreibt in diesem Zusammenhang: "Für die Aufbewahrung von Nabelschnurpräparaten zur späteren Eigenbehandlung ist zurzeit keine medizinische Indikation bekannt. Sie ist daher zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht notwendig."

Auch die Richtlinien zur Transplantation von Stammzellen aus Nabelschnurblut besagen, dass dabei die Gefahr besteht, dass eine nicht erkannte, familiär vererbbare Erkrankung oder Infektion beziehungsweise peripartal aufgetretene bakterielle Kontamination übertragen wird. Aufgrund dieser Risiken sei die Transplantation von Nabelschnurblut gegenüber einer alternativ möglichen nicht verwandten Stammzellspende sorgfältig und kritisch abzuwägen. Auf gut deutsch: Ohne Risiko ist das Ganze nicht und letztendlich rät auch die Bundesärztekammer zwischen den Zeilen zu den öffentlichen Nabelschnurbanken.

Kaum Erfahrung mit Transplantation von Eigenspenden

Auch die Statistik spricht gegen das private Einlagern von Nabelschnurblut. Denn im Gegensatz zu Tausenden von Transplantationen aus öffentlichen Banken spricht man bei den Kindern, die ihre eigenen Stammzellen bekamen, von höchstens ein paar Hundert. Und das, obwohl das Geschäft boomt und die privaten Banken gut gefüllt sind. Jetzt könnte man natürlich argumentieren, dass die Idee noch nicht sehr alt ist und daher auch nur wenige der Kinder an einer dermaßen schlimmen Krankheit erkrankt sind. Auch hier wird erst die Zukunft zeigen, ob sich die Investition für diese Eltern gelohnt hat.

Niemand kann zum heutigen Zeitpunkt sagen, wohin der eingeschlagene Stammzellenweg sich entwickelt. Vielleicht wird es tatsächlich so sein, dass man in einigen Jahrzehnten froh ist, wenn man sich bei der Geburt seines Kindes dafür entschieden hat, dessen Nabelschnurblut einzulagern. Wer es sich leisten kann, macht damit sicher nichts verkehrt - sieht man davon ab, dass sich das Blut dann auch nicht mehr spenden lässt -, sollte sich davon aber auch keine Wunderdinge versprechen.

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