Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Gesundheit >

Alkoholsucht: Kinder brauchen Unterstützung

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Sucht  

Wenn die Eltern trinken

14.02.2011, 09:57 Uhr | dpa

Alkoholsucht: Kinder brauchen Unterstützung. Rauschtrinken unter Jugendliche kommt am häufigsten in höheren sozialen Schichten vor. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Rauschtrinken unter Jugendliche kommt am häufigsten in höheren sozialen Schichten vor. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Tabu-Thema Alkoholsucht: Etwa jedes sechste Kind in Deutschland lebt in einer Familie mit einem suchtkranken Elternteil. Die Jungen und Mädchen werden mit Schuldgefühlen und Scham groß und dann oft selbst abhängig. Betroffene Kinder brauchen professionelle Unterstützung.

Alkohol, Drogen, Medikamente: Jedes sechste Kind hat suchtkranke Eltern

Schon als Achtjährige musste Paula ihre drei jüngeren Geschwister versorgen und neben den Hausaufgaben auch noch den Haushalt schmeißen. Mit elf Jahren wirkte sie so erwachsen, dass sie immer für viel älter gehalten wurde. Paulas Eltern sind suchtkrank. Etwa jedes sechste Kind in Deutschland wächst Schätzungen zufolge in einer Familie mit mindestens einem alkohol-, drogen- oder medikamentenabhängigen Elternteil auf. Das sind ungefähr 2,6 Millionen Kinder, von denen sich viele weder Freunden, noch Lehrern, Erziehern oder Trainern anvertrauen.

Scham und große Verantwortung

"Kinder suchtkranker Erwachsener übernehmen sehr früh Verantwortung für ihre Eltern", sagt der Geschäftsführer der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen (HLS), Wolfgang Schmidt-Rosengarten. Sie sind oft mit den vielfältigen Aufgaben überfordert, haben kaum Zeit für Freunde und Hobbys und übergehen ihre eigenen Bedürfnisse. "Sie schämen sich für ihre Eltern und versuchen zugleich alles, um sie zu schützen", ergänzt Judith Klingelhöfer-Eckhardt von Drachenherz in Marburg, einer Beratungsstelle des Blauen Kreuzes, die sich ausschließlich um Kinder Suchtkranker kümmert. "Innerlich quält sie das Gefühl, anders zu sein als andere Kinder, nicht normal und nicht liebenswert zu sein."

Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien

Um die betroffenen Kinder und Jugendliche altersgemäß anzusprechen, hat die HLS zur bundesweiten Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien drei großformatige Fotostorys mit typischen Alltagssituationen der Betroffenen erarbeiten lassen. Viele Suchtkranke schämten sich und wollten daher nicht, dass ihre Kinder darüber redeten, heißt es am Ende der Bild-Geschichten. Und so hielten viele Kinder dicht. "Aber auch Dir muss es gut gehen. Darauf hast Du ein Recht! Hol' Dir Unterstützung!", fordern die Fachleute in der sechsseitigen Broschüre, die mit Unterstützung der Techniker Krankenkasse finanziert wurde (Ambulante Alkoholtherapie: Die Alternative zur stationären Therapie).

Angst vor den unberechenbaren Eltern

"Alkohol erzeugt viele Aggressionen, die die Kinder spüren", berichtet Schmidt-Rosengarten. "Viele leben in ständiger Unsicherheit, was ihre betrunkenen Eltern im nächsten Moment tun werden." Wie Marie, deren Mutter alkoholkrank ist. "Sie haben sich gestritten, Sachen sind durch die Gegend geflogen, es war laut. Das ging meist bis spät in die Nacht hinein", erzählt die 16-Jährige. "Mit der Zeit habe ich mich in mir selber verkrochen und war immer sehr ruhig. Und immer hatte ich das Gefühl, dass ich daran schuld bin, dass meine Eltern trinken."

Sucht wird "vererbt"

"Ein Drittel der Kinder wird später selbst suchtkrank", sagt Schmidt-Rosengarten. "Ein anderes Drittel zeigt psychische oder soziale Störungen." Viele suchen sich auch einen Süchtigen als Lebenspartner und versuchen diesen - wie früher die Eltern - zu retten. Sie können sich oft nur schwer an jemanden binden. "Sie haben gelernt, jederzeit damit rechnen zu müssen, dass der Himmel einstürzt."

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Ab 6 Uhr können Sie hier wieder wie gewohnt diskutieren. Wir danken für Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Brutale Methode 
Therapie mit langer Nadel nichts für schwache Nerven

Diese Behandlung ist garantiert nichts für zartbesaitete Menschen. Video

Anzeige

Shopping
tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal