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Vorhautverengung: Symptome und Behandlung von Phimose

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Vorhautverengung bei Jungs

Vorhautverengung: Symptome und Behandlung von Phimose

21.08.2013, 14:16 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Bei Säuglingen und Kleinkindern ist eine Vorhautverengung völlig normal.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bei Säuglingen und Kleinkindern ist eine Vorhautverengung völlig normal. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Neugeborene Jungs kann man - im Gegensatz zu Mädchen - nach ihrem großen Geschäft fröhlich in alle Richtungen säubern. Schließlich besteht keine Gefahr, dass Ausscheidungen aus dem After in andere Körperöffnungen geraten könnten. Die Vorhaut aber zum Zwecke der Reinigung nach hinten zu ziehen, ist nicht notwendig und wäre sogar ein Fehler. Und zwar einer, der schlimme Folgen haben kann.

Bei Säuglingen und Kleinkindern ist eine Vorhautverengung völlig normal

In den ersten Lebensjahren ist es völlig normal, wenn sich die Vorhaut eines Jungen nicht zurückziehen lässt. Man spricht hier von einer physiologischen Phimose, bei der die Vorhaut einfach noch verklebt ist - entwicklungsbedingt. Man kann also in der Regel in Ruhe abwarten. Allerdings muss man, so Dr. Hans-Joachim Beyer von der Cnopf’schen Kinderklinik in Nürnberg, zwischen verklebt und verschlossen unterscheiden. Und der Chefarzt der Abteilung Kinderchirurgie und Kinderurologie ergänzt: "Sollte die Vorhaut tatsächlich verschlossen sein und verbessert sich der Zustand auch mit speziellen Salben nicht, dann wird selbst im Säuglingsalter schon operiert. Das aber ist in den seltensten Fällen notwendig."

Laut Auskunft der Charité ist nur bei jedem fünften sechsmonatigen Jungen die Vorhaut komplett zurückstreifbar, bei Einjährigen klappt es bei 50 Prozent, bei Dreijährigen bei rund 90 Prozent. Und zum Zeitpunkt der Pubertät sind es nur noch rund zwei Prozent, bei denen sich die Verklebung noch nicht von alleine gelöst hat.

Frühestens bei der U9 sollte man über eine Phimose-OP nachdenken

Dr. Ulrich Fegeler vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ) plädiert dafür, sich vor dem fünften Geburtstag überhaupt nicht festzulegen. Erst danach, wenn ein Zurückziehen der Vorhaut immer noch nicht möglich ist, sollte man seiner Ansicht nach langsam an eine krankhafte Phimose denken. "Ich würde durchaus von Anfang an versuchen, vorsichtig die Vorhaut zu mobilisieren. Aber erst bei der U9, also im Alter von etwa fünf bis fünfeinhalb Jahren sollte eine Behandlung erfolgen."

Auch Dr. Beyer rät dazu, bis zum Vorschulalter zu warten. "Dann allerdings sollte schon die Möglichkeit gegeben werden, gründlich zu säubern, denn sonst können schnell Infektionen entstehen, die alles andere als erfreulich sind." Es gibt sogar Stimmen unter den Ärzten, die meinen, es sei das Beste, möglichst bis zur Pubertät zu warten - vorausgesetzt natürlich, es gibt keine Probleme oder Anzeichen von Entzündungen.

Typische Symptome einer Vorhautverengung

Phimose ist der medizinische Fachbegriff für die Vorhautverengung, bei der sich die Vorhaut nicht oder nur schwer über die Eichel ziehen lässt. Der Begriff kommt übrigens aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie "jemandem einen Beißkorb verpassen, erstickend". Da sich die Vorhaut am Penis des Jungen nicht oder nur mit Schwierigkeiten über die Eichel ziehen lässt, bekommt diese also symbolisch gesehen einen Maulkorb verpasst. Und zwar durch ein Missverhältnis zwischen der Größe der Eichel und der möglichen Dehnbarkeit der Vorhautöffnung. Die Verengung des äußeren Vorhautringes kann angeboren oder erworben sein. Nicht selten stecken Entzündungen der Eichel oder der Vorhaut und daraus entstehende Vernarbungen und Verhärtungen dahinter.

Es gibt ganz typische Symptome für eine krankhafte Vorhautverengung:

- die Vorhaut lässt sich nicht beziehungsweise nur unter starken Schmerzen zurückziehen (ringförmige Einengung/Schnürring)

- sie bläht sich beim Pinkeln auf

- Eichel oder Vorhaut sind häufig entzündet

- der Harnstrahl ist besonders dünn und/oder immer ein wenig abgelenkt

Sauberkeitswahn kann schlimme Folgen haben

"Allerdings sind die erworbenen Phimosen häufiger als die angeborenen, und zwar als Folge zu früher und zu rabiater Vorhautdehnungen beim Versuch der Vorhautretraktion (Anmerkung der Redaktion: des Zurückziehens der Vorhaut). Dadurch entstehen Mikroeinrisse mit daraus folgender Vernarbung", so Dr. Fegeler. Auch Dr. Beyer plädiert dafür, die Vorhaut in Ruhe zu lassen. "Der Reinlichkeitswahn mancher Eltern ist zu groß. Das ist überhaupt nicht notwendig, die Natur hat es schon so eingerichtet, dass sich das erst mal von selbst reinigt. Also: Hände weg! Denn wenn man die Vorhaut gewaltsam zurückzieht, reißt das Gewebe strahlenförmig ein. Das führt zu Narben und die dann zu den Verengungen." Das rabiate Zurückschieben der Vorhaut geschieht nicht selten aufgrund eines unsinnigen Sauberkeitswahns, manchmal aber auch einfach durch Ungeschicklichkeit - oft mit schlimmen Folgen.

