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Stotternde Kinder: "Mein Wort will nicht raus!"

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Stotternde Kinder  

"Mein Wort will nicht raus!"

13.10.2011, 18:49 Uhr | dpa

Stotternde Kinder: "Mein Wort will nicht raus!". Stottern: Normale Sprachentwicklung oder ein Fall für die Therapie?  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Stottern: Normale Sprachentwicklung oder ein Fall für die Therapie? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Manchmal hat Jasmin einen guten Tag. Dann plappert sie einfach drauflos - ohne zu stocken oder erneut Anlauf für ein Wort zu nehmen. An anderen Tagen hat die Fünfjährige dagegen mit ihrem Stottern zu kämpfen. Dann sagt sie: "Mama, heute ist ein blöder Tag, mein Wort will nicht raus", erzählt ihre Mutter Anja Frey.

Frey hat als Kind selbst gestottert und nun ein Netzwerk für Eltern betroffener Kinder gegründet. Viele Erwachsene seien mit der Krankheit überfordert, weiß sie mit Blick. "Sie wollen sich nicht eingestehen, dass ihre Kinder nicht vollkommen sind."

Stottern nicht unbedingt thematisieren

Nicht immer reagieren Erwachsene intuitiv richtig auf das Stottern. Oft sei es besser, den gestörten Sprechfluss der Kinder zunächst zu ignorieren und nicht anzusprechen. "Denn sonst wird ein Thema aufgerufen, das für das Kind vielleicht noch gar nicht besteht", erklärt Walburga Brügge, Logopädin aus Hamm. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Katharina Mohs hat sie ein Buch über kindliches Stottern geschrieben.

Das Stottern zu thematisieren, vermittele dem Kind, dass es etwas falsch mache, meint auch Werner Rauschan. Er ist ebenfalls Logopäde und arbeitet in seiner Praxis in Saarbrücken sowohl mit jungen als auch erwachsenen Stotterern.

Teil der Sprachentwicklung?

Finden Kinder nicht sofort die richtigen Worte oder wiederholen sich mehrmals im Satz, mache sie das nicht automatisch zu Stotterern. "Das gehört zur normalen Sprachentwicklung dazu", sagt Rauschan. Das flüssige Reden müsse erst erlernt werden. Für Eltern sei es allerdings schwer auszuhalten, wenn die Sprachentwicklung ihrer Kinder ins Stocken gerät. Deshalb rät Rauschan Eltern, sich von einem Logopäden beraten zu lassen - ohne dass die Kinder zunächst dabei sind.

Nicht ins Wort fallen und nicht wegschauen

Das Stottern können Eltern nicht beeinflussen, die Gesprächsatmosphäre dagegen schon. "Es ist wichtig, dem Kind nicht ins Wort zu fallen und Blickkontakt zu halten, wenn es etwas erzählen möchte", sagt Brügge. Das gilt vor allem dann, wenn sich das Kind verhaspelt oder mehrere Versuche macht, einen Satz zu beenden.

"Gucken Eltern weg, empfinden Kinder das als Bestrafung." Wichtig sei es, dem Kind zu zeigen, dass man Zeit hat, ihm zuzuhören. Ist das nicht der Fall, sollten Eltern das sagen, empfiehlt Rauschan. Sie könnten zum Beispiel sagen "Warte, ich muss das hier fertigmachen, dann habe ich Zeit für dich." Belehrungen und Verbesserungen aller Art sollten dagegen vermieden werden, auch gut gemeinte wie "Fang noch einmal an, du kannst das doch besser." Damit setze man die Kinder zusätzlich unter Druck.

Wann ist eine Therapie gegen Stottern sinnvoll?

Eltern könnten zunächst einige Zeit beobachten, ob sich das Stottern wieder verliert. Bemerken sie, dass ihre Kinder das Sprechen vermeiden oder bestimmte Wörter nur unter starkem Druck und Pressen herausbringen, sollte eine Therapie beim Logopäden begonnen werden.

Dies kann vom Haus- oder Hals-Nasen-Ohren-Arzt verordnet werden. Beim Logopäden lernen die Kinder, frei und ohne Angst zu sprechen. Der Unterricht ist spielerisch gestaltet: "Ich lasse die Kinder etwa mit Handpuppen oder rhythmisch sprechen", erklärt Rauschan.

Blockaden und Ängste werden stärker

Während Kinder im Vorschulalter noch unbefangen mit ihrem Stottern umgehen, wandelt sich das meist mit der Einschulung. "Sie entwickeln Angst vor dem Sprechen vor der Klasse, die Blockaden werden stärker", sagt Rauschan.

Anja Frey ist das Problem offensiv angegangen. Ihr siebenjähriger Sohn hat nach der Einschulung für eine Zeit ebenfalls gestottert und sehr undeutlich gesprochen. "Ich habe das Problem gegenüber Lehrern und Eltern angesprochen." Das sei ihr lieber, als dass ihr Sohn schief angeguckt werde. Ihrer Tochter bereitet es vor allem Schwierigkeiten, vor Fremden zu sprechen. "Da hat sie Hemmungen und flüstert lieber." Mittlerweile ist sie bei einer Logopädin in Behandlung, die ihr das flüssige Sprechen erleichtern soll.

Nicht immer verschwindet das Stottern völlig

Nicht immer schafft es der Therapeut jedoch, das Stottern völlig zu beseitigen. Ziel sei es, die Betroffenen dahin zu bringen, dass ihnen ihr Stottern nichts mehr ausmacht. "Sie sollen keinen Stress mehr damit haben und lernen, mit Blockaden umzugehen", sagt Rauschan.

Anja Frey hat diese Denkweise geholfen. "Mit 14 oder 15 fand ich es irgendwann zu anstrengend, irgendeine Atemtechnik anzuwenden. Ich habe einfach akzeptiert, dass ich immer stottern werde. Und danach ging es mir besser."

Den Tag in Worte fassen

Eltern sind für ihre Kinder sprachliches Vorbild. Damit Kinder lernen, von ihrem Tag zu erzählen, sollten Mutter und Vater ihnen das vorleben, sagt Logopädin Walburga Brügge. Dies funktioniere bei gemeinsamen Unternehmungen oder einem Ritual, etwa indem man sich nach dem Essen für eine halbe Stunde zusammensetzt und sich erzählt, was passiert ist.

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