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Psychisch kranke Eltern: So leiden die Kinder

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Mami ist immer so traurig

17.02.2011, 14:22 Uhr | dapd

Psychisch kranke Eltern: So leiden die Kinder. Kinder können den Umgang mit psychisch kranken Eltern lernen. (Foto: imago)

Kinder können den Umgang mit psychisch kranken Eltern lernen. (Foto: imago)

Schuldgefühle, Angst, Überforderung: Erkrankt ein Familienmitglied an Schizophrenie oder Depressionen, reagieren Erwachsene häufig bestürzt und hilflos, umso mehr sind die betroffenen Kinder verwirrt. "Für die Kinder psychisch Kranker ist diese Situation hochgradig ängstigend. Sie müssen erleben, dass nicht nur der Erkrankte, sondern auch die anderen Erwachsenen in ihrem Umfeld mit einem Mal stark beeinträchtigt sind", sagt Professor Fritz Mattejat, Leitender Psychologe der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie am Universitätsklinikum Marburg.

Hilfen für Kinder psychisch kranker Eltern

Oft wollten die Eltern ihr Kind vor Sorgen und Leid schützen, indem sie es aus allem heraushalten, was die Krankheit betrifft. "Das ist allerdings ein gravierender Trugschluss", betont der Autor des Ratgebers "Nicht von schlechten Eltern", der sich mit der Situation betroffener Kinder beschäftigt. "Kinder bekommen die Stimmungsveränderung in ihrer Umgebung mit. Sie merken, dass etwas nicht stimmt." Liefere man ihnen keine plausible Erklärung für die Situation, reagierten die Kleinen häufig mit Schuldgefühlen: "Sie meinen dann, dass sie dafür verantwortlich sind, dass es Mama oder Papa so schlecht geht", sagt Fritz Mattejat.

Die Kleinen leiden oft unter Schuldgefühlen

Besonders wichtig sei es daher, dass Erwachsene offen und aktiv mit der Situation umgehen. "Eine psychische Erkrankung kann in jeder Familie auftreten. Wenn es passiert, sollte man sich so schnell wie möglich fachliche Hilfe holen", betont der Experte. Ein Psychotherapeut oder Psychiater, aber auch eine Familien- oder Lebensberatungsstelle könnten erste Anlaufpunkte sein.

Sofort fachliche Hilfe holen

Mit den Kindern sollte man frühzeitig über die Erkrankung sprechen und ihnen erklären, dass Mama oder Papa krank ist und sich deshalb in letzter Zeit so seltsam verhält. "Die wichtigste Botschaft für das Kind ist, dass sich die Erwachsenen um das Problem kümmern", sagt der Diplom-Psychologe. Nur so könne es die Verantwortung loslassen und sich frei fühlen.

Versorgung des Kindes gewährleisten

Wichtig ist, dass man die Versorgung und Erziehung des Kindes weiterhin gewährleistet. "Betroffene sollten weniger Hemmungen haben, im Freundes- und Familienkreis um Hilfe zu bitten", betont Maike Struve vom Projekt "Seelenhalt" der Diakonie Hamburg, einem Beratungsprojekt für Familien psychisch kranker Eltern. In solchen Situationen können beispielsweise die Paten des Kindes Ansprechpartner sein. Wer in seinem näheren Umfeld keine Bezugsperson für das Kind finde, für den seien Patenprojekte eine Alternative, die ehrenamtliche Begleiter für Kinder psychisch kranker Eltern vermitteln. Nicht zuletzt könne das Jugendamt verschiedenste Hilfen für betroffene Familien organisieren.

Außenstehende können Hilfe anbieten

Struve ermuntert Außenstehende, psychisch erkrankten Eltern auch von sich aus ihre Hilfe anzubieten. "Wenn jemand sich das Bein gebrochen hätte, würde man ja auch fragen, ob man ihn irgendwie unterstützen kann", gibt die Expertin zu bedenken. Verwandte oder Freunde könnten beispielsweise regelmäßig etwas mit den Kindern des Erkrankten unternehmen. Den Kleinen tue es gut, von Zeit zu Zeit aus der problematischen Familiensituation herauszukommen und andere erwachsene Bezugspersonen zu treffen. "Allerdings weisen Betroffene oft selbst vorsichtige Kontaktangebote verschreckt zurück", weiß Fritz Mattejat. Dann müsse man dies akzeptieren und sollte nicht weiter insistieren. "Hat man allerdings den Eindruck, die Situation wird für die Beteiligten unhaltbar oder das Wohl des Kindes ist gar in Gefahr, dann hat man die Pflicht, das ans Jugendamt zu melden", betont der Psychologe.

Kontakte außerhalb der Familie sind wichtig

Grundsätzlich sollte man darauf achten, dass Kinder psychisch kranker Eltern regelmäßige Kontakte außerhalb der Familie haben. "Sportvereine, Kirchengruppen, Pfadfinder - solche Organisationen bieten dem Kind die Möglichkeit, eine Zeit ohne Last zu verbringen und einfach mal Spaß zu haben", sagt Struve. Viele Beratungsstellen für psychisch Kranke und ihre Angehörigen bieten auch Gruppentreffen für Kinder und Jugendliche an. "Hier erfahren die Kinder, dass sie mit ihren Erlebnissen nicht allein sind, und können sich gegenseitig stützen", sagt Struve. Besonders hilfreich sei es, wenn parallel dazu auch die betroffenen Eltern die Möglichkeit zum Austausch in einer Gruppe haben.

Kinder können sich damit arrangieren

Mit der richtigen Förderung und Unterstützung könnten Kinder sich durchaus sehr gut auf das Leben mit dem psychisch erkrankten Elternteil einstellen, betont Fritz Mattejat. "Sie leben dann einfach in einer Familie mit Handicap - ebenso wie Kinder, deren Eltern chronische körperliche Krankheiten haben", sagt der Experte.

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