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Ärztepfusch und Kampf gegen die Versicherungen

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Melissas Leid nach Ärztepfusch

20.04.2011, 11:50 Uhr | mmh, t-online.de

Ärztepfusch und Kampf gegen die Versicherungen. Melissa ist nach einem OP-Fehler schwerstbehindert. (Foto: imago)

Melissa ist nach einem OP-Fehler schwerstbehindert. (Foto: imago)

Ärztepfusch in der Berliner Charité machte aus der fröhlichen vierjährigen Melissa einen Pflegefall. Zusätzlich zu dem Leid der Familie, kommt noch der Ärger um das Geld. Denn die Versicherung der Klinik, der angesehenen Berliner Charité, weigert sich zu zahlen. Trotz eindeutigem Gerichtsurteil muss Melissas Familie seit acht Jahren um Schadensersatz kämpfen: gegen die mächtige Versicherung der Klinik. Macht es sich eine Klinik zu leicht, wenn sie die Verantwortung nur auf die Versicherer schiebt?

Klinik räumt Pfusch ein

"Einfach nur einen Tag bei mir sein und das miterleben", das wünscht sich Nursen Tanis, Melisas Mutter, denn dann müsste man gar nichts mehr erklären, dann könnte jeder sehen, was es an Kraft und Geld kostet, ein behindertes Kind zu betreuen. Melissas Onkel, selbst Versicherungsagent, meint: "Die Versicherung sollte doch herkommen, um den Schaden anzusehen, wie bei einem Wohnungsschaden". Ein Sachverständiger sollte den Schaden prüfen, der nach Meinung der Familie offensichtlich ist. Sogar die Klinik räumt die Fehler mit den tragischen Folgen ein. Eine Sprecherin nennt das Leid der Familie "entsetzlich", doch zahlen will sie nicht, muss sie auch nicht, denn das liegt in der Hand der Versicherung. "Sobald sie das an die Versicherung geben, haben sie das nicht mehr in der Hand", sagt Charité-Sprecherin Stefanie Winde, auf Nachfrage der TV-Sendung Report München. Abgesehen von dem Leid, handelt es sich um einen Schaden, der in die Millionen geht. Doch die Versicherung, die "Feuersozietät", sieht noch Klärungsbedarf.

Albtraum nach Routine-OP

Der Albtraum ereignete sich vor acht Jahren: Melissa war fröhlich, ausgelassen. Die Vierjährige feierte im Dezember 2002 mit der Familie ein Fest, stürzte und brach sich das linke Handgelenk. Aus der Not-OP erwachte sie körperlich und geistig schwerstbehindert, ein Pflegefall, der rund um die Uhr Betreuung braucht.

Nur den Kopf kann sie noch bewegen. Ist sie richtig gut drauf, dann kann sie einen kleinen Ausflug machen, mit Pfleger und Krankenschwester, ein paar Stunden lang. Ansonsten sitzt sie regungslos, mit unbewegtem Blick in ihrem Spezialrollstuhl. Das alles sind Folgen eines Ärztepfuschs am renommierten Berliner Krankenhaus Charité. Ein Splitterbruch im linken Handgelenk sollte dort operiert werden, ein Routine-Eingriff, eigentlich.

Grobe Ärztefehler

"Grob fehlerhafte Behandlung", hieß es später im Urteil des Amtsgerichts Berlin. Laut Gerichts-Gutachten kam es in der Klinik gleich zu mehreren groben Behandlungsfehlern: Kein Venenzugang für Notfall-Medikamente, Masken-Narkose trotz vollen Magens statt durch eine Spritze. Und es kam zum Notfall: Der Sauerstoffgehalt im Blut sank drastisch, Melissa musste sich übergeben, Erbrochenes gelangte in die Lunge, der Blutkreislauf brach zusammen, die Atmung setzte aus. Jetzt hätte man einen Venenzugang für die Notfall-Medikamente benötigt.

Ärzte gaben Melissa auf

Melissas Gehirn war zehn Minuten lang nicht mit Sauerstoff versorgt, nach der Operation fiel sie ins Koma. Die Ärzte empfahlen Melissas Mutter, sich von ihr zu verabschieden, sie glaubten, das Mädchen würde sterben. Sie überlebte und ist nun ein Pflegefall, der rund um die Uhr Betreuung braucht, seit acht Jahren. Eine Besserung ist nicht zu erwarten.

Der Kampf gegen die Versicherung

Melissas Mutter hat für ihr Kind ihren Beruf aufgegeben. Die 24-Stunden-Pflege belastet die Familie seelisch, körperlich und finanziell. Das Gericht verurteilte die Charité zur Zahlung von Schmerzensgeld in Höhe von 100.000 Euro. Aber die Versicherung der Klinik, die "Feuersozietät Berlin-Brandenburg", eine Tochter der Versicherungskammer Bayern, forderte sogar einen schon an die Familie geleisteten Betrag wieder zurück. Professor Andreas Spickhoff vom Lehrstuhl für Medizintechnik der Uni Göttingen, sieht die Ansprüche der Familie als gerechtfertigt: "Die Forderungen der Familie liegen vollkommen im Rahmen." Melissas Familie will einfach nur Kosten erstattet haben, die andere durch Pfusch verursacht haben. Das Leid müssen sie sowieso alleine tragen.

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