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Die bösen Mächte zurückdrängen: Schizophrenie rechtzeitig behandeln

20.04.2011, 11:07 Uhr | t-online.de, dpa

Schizophrenie rechtzeitig behandeln. Vor allem Teenager und junge Erwachsene erkranken an Schizophrenie. (Foto: dpa)

Vor allem Teenager und junge Erwachsene erkranken an Schizophrenie. (Foto: dpa)

Um diese Krankheit ranken sich Mythen und Vorurteile: Bei Schizophrenie denken viele Menschen an unberechenbare Verrückte. Unter Wahnvorstellungen leiden Betroffene aber tatsächlich nur in vorübergehenden Schüben. Und erste Anzeichen treten schon Jahre vorher auf - vor allem Jugendliche und junge Erwachsene sind es, die an Schizophrenie erkranken.

"Hast du den Auftrag gegeben, mich umzubringen?"

Voller Angst sitzt Ines (Name von der Redaktion geändert) im Wohnzimmer und zittert am ganzen Körper: Sie wird von jemandem verfolgt, davon ist sie überzeugt. Überall sieht die 17-Jährige Kameras, die sie beobachten. Im Fernseher, hinter den Bildern und unter dem Sofa. "Hast du den Auftrag gegeben, mich umzubringen?", fragt sie ihre Mutter. Die fährt sie schließlich in ein psychiatrisches Krankenhaus. Diagnose: Schizophrenie.

Sie habe ein Gefühl gehabt, als ob sich der Boden unter ihr geöffnet habe, erinnert sich die Mutter, Janine Berg-Peer vom Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker in Berlin. "Wie man mit der Krankheit umgehen soll, wissen viele nicht. Woher auch?"

Schizophrenie: Falsches Verständnis ist weit verbreitet

Viele Menschen verbinden Schizophrenie mit einer gespaltenen Persönlichkeit. "Aber das ist falsch", sagt Professor Joachim Klosterkötter vom Kompetenznetz Schizophrenie in Düsseldorf.

"Stattdessen bezeichnet der Begriff das Aufspalten der sprachlich-gedanklichen Zusammenhänge." In vorübergehend auftretenden Krankheitsschüben, sogenannten Psychosen, verlieren die Betroffenen den Kontakt zur Realität. Sie sehen Dinge, die nicht da sind, fühlen sich fremdgesteuert oder verfallen Wahnideen. Ein großer Teil hört Stimmen. "Die Erkrankten projizieren ihre Gedanken nach außen und nehmen diese als fremde Stimmen wahr, die ihr Verhalten abfällig kommentieren oder Befehle erteilen", erklärt Klosterkötter. Das kann im schlimmsten Fall zum Suizid führen.

Das sind Risikofaktoren

Mediziner schätzen, dass eine Schizophrenie bei ungefähr einem Prozent der Bevölkerung auftritt. In Deutschland sind etwa 800.000 Menschen betroffen, jährlich kommen rund 13.000 Neuerkrankte hinzu. Die Ursachen sind noch weitgehend unbekannt. "Man weiß lediglich, dass der Ausbruch der Krankheit vom Zusammenspiel verschiedener Risikofaktoren abhängt: von einer genetischen Veranlagung, von belastenden Einflüssen aus dem Lebensumfeld und von der persönlichen Fähigkeit, mit Stress umzugehen", erläutert Professor Frank Schneider von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde in Berlin. Einer dieser Faktoren kann folglich niemals alleine eine Schizophrenie auslösen.

Besonders Jugendliche und junge Erwachsene sind betroffen

Betroffene erkranken insbesondere zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr, Männer durchschnittlich fünf Jahre früher als Frauen. Der Grund: Junge Erwachsene müssen große Umbrüche bewältigen. Das Abitur, die Berufswahl oder die erste eigene Wohnung. All das überfordert sie oftmals. Aber auch ein angespanntes Familienklima kann den Krankheitsausbruch begünstigen. Viele Angehörigen machen sich deshalb Vorwürfe. "Sie sind aber nicht verantwortlich dafür. Eine Erkrankung geht nicht darauf zurück, dass ein Einzelner im Vorfeld etwas falsch gemacht hat", sagt Schneider. "Ob die Eltern einen eher bestimmenden oder offenen Erziehungsstil hatten, spielt überhaupt keine Rolle."

Typische Symptome einer Schizophrenie

Die Krankheit entwickelt sich schleichend und beginnt nicht mit der ersten Psychose. Schon im Frühstadium fühlen sich Betroffene häufig ungewohnt nervös, traurig oder verzweifelt. Allerdings sind diese Anzeichen recht unspezifisch und werden nicht selten als Depression fehlinterpretiert. "Bevor eine Schizophrenie erkannt und therapiert wird, verstreichen in der Regel fünf bis sechs wertvolle Jahre", sagt Klosterkötter. Aber es gibt eindeutige Frühwarnsymptome: "Wenn mich immer wieder gleichgültige Gedanken an der Konzentration hindern, wenn ich selbst banale Alltagssituationen auf mich beziehe und die Farben von Gegenständen plötzlich anders wahrnehme, dann sind das charakteristische Merkmale", erläutert Klosterkötter.

In Früherkennungszentren versuchen Ärzte und Psychologen durch eigens entwickelte Interviews sowie Aufmerksamkeits- und Konzentrationstests herauszufinden, ob aussagekräftige Symptome bei den Patienten vorliegen. "Damit wollen wir eine möglichst individuelle Risikoeinschätzung vornehmen, um rechtzeitig die notwendigen Behandlungsschritte einzuleiten", sagt Klosterkötter. 1997 gründete er das erste Früherkennungszentrum in Deutschland, mittlerweile gibt es rund 20 davon.

Seelische Gesundheit nur bei einem Viertel

Schizophrene Störungen gelten als nicht heilbar, doch gibt es inzwischen einige Behandlungsmethoden, die es Erkrankten ermöglichen, weitgehend beschwerdefrei und "normal" zu leben. "Doch nur bei etwa 25 Prozent erreichen wir mittelfristig eine vollständige Wiederherstellung der seelischen Gesundheit", sagt Schneider. Medikamente spielen bei der Therapie eine wichtige Rolle, können aber zu starken Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme oder Kreislaufproblemen führen. Durch Verhaltens- und Gesprächstherapien lernen Betroffene und ihre Familien, die Diagnose zu akzeptieren, mit Stress besser umzugehen und Restsymptome in den Alltag zu integrieren.

Wie kann die Familie mit der Diagnose umgehen?

Hat ein Angehöriger Schizophrenie, liegen die Nerven der Familie oft blank. Vor allem im späteren Krankheitsverlauf sehen die Betroffenen nicht ein, dass sie krank sind und behandelt werden müssen. Doch es bringt nichts, sie zu einer Therapie zu zwingen.

"Man kann sie nur unterstützen, wenn sie selbst mitmachen. Denn nur dann hören sie auch zu, wenn man ihnen behutsam Alternativen vorschlägt", sagt Ines' Mutter Janine Berg-Peer. Außerdem sollte man nicht gegen ihre Wahnvorstellungen anreden, sondern ihre Ängste ernst nehmen. Denn die sind echt. "Man kann etwa fragen: Wie kann ich dir helfen? Sollen wir hier lieber weggehen, wird es dir zu viel?" Andernfalls könne der Betroffene denken, man sei Teil eines Komplotts gegen ihn, erläutert Berg-Peer.

Ines kann inzwischen mit ihren Krankheitsschüben leben. Sie wohnt alleine und hat eine Ausbildung gemacht. Nun will sie ihr Abitur nachholen.

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