Phimose muss behandelt werden

Wird eine ausgeprägte Phimose nicht behandelt, dann kann es zu einigen Komplikationen wie chronischen Entzündungen und Harnwegsinfekten kommen. "Besteht eine Vorhautverengung über Jahre, kann das sogar zu einer irreversiblen Veränderung  (Lichen sklerosus) der Vorhaut führen, die wiederum eine Beschneidung verlangt."

Aber man muss auch an die Zukunft des Kindes denken: Die Vorhaut ist nämlich ein sehr gefühlvolles Organ und wichtig für die sexuelle Stimulation. Wenn man sie beim Kind verletzt, geht man das Risiko ein, dass es später deutlich weniger Empfindungen in diesem Bereich haben wird. Und möglicherweise Schmerzen beim Sex. "Schlimmstenfalls ist die Phimose sogar ein Hindernis beim Sexualverkehr, weil die Vorhaut nicht über die Eichel gleiten kann", erklärt Dr. Fegeler.

Bei einer Vorhautverengung kann es zum Absterben von Gewebe kommen

Wird die Vorhaut mit Gewalt zurückgezogen und lässt sie sich dann nicht mehr zurückschieben, kann eine weitere Komplikation auftreten: die sogenannte Paraphimose, auch "Spanischer Kragen" genannt. Dabei wird die Vorhaut eingeklemmt, die Eichel nicht mehr richtig durchblutet - was zu starken Schmerzen und Schwellungen führt. Im schlimmsten Fall kann es sogar zu einem Absterben der Eichel kommen. In der Regel ist die Paraphimose ein urologischer Notfall, bei dem operiert werden muss. Bei der OP wird ein kleiner Schnitt in die Vorhaut gemacht, der akute Schäden durch Mangeldurchblutung vermeidet. Allerdings wird in einem solchen Fall nach dem Abklingen der Entzündung noch zu einer totalen Beschneidung geraten. Nur selten gelingt es, bei einer örtlichen Betäubung die Vorhaut wieder dahin zu bringen, wo sie hingehört und sie damit zu retten.

Vorhautverengung: Eine Operation ist oft gar nicht notwendig

Die Therapie einer Phimose besteht darin, die enge Vorhaut entweder zu erweitern oder, wenn das wirklich gar nicht möglich ist, sie zu entfernen. Ziel ist es, die Harnentleerung zu normalisieren, eine angemessene Körperhygiene und eine ungestörte sexuelle Funktion zu ermöglichen.

Bevor man an Operation oder gar Beschneidung denkt, gibt es noch die Möglichkeit, eine Therapie mit Kortisonsalben zu versuchen. Ist die Phimose nicht allzu ausgeprägt, besteht hier durchaus Hoffnung, dass nach einigen Wochen das Problem behoben ist. Immerhin hat die Methode, die sich inzwischen zu einer echten Alternative zur Beschneidung entwickelt hat, bei einem Großteil der Behandelten Erfolg. Eine entsprechende, vom Arzt verordnete Salbe, wird dabei mehrmals täglich auf die Penisspitze aufgetragen. Durch vorsichtiges Zurückschieben der Vorhaut kann diese langsam gedehnt werden.

Beschneidung möglichst vermeiden

Bleibt die Vorhautverengung trotzdem bestehen, ist die Harnentleerung erschwert oder sind bestimmte Symptome wie Vernarbungen beziehungsweise Entzündungen vorhanden, dann sollte man an eine Operation denken. Was nicht unbedingt gleichzusetzen ist mit einer Beschneidung, erklärt Dr. Fegeler. "Gänzlich kann die Vorhaut bei einer Operation nicht erhalten werden, aber zu mehr oder weniger großen Teilen. Je nach Ausgangslage können das bis zu zwei Drittel sein, die man erhalten kann." Die Vorhaut wird dabei durch eine spezielle Schnittführung und Nahttechnik geöffnet. "Ich bin ebenfalls dafür, nur so viel Vorhaut zu entfernen wie notwendig", so Dr. Beyer. "Viele Kollegen empfehlen aber nach wie vor die komplette Beschneidung. Letztendlich weil sie am komplikationslosesten, am einfachsten auch in der Nachbehandlung durch die Eltern ist." 

Man sollte allerdings bedenken: Eine Beschneidung ist nicht mehr rückgängig zu machen und die Folgen sind für ein Kind noch gar nicht überschaubar. "Zu therapeutischen Zwecken eine Beschneidung vorzunehmen, obwohl die medizinische Forschung andere Techniken erbracht hat, die mindestens so effektiv und weniger einschneidend sind", so die British Medical Association, "wäre unangebracht und unethisch."

Eine OP ist eine Sache von wenigen Minuten

Eine Vorhautoperation wird in der Regel in nur wenigen Minuten ambulant unter einer kurzen Narkose durchgeführt. Auch wenn es sich nur um eine leichte Anästhesie handelt: Den höchsten Sicherheitsfaktor hat man, wenn man den Eingriff in einer Einrichtung durchführen lässt, die auch für postoperative Notfälle gerüstet ist.

Nach der OP darf man sein Kind wieder mit nach Hause nehmen und es kann sich in vertrauter Umgebung erholen. Die meisten Patienten überstehen die Operation gut, nur selten kommt es zu Nachblutungen oder Infektionen. Allerdings ist dazu nach der OP eine sorgfältige Wundbehandlung notwendig.

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21.08.2013, 14:16 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

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