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Zukunft medizinischer Kinderabteilungen gefährdet

23.09.2011, 11:58 Uhr | dapd

Zukunft medizinischer Kinderabteilungen gefährdet. Kindgerechte medizinische Versorgung wird in Deutschland zunehmend schwieriger. (Quelle: imago)

Kindgerechte medizinische Versorgung wird in Deutschland zunehmend schwieriger. (Quelle: imago)

Ein ganz ungewöhnlich stiller Patient liegt auf der Röntgenliege. Ein brauner Teddybär offenbart den neugierigen Kindern und ihren Eltern in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Jena sein Innerstes. Professor Hans-Joachim Mentzel, der Leiter der Abteilung Kinderradiologie, hat persönlich diese besondere Sprechstunde übernommen und versucht, den kleinen Gästen die Angst vor der Untersuchung zu nehmen. Auch auf anderen Stationen stehen die Chefs an diesem Tag höchstpersönlich für Führungen und Auskünfte bereit.

Erstmals hat sich die Jenaer Kinderklinik am "Tag des offenen Kinderkrankenhauses" beteiligt. Das Haus muss wie auch die anderen Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen in Deutschland um seine Zukunft kämpfen. "Sie sind wegen des hohen Kostendrucks im Gesundheitswesen gefährdet", warnt der Vorstandsvorsitzende der Gesellschaft der Kinderkrankenhäuser und Kinderkrankenhäuser in Deutschland e.V. sowie Geschäftsführer der Kinderklinik Siegen, Jochen Scheel. Noch ist die medizinische Betreuung für kranke Kinder flächendeckend gegeben. "Doch die Lage spitzt sich zu." Auch der Direktor der Jenaer Kinderklinik, James F. Beck, sagt: "Wir stehen unter Druck, trotz Sparzwängen die gute Versorgung zu erhalten."

Gibt es in Deutschland bald keine kindgerechte medizinische Versorgung mehr?

Etwa jeder zehnte Patient in deutschen Krankenhäusern ist nach den Worten Becks unter 18 Jahre alt. Für die Versorgung stehen derzeit rund 300 Kinderabteilungen an Krankenhäusern sowie 25 Kinderkrankenhäuser zur Verfügung. Ihre Zahl hat sich in den vergangenen Jahren wegen des Geburtenrückgangs um 50 bis 60 Abteilungen bereits erheblich reduziert und wird weiter sinken. Damit steigt nach Ansicht Scheels die Gefahr, dass es in manchen Regionen keine kindgerechte medizinische Versorgung mehr gibt und die Eltern die weiten Wege zu einem Kinderarzt scheuen. "Doch Kinder und Jugendliche brauchen andere Therapien, anderen Beistand und gerade im Krankenhaus eine kindgerechte Umgebung", sagt Beck.

Mehr Personal und Spezialisten nötig

Für die Träger der Krankenhäuser ist Kinderheilkunde aufwendig und teuer. Die Fallzahlen sind gering, meist sind es spezifische Krankheiten, die mit den Leiden der Erwachsenen nicht verglichen werden können. Es wird mehr Personal für die Betreuung von Kindern und Eltern gebraucht. Die Häuser müssen mehr gutbezahlte Spezialisten sowie auf Kinder zugeschnittene medizinische Geräte vorhalten. Kliniken wie Jena ermöglichen für nahezu alle Kinder "rooming-in" - das Mitaufnehmen eines Elternteiles im Krankenhaus. "Der Personalkostenanteil in Kinderkrankenhäusern liegt mit rund 80 Prozent deutlich unter den Erwachsenenhäusern mit 60 bis 70 Prozent", sagt Scheel.

Große Kliniken wie die in Jena mit rund 5000 Patienten pro Jahr können mit stärkerer Stimme für ihre wirtschaftlichen Interessen eintreten als kleine Abteilungen, sagt der Direktor der Abteilung Neuropädiatrie, Ulrich Brandl. So haben sie erreicht, dass kranke Kinder nicht in allen Fällen wie kranke Erwachsene abgerechnet werden müssen. Doch bei der Vergütung der ambulanten Versorgung, deren Fallzahlen sich allein in der Jenaer Neuropädiatrie innerhalb der vergangenen zehn Jahre mehr als verdoppelt hat, bahnen sich "große Probleme" an, sagt Brandl. Sie ist nach seinen Worten dem Aufwand nicht angepasst.

Die Kinderklinik Jena hat einen Weg zur Lösung ihrer finanziellen Probleme gefunden. Anders als die vielen kleinen, nahe beieinander liegenden Kinderabteilungen an ostdeutschen Krankenhäusern, deren Zukunft nach Ansicht Scheels am ehesten gefährdet ist, setzen die Jenaer auf Kooperation und Spezialisierung. Teure, hochspezialisierte Geräte werden mit anderen Häusern der Region gemeinsam genutzt. Spezialisten arbeiten für eine ganze Reihe von Kinderabteilungen. Die Kinderonkologie, das Blutstammzell-Transplantationszentrum oder auch das Mukoviszidose-Zentrum sind für mehrere Bundesländer zuständig.

Diese Kliniken sind "ausgezeichnet für Kinder"

Eltern von kranken Kindern wird die Wahl des besten Krankenhauses seit vorigem Jahr erleichtert. Die Gesellschaft der Kinderkrankenhäuser vergibt für jeweils zwei Jahre das Prüfsiegel "Ausgezeichnet für Kinder". "Mehr als die Hälfte der Häuser hat sich beteiligt", sagt der Vorstandsvorsitzende. Derzeit werden die Krankenhäuser erneut überprüft, ob sie die Mindeststandards einhalten.

Hier finden Sie die bisher schon ausgezeichneten Kinderkliniken:

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