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Nägelkauen bei Kindern: Bestrafung ist der falsche Weg

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Tipps zum Abgewöhnen  

Kinder fürs Nägelkauen nicht bestrafen

19.10.2016, 10:15 Uhr | dpa

Nägelkauen bei Kindern: Bestrafung ist der falsche Weg. Nägelkauem: Schlechte Angewohnheit oder krankhaftes Verhalten? Nägelkauen bedeutet Stress.

Schlechte Angewohnheit oder krankhaftes Verhalten? Nägelkauen bedeutet Stress.

Manchmal ist die Mathearbeit schuld. Oder der spannende Kinofilm. Stehen Kinder unter Anspannung und Stress, lassen sie das oft an ihren Fingernägeln aus. Um Kindern das krankhafte Nägelkauen abzugewöhnen, müssen Eltern mit ihnen die Ursachen herausfinden und für Entspannung sorgen. Bestrafung ist der falsche Weg.

Nägelkauen ist eine lästige Angewohnheit, die besonders unter Kindern weit verbreitet ist: "Rund zehn Prozent aller Kinder und Jugendlichen knabbern", sagt Klaus Fischer, Familientherapeut aus Schmallenberg in Nordrhein-Westfalen.

Der Grundstein dazu wird oft im Kleinkind- oder Kindergartenalter gelegt, wenn die orale Fixierung noch sehr groß ist. "Diente zuvor das Lutschen am Daumen als Mittel zum Spannungsabbau, entdecken viele nun das Nägelkauen als Alternative", so Fischer. Um Kinder davon zu entwöhnen, brauchen sie viel Unterstützung von ihren Eltern.

Harmlose Beschäftigung wird zur ritualisierten Handlung

Was zunächst als harmlose orale Beschäftigung beginnt, kann auf Dauer zur ritualisierten Handlung in Stresssituationen werden. Der medizinische Fachbegriff für das Nägelkauen lautet "Onychophagie" und kommt aus dem Griechischen ("onychos" heißt Nagel, und "phagein" bedeutet essen). Die Fingernägel werden abgebissen und abgeknabbert, gegessen oder ausgespuckt. Oft wird auch die umliegende Nagelhaut angegriffen.

"In vielen Fällen ist das Nagelkauen eine harmlose und zeitbegrenzte Angewohnheit, die sich von alleine wieder legt", erklärt Ulrich Gerth, Vorsitzender der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (Bke). Die Kinder kauen oft aus Verlegenheit oder Langeweile.

Verhalten beobachten

Die meisten Kinder gewöhnen sich die Knabberei laut Gerth von alleine wieder ab. "Wichtig ist, dass Eltern nicht gleich unruhig werden, wenn die Kinder Nägel kauen." Bevor Strategien zur Entwöhnung ausprobiert werden, sollten Eltern lieber das Verhalten des Kindes über einen längeren Zeitraum beobachten: Wann kaut es? Wie oft und in welchen Situationen? Wie stark werden die Nägel beansprucht? "Machen Sie sich ein Bild von der Situation."

Ursachen fürs Nägelkauen herausfinden

Auch Karin Hauffe-Bojé, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie aus Bremen, empfiehlt Eltern, die Hintergründe herauszufinden: "Bei Kindern, die regelmäßig an den Nägeln kauen, kann das ein Hinweis auf eine innere Anspannung sein. Irgendwas stimmt nicht." Was das ist, müssten Eltern herausfinden: "Bei manchen Kindern steckt ein mangelndes Selbstbewusstsein dahinter oder auch Angst oder Nervosität durch belastende Situationen, zum Beispiel Konflikte oder Probleme innerhalb der Familie", sagt Klaus Fischer.

Ablenkungsstrategie gegen Nägelkauen?

Schulprobleme, Notenstress oder Mobbing können ebenfalls die Ursache sein. Das Kauen an den Nägeln wirkt dabei in zweierlei Hinsicht: "Die Beschäftigung mit den Fingernägeln ist zum einen eine Strategie der Ablenkung", erklärt Hauffe-Bojé. "Man überbrückt Situationen, in denen man handeln müsste, es aber aus Unsicherheit oder Angst nicht kann." Des Weiteren wirkt das Kauen entlastend, man baut inneren Druck ab. "In schweren Fällen werden die Nägel und die Nagelhaut für dieses Gefühl sogar blutig gekaut", sagt Hauffe-Bojé.

Aufschlussreich kann aber auch das Gespräch mit Erziehern oder Lehrern sein. Wenn deutlich wird, dass hinter dem Kauen Stress oder Belastungssituationen stecken, sollten Eltern mit dem Kind darüber sprechen, sagt Gerth. Nach dem Ursache-Wirkungs-Prinzip müsse zunächst geschaut werden, wie das seelische Gleichgewicht wieder hergestellt werden kann. "Hier kann auch der Besuch einer Erziehungsberatungsstelle oder eines Kinderpsychologen hilfreich sein", sagt Fischer.

Nägelkauen ohne Zwang abgewöhnen

Fühlt sich das Kind wieder wohler in seiner Haut, fällt es auch leichter, mit dem Nägelknabbern aufzuhören. Wichtig bei der Entwöhnung ist die sanfte Unterstützung durch die Eltern: "Bitte keine Zwangsmaßnahmen, wie etwa Fernsehverbot oder Hausarrest. Das sorgt nur wieder für Stress", warnt Fischer.

Hände verpacken hilft

Wo man nicht rankommt, kann man nicht knabbern. Bei starken Kauern kann es hilfreich sein, die Nägel schützend zu bedecken, zum Beispiel mit Handschuhen, Pflastern oder künstlichen Nägeln. Auch bittere Tinkturen, die es in Apotheken und Drogerien zu kaufen gibt, machen das Nagelkauen unattraktiv. "Diese Hilfsmittel sollten aber immer nur in Absprache und Einverständnis mit dem Kind angewendet werden", sagt Gerth.

Lob macht Mut

Basis für den Erfolg sei die Kooperation des Kindes. "Überlegen Sie gemeinsam, wie das Aufhören am besten gelingen kann", empfiehlt Hauffe-Bojé. Die Eltern können dem Kind verschiedene Möglichkeiten zur Unterstützung anbieten, "das Kind kann dann eigenständig wählen, was ihm am besten gefällt." Fischer empfiehlt ein Belohnungssystem in kleinen Schritten: "Setzen Sie nicht zu langfristige Ziele, sondern belohnen Sie auch kleine Erfolgsmomente, zum Beispiel wenn Ihr Kind während eines Films nicht geknabbert hat."

Lob und positive Bestärkung machen Mut und erhöhen die Erfolgsaussichten. Auch ein liebevoller Umgang mit den Fingern und Nägeln stärkt den Durchhaltewillen: "Pflegen Sie die Nägel Ihres Kindes mit einem Bad oder einer tollen Creme", empfiehlt Gerth, "und freuen Sie sich über jeden neuen Millimeter Fingernagel."

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