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"Kein Täter werden" nun bundesweit Vorbild

30.05.2011, 09:37 Uhr | dpa

"Kein Täter werden" nun bundesweit Vorbild. Klaus Beier: Sexualmediziner und Leiter des bundesweit einzigen Präventionsprojekt gegen Kindesmissbrauch. (Foto: imago)

Klaus Beier: Sexualmediziner und Leiter des bundesweit einzigen Präventionsprojekt gegen Kindesmissbrauch. (Foto: imago)

Die Berliner Präventionsprojekte gegen Kindesmissbrauch und Nutzung von Kinderpornografie finden bundesweit immer mehr Nachahmer. Der Bedarf an entsprechenden Therapieangeboten lasse nicht nach, berichtet Professor Klaus Beier, Direktor des Instituts für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Charité. Durch die 2010 bekannt gewordenen Missbrauchsskandale sei die Sensibilität noch größer geworden. "Nach Schleswig Holstein und Bayern wird es voraussichtlich noch in diesem Jahr auch in Sachsen und Niedersachsen ähnliche Angebote geben, deren Inhalte wir koordinieren", sagte Beier, der die Initiative ins Leben rief.

1400 Männer bekannten sich als pädophil

Das 2004 in Berlin gestartete Therapieprojekt "Kein Täter werden" wendet sich konkret an Männer, die befürchten, sich an Kindern sexuell zu vergreifen. 2009 wurde dieses erste Projekt durch ein Angebot für die Nutzer von Kinderpornografie erweitert. Insgesamt haben sich in den vergangenen Jahren rund 1400 Männer aus dem gesamten Bundesgebiet in Berlin gemeldet, mehr als 600 stellten sich zur Diagnostik vor.

Rund 300 von ihnen konnte ein Therapieangebot gemacht werden und 150 Männer nutzten diese Möglichkeit auch. Dabei gilt: Je weiter der Wohnort entfernt ist, umso seltener wird ein Therapieplatz angenommen.

Missbrauchsabbildungen sind ein vernachlässigtes Problem

"Wir haben im Verlauf der ersten Jahre bei diesen Therapien zunehmend gemerkt, dass die Nutzung von Missbrauchsabbildungen ein großes Problem ist, das bislang vernachlässigt wurde", sagt Beier. Deshalb sei der Ansatz der bisherigen Gruppen- und Einzeltherapien auch auf den Bereich Kinderpornografie erweitert worden, deren Nutzung man eindämmen wolle. Auch hier müsse bei den Männern das Empathiegefühl wachsen sowie das Bewusstsein entstehen, dass es sich bei ihrem Tun um eine Verhaltensstörung handele, die weitere Kinder zu Opfern mache.

Keine Heilung möglich - Therapie ist aber sinnvoll

Die Betroffenen müssen lernen, mit ihrer unveränderbaren sexuellen Präferenzstörung zu leben, ohne dadurch anderen zu schaden. "Zwar ist eine Heilung nicht möglich, denn das Problem der Männer kann ja nicht aufgelöst werden. Es bleibt ein Leben lang bestehen. Aber eine Behandlung ist dennoch hochgradig sinnvoll und erforderlich. Nämlich um den Schritt von der Fantasie zum Verhalten unter allen Bedingungen und dauerhaft zu unterbinden", sagt Beier.

Einnahme von Medikamenten ist eine Handlungsoption

Neben dem Meiden problematischer Situationen und dem Empathie-Training gehört dann unter Umständen auch die Einnahme von Medikamenten zu den Handlungsoptionen der Betroffenen. Auch nach Beendigung der Therapie können sie sich telefonisch und in der Nachsorgegruppe jederzeit Unterstützung suchen. Das gesamte Angebot unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht.

Initiative gegen Kinderpornografie fand kaum Resonanz

Enttäuschend ist nach Worten Beiers jedoch, dass die Initiative gegen Kinderpornografie in der Netzwelt bislang kaum Resonanz fand: "Wir wollten, dass beim Anklicken verschiedener Suchbegriffe automatisch unser Info-Banner freigeschaltet wird. Aber die großen Suchmaschinenbetreiber, wie etwa Google, haben das - entgegen so mancher Ankündigung - nicht unterstützt." Finanziert wurde das Projekt zu Beginn vor allem von der Volkswagenstiftung. Anfang 2011 hat das Justizministerium die Förderung mit insgesamt 400.000 Euro für drei weitere Jahre bewilligt. 

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