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Experten: ADHS-Diagnostik muss besser werden

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ADHS: Zu viele Fehldiagnosen

05.04.2011, 15:18 Uhr | dpa

Experten: ADHS-Diagnostik muss besser werden. Experten bemängeln die Höhe der Fehldiagnosen bei ADHS. (Foto: imago)

Experten bemängeln die Höhe der Fehldiagnosen bei ADHS. (Foto: imago)

Nerviger Zappelphilipp oder unaufmerksames Träumerle: Kinder mit ADHS haben mit vielen Zuschreibungen zu kämpfen - unter anderem mit der, eine reine "Modekrankheit" zu haben. Das stimmt nicht - betont eine neue Infokampagne. Allerdings: Die ADHS-Diagnose muss deutlich besser werden, denn noch gibt es zu viele Fehldiagnosen.

Häufig falsche Diagnose

Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen werden Ansicht von Experten in Deutschland noch zu oft falsch diagnostiziert. "Es gibt zwar Leitlinien und Standards, aber sie werden nicht von allen Ärzten ausreichend angewandt", kritisierte Professor Martin Holtmann, von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik (Hamm). "Es reicht nicht, nur einen Fragebogen ausfüllen zu lassen." Einerseits würden viele verhaltensauffällige Kinder deshalb gar nicht als ADHS-krank erkannt, andererseits gäbe es häufig Falsch-Positiv-Diagnosen, obwohl ganz andere Ursachen vorlägen. Es fehle in Deutschland an spezialisierten Ärzten, vor allem in ländlichen Regionen, beklagte Holtmann zum Auftakt einer ADHS-Infokampagne.

Aufklärung für Familien und Lehrer wichtig

Renate Schmidt, Bundesfamilienministerin a.D. und Schirmherrin der Aktion, betonte gleich zu Beginn: "Auch wenn diese Kampagne von einem Pharmaunternehmen finanziert ist, heißt das nicht, dass wir hier Werbung für Medikamente machen." Es gebe für die Betroffenen je nach Ausprägung der Störung verschiedene Hilfsmöglichkeiten und Therapieansätze, nur einer davon sei der medikamentöse. Doch angesichts vieler Vorurteile und ideologischer Grabenkämpfe um die mögliche Gabe von Medikamenten gehe es um sachliche Aufklärung für die betroffenen Familien, für Mediziner, aber auch für Lehrer. Denn die Weichen für ein erfolgreiches Leben würden in der Schulzeit gestellt. "Schule und Pubertät sind an sich schon schwierig. Mit ADHS sind sie eine echte Herausforderung", sagte Schmidt.

Frühe Diagnose hilft den Kindern

Würde die Störung frühzeitig erkannt und behandelt, könnten die Kinder oft ihren Weg finden. Je später, desto schwieriger, lautet das Fazit der Ärzte. "Viele Jugendliche, die als exzessive Kiffer zu mir in die Sprechstunde kommen, stellen sich als unerkannte ADHS-Kandidaten heraus. Sie haben sich sozusagen selbst 'behandelt'", berichtete Holtmann. Umgekehrt gebe es durch die unzureichende Diagnose-Praxis auch noch viele falsche ADHS-Zuschreibungen - bis zu 20 Prozent derjenigen, die sich als ADHS-Patienten an der Uni-Ambulanz vorstellten, hätten in Wirklichkeit etwas anderes. Auch durch diese Unschärfe werde das Krankheitsbild ADHS immer wieder infrage gestellt.

ADHS-Screening schon bei U-Vorsorgeuntersuchungen gefordert

"Eine seriöse Differenzialdiagnostik, die körperliche Störungen wie Schwerhörigkeit oder Schilddrüsenüberfunktion ebenso ausschließt wie Angststörungen oder reaktive Aufmerksamkeitsprobleme, etwa durch Trennung oder Sucht im Elternhaus, ist deshalb unerlässlich", sagte Holtmann. Hinzu kämen Gespräche mit Eltern, Lehrern und anderen Bezugspersonen, um die ADHS-Diagnose eindeutig zu stellen. Schon in den normalen U-Vorsorgeuntersuchungen sollte ein ADHS-Screening Platz finden, fordert der Facharzt.

Betroffene Kinder brauchen Unterstützung

In der Schule könnten schließlich auch Lehrer noch viel mehr tun, um betroffene Kinder zu unterstützen: "Oft helfen schon einfache Maßnahmen: ein reizarmes Klassenzimmer, ein Platz in der ersten Reihe mit wenig Ablenkung, wiederholte Bewegungsphasen, klare Regeln", sagte Klaus Wenzel, Präsident des Bayerischen Lehrerverbands. Und Myriam Menter vom Selbsthilfeverband ADHS Deutschland betonte, wie wichtig es für die Kinder sei, auch sozial in die Klasse integriert zu werden. "Aber wer nur hibbelig rumrennt, immer dazwischenruft und damit alle anderen nervt", der finde auch nur schwer Freunde. Konzentrations- und Sozialtrainings seien da hilfreich, in schweren Fällen seien die betroffenen Kinder aber auch dazu erst durch ein Medikament in der Lage.

Ursachen weiter unklar

Von ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung) sind in Deutschland laut repräsentativer Schätzung knapp fünf Prozent der Drei- bis 17-Jährigen betroffen. Mögliche Symptome sind hohe Impulsivität, Hyperaktivität sowie starke Konzentrationsprobleme. Die Ursachen der weltweit dokumentierten Störung sind nicht endgültig geklärt. Experten gehen jedoch von einem Zusammenwirken genetischer und neurobiologischer Faktoren aus. Exzessiver Medienkonsum und problematisches Lebensumfeld können die Symptome zwar verstärken, sie sind nach heutigem Kenntnisstand aber nicht deren Auslöser.

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