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Leukämie  

Ein neues Leben: Rettung durch Knochenmarkspende

30.05.2011, 10:48 Uhr | dpa

Leukämie: Rettung durch Knochenmarkspende. Anne-Sophie Ihlenburg und Marco Fuchs.

Genetisch gesehen sind Anne-Sophie Ihlenburg und Marco Fuchs Blutstammzell-Zwillinge. (Foto: dpa)

Laut Statistiken des Kinderkrebsregisters erkranken 14 von 100.000 Kindern bis 15 Jahren jährlich an Krebs, ein Drittel dieser Fälle sind Leukämien. So wurde auch bei der damals 14-jährigen Anne-Sophie Leukämie festgestellt. Dass sie heute noch am Leben ist, verdankt sie der Knochenmarkspende eines Fremden.

Zwei völlig verschiedene Menschen können Blutstammzell-Zwillinge sein

Genetisch gesehen sind Anne-Sophie Ihlenburg und Marco Fuchs Blutstammzell-Zwillinge. Über die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) hat er ihr Leben gerettet. Nun sind sie sich das erste Mal begegnet - zum DKMS-Jubiläum, die Datei besteht seit 20 Jahren.

Umarmung für den Lebensretter

Wie dankt man seinem Lebensretter? Anne-Sophie Ihlenburg (22) hat sich für eine Spezialität aus ihrer Heimatstadt Salzwedel in Sachsen-Anhalt entschieden: Baumkuchen, ein ganz großer. Dann umarmt die junge Frau spontan einen Familienvater aus Mittelfranken, den sie nie zuvor gesehen hat. Es ist der Mann, der mit seiner Knochenmarkspende vor acht Jahren ihren Tod verhindert hat. Anne-Sophie Ihlenburg hatte Leukämie.

Helfen wie Marco Fuchs

Marco Fuchs (36) ist ein wenig aufgeregt. Das Wort Lebensretter ist ihm viel zu hoch gegriffen. Er fühlt sich nicht so. Er ist einfach nur froh, dass Anne-Sophie lebt und geheilt ist. "Ich habe mir so gewünscht, das meine Spende passt", sagt er. Seine Mutter starb an Brustkrebs als er Mitte 20 war. Seitdem haben ihn die Themen Krebs und Tod beschäftigt - und das Thema Hilfe auch.

Ein völlig Fremder als Knochenmark-Spender

Nach einem Zeitungsaufruf der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) ließ Marco Fuchs sich typisieren. Das heißt, dass seine wichtigsten Blutmerkmale zentral erfasst werden. In den vergangenen 20 Jahren haben das 2,4 Millionen Menschen für die DKMS getan. "Vor 20 Jahren waren es in ganz Deutschland 6000", sagt Leukämie-Experte Gerhard Ehninger, Professor an der Uniklinik Dresden und einer der Mitbegründer der DKMS. Alle 45 Minuten erkrankt in Deutschland ein Mensch an Leukämie. Nur ein Drittel findet passende Spender in der Familie. Doch 80 Prozent der Patienten können gerettet werden, wenn sich ein Spender findet - auch ein völlig fremder.

Wie erfolgt die Aufnahme in die Deutsche Knochenmarkspenderdatei?

Dem potenziellen Spender muss heutzutage nicht einmal mehr Blut abgenommen werden. Man kann sich von der DKMS zwei Wattestäbchen per Post nach Hause schicken lassen, damit einen Abstrich an der Wange machen, und das Stäbchen zurückschicken. Dadurch steige die Bereitschaft in der Bevölkerung, sich als Spender registrieren zu lassen, sagte Ehninger.

Benachrichtigung per Post

Wenige Jahre nach seiner Typisierung bekam Marco Fuchs in Mittelfranken einen Brief: Sein Blut und Knochenmark könnten für einen Leukämiepatienten passen. Es folgten weitere Untersuchungen, bis feststand, dass er der optimale Kandidat ist. Für wen er ins Krankenhaus gehen und eine Operation unter Vollnarkose riskieren sollte, wusste er nicht. Seine Frau war schwanger mit ihrem zweiten Kind. Sie sagte: "Mach das!" Erst nach der Unterschrift erfuhr das Ehepaar: Die Spende ist für ein 14-jähriges Mädchen in Deutschland.

Anne-Sophie ging zum Arzt, weil viele sie für magersüchtig hielten

Anne-Sophie Ihlenburg war damals zum Arzt gegangen, weil viele sie für magersüchtig hielten. Ihr war kalt, ihr Gesicht war wie eingefallen, der Bauch aufgebläht. "Der Arzt hatte sofort Verdacht auf Leukämie", sagte sie. Nur wusste sie als Teenager kaum, was das war. "Meine Mama hat so geweint", erinnert sie sich. Schon einen Tag später kam sie ins Krankenhaus, Infusionen, Tabletten, Punktionen. Heute kommen ihr diese Tage ausgeblendet vor, wie ein Filmriss.

Ohne Knochenmarkspende wäre sie gestorben

Erst Schritt für Schritt hat Anne-Sophie damals verstanden, dass sie ohne Knochenmarkspende sterben wird. Eltern, Geschwister, Verwandte und Freunde ließen sich testen - es passte nicht. In dieser Zeit sagte ihr Stiefvater, den sie gar nicht mochte, dass er sie liebhat. "Er hat geweint", sagt sie. Sie akzeptierte den neuen Vater. "Er ist immer noch der tollste Papa der Welt." Dass ihre Mutter stundenlang an ihrem Bett im Krankenhaus saß, gab ihr später immer wieder Kraft. "Ich hatte mich mal fast aufgegeben", sagt sie. "Chemotherapie und Bestrahlung, das ist furchtbar." Zur gleichen Zeit bangten Marco Fuchs und seine Frau in einem kleinen Dorf in Bayern um das Leben eines jungen Mädchens, das sie nicht kannten. Jeder Brief von der DKMS verursachte eine Gänsehaut. Hat sie es geschafft - oder ist sie gestorben?

Ein neues Leben

Tag Null heißt der Tag der Stammzell-Transplantation, danach wird nach oben gezählt wie in einem neuen Leben. An Tag 50 ging Anne-Sophie wieder in die Schule, mit Glatze und Kopftuch. Im Rückblick sagt sie. "Meine Kindheit war abrupt zu Ende." Sie hatte eine andere Einstellung zum Leben: Lebe jeden Tag, als ob es der letzte wäre. Erst nach fünf Jahren - als sie wusste, dass sie es schafft - schrieb sie Marco Fuchs einen Dankesbrief. Doch sie weigerte sich, in Talkshows zu gehen und über ihr Schicksal zu erzählen. Es war ihr Leben. "Gespieltes Mitleid brauche ich nicht", sagt sie sehr bestimmt.

Heute macht Anne-Sophie Ihlenburg eine Ausbildung zur Orthopädiemechanikerin. Sie baut Prothesen, die anderen Menschen mehr Bewegungsfreiheit verschaffen. Marco Fuchs führt das Autohaus, das sein Großvater aufgebaut hat. Zumindest beim Blut sind sie nun genetische Zwillinge. Sie sind neugierig auf das Leben des anderen.

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