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Hirnhautentzündung bei Kindern kann lebensgefährlich sein

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Hirnhautentzündung kann lebensgefährlich sein

28.03.2013, 12:47 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Eine Hirnhautentzündung ist vor allem bei Babys schwer zu erkennen.  (Quelle: imago)

Eine Hirnhautentzündung ist vor allem bei Babys schwer zu erkennen. (Quelle: imago)

Eine Hirnhautentzündung kann vor allem für Kinder unter einem Jahr lebensbedrohlich sein. Etwa zehn Prozent der in Deutschland gemeldeten Fälle verlaufen tödlich, bei weiteren zwanzig Prozent bleiben schwere Schäden zurück.  Ein Baby kann sich theoretisch überall mit den Erregern anstecken, sogar durch den Familienhund, denn Hirnhautentzündungen sind Tröpfcheninfektionen. Da die Krankheit, in der Fachsprache Meningitis genannt, vor allem bei Säuglingen nur schwer zu erkennen ist, sollten Eltern ganz besonders aufmerksam sein und die Symptome im Hinterkopf haben, um im Fall des Falles schnell reagieren zu können.

Hirnhautentzündung kann viele Ursachen haben

Bei der Meningitis handelt es sich um eine akute Entzündung der Hirnhäute, wobei daran sowohl Viren als auch Bakterien schuld sein können. So manches Mal ist eine vorhergehende Mittelohr- oder Nebenhöhlenentzündung der Auslöser. Eine Hirnhautentzündung kann sich schleichend, aber auch sehr plötzlich entwickeln. Anfangs gleichen sich die Symptome: Die Patienten haben wahnsinnige Kopfschmerzen und, ganz wichtig, eine Nackensteife. Außerdem sind sie licht- und berührungsempfindlich. Wenn man die Kleinen hochnimmt, schreien sie, weil die Dehnung der Gehirnhäute dann noch mehr Schmerzen bereitet. Hinzu kommen häufig hohes Fieber, Appetitlosigkeit, Benommenheit, Erbrechen und manchmal auch ein Ausschlag. Spätestens dann wird es richtig gefährlich.

Mit einem Test kann man eine Nackensteife ausschließen

Viele dieser Symptome sind glücklicherweise "nur" Anzeichen eines grippalen Infektes. Allerdings sollte man das abklären lassen. Es gibt einen einfachen Test, um eine Nackensteife, das typischste Symptom der Hirnhautentzündung, auszuschließen. Dazu lässt man das Kind flach auf dem Boden liegen und fordert es auf, entweder das Kinn Richtung Brustbein zu bringen oder das eigene Knie zu küssen. Bei einer Nackensteife sind die Schmerzen so stark, dass das Kind diese Bewegungen nicht mehr ausführen kann. Einen solchen Test können aber natürlich nur ältere Kinder durchführen.

Säuglinge und Kleinkinder genau beobachten

Da aber ja gerade sehr kleine Kinder gefährdet sind, muss man bei Säuglingen und Kleinkindern auf andere Symptome achten. Schreit das Kind außergewöhnlich schrill und hoch, erbricht es sich und verweigert es die Nahrung, ist schreckhaft und/oder auffallend apathisch, dann muss es sofort zum Arzt. Ist die Fontanelle noch nicht geschlossen, dann ist sie bei einer Meningitis oft vorgewölbt. "Grundsätzlich gilt, bei Fieber und schlechtem Allgemeinzustand des Kindes sowie einem hochfiebernden Säugling sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen. Es gilt: Lieber einmal zu viel zum Arzt als einmal zu wenig“, erklärt Dr. Ulrich Fegeler vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V.  

Bei Verdacht auf Hirnhautentzündung sofort zum Arzt

Kinder neigen zu unterschiedlichem Fieberverhalten, genau wie Erwachsene auch. Die einen fiebern schnell und hoch, die anderen nur selten. Eltern kennen ihr Kind am besten und können am ehesten beurteilen, was noch im Normalbereich liegt. Allerdings gibt es Momente, in denen man nicht mehr warten sollte, darauf weist Dr. Fegeler ausdrücklich hin. "Ist der Zustand nicht klar und beginnt man sich Sorgen zu machen, dass die Symptome auf eine Hirnhautentzündung hinweisen könnten, rate ich dringend von diagnostischen Experimenten ab. Stattdessen sollte man unverzüglich entweder den Kinder- und Jugendarzt oder aber auch das Krankenhaus aufsuchen!“ Bei Verdacht gilt also: Nicht warten, bis der Kinderarzt am nächsten Morgen wieder offen hat, sondern gleich in die nächstgelegene Notaufnahme gehen. Denn eine Hirnhautentzündung kann drastische Folgen haben.

Körperliche oder geistige Behinderungen können durch Hirnhautentzündung auftreten

"Die schlimmste Folge, die eine Hirnhautentzündung haben kann, ist der Tod“, so Dr. Fegeler. Aber auch, wenn es in den meisten Fällen nicht so weit kommt, eine Hirnhautentzündung birgt massive Gefahren. "Wenn ein Kind daran erkrankt ist, dann können außerdem begleitend Herzmuskelentzündung, Nebennierenversagen, Gelenkentzündungen, Augenentzündungen und Knochenentzündungen auftreten. Und es kann zu bleibenden Schäden kommen: Sehverlust, intellektuelle oder motorische Störungen, Epilepsien und Konzentrationsstörungen.“

Eine bakterielle Meningitis wird mit Antibiotika behandelt

Spricht die Aufnahmeuntersuchung im Krankenhaus für eine Hirnhautentzündung, machen Ärzte zur genauen Diagnose eine Blutprobe und entnehmen mit einer feinen Nadel etwas Nervenwasser aus dem Rückenmarkskanal. Das nennt man Lumbalpunktion. Diese Untersuchung kann schmerzhaft sein. Bei älteren Kindern wird sie in der Regel daher in lokaler Anästhesie durchgeführt, bei jüngeren Kindern ist aufgrund der Weichheit des Gewebes der Schmerz weniger stark. Wird eine bakterielle Meningitis diagnostiziert, so wird das Kind im Krankenhaus über längere Zeit mit Antibiotika behandelt. Bei Viren sind diese Medikamente wirkungslos. Allerdings verläuft eine virale Hirnhautentzündung bei Kindern oft problemloser. Diese Patienten bleiben in der Regel eine gewisse Zeit zur Beobachtung im Krankenhaus.

Vor manchen Erregern kann man sein Kind schützen

Es ist nicht möglich, Kinder vor jeder Art von Hirnhautentzündung zu schützen. "Gegen die äußerst gefährlichen bakteriell bedingten Hirnhautentzündungen kann man aber durch eine Impfung vorbeugen“, erklärt der Kinder- und Jugendarzt. Hier greifen die HiB-Impfung, die Pneumokokkenimpfung und die gegen Meningokokken, allerdings nur Typ C, verantwortlich für etwa ein Viertel der Meningokokken-Erkrankungen. "Der häufigste Erregertyp  ist aber der Typ B, gegen den es noch gar keinen Impfstoff gibt“, weiß Ulrich Fegeler. Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut empfiehlt in ihrem Impfkalender für die ersten zwei Lebensjahre alle drei Impfungen zum Schutz des Kindes vor einer Hirnhautentzündung.

28.03.2013, 12:47 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

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