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Komasaufen: Zahl der Fälle immer noch erschreckend hoch

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Komasaufen: Kommt die Jugend nicht von der Flasche los?

13.12.2011, 16:07 Uhr | dpa

Komasaufen: Zahl der Fälle immer noch erschreckend hoch. Koma-Saufen: Teenager im Alkoholrausch.

Die Zahl der alkoholbedingten Krankenhausaufenthalte steigt weiter an. (Bild: Imago)

Komasaufen bis der Arzt kommt: 26.000 Kinder und Jugendliche landeten 2010 mit Alkoholvergiftung im Krankenhaus. Bei den ganz Jungen geht die Zahl zurück, bei Älteren ist der Trend zum Alkoholmissbrauch ungebrochen. Fachleute klagen: Sie kommen zu leicht an Hochprozentiges. Daran sind Erwachsene schuld.

Bei Alkoholvergiftung besteht Lebensgefahr

Wenn Petra Knauer im Frankfurter Bürgerhospital ihren Dienst antritt, schaut sie als erstes nach den Kindern auf der Intensivstation. Sie hängen an Schläuchen und Kabeln, bekommen Flüssigkeit per Infusion, Kreislauf und Atmung müssen überwacht werden, denn es besteht akute Lebensgefahr. Als Oberärztin der Klinik für Abhängigkeitserkrankungen am Frankfurter Bürgerhospital betreut die Psychiaterin jene Klientel, die als "Komasäufer" bezeichnet werden.

Alkoholmissbrauch bei Kindern geht leicht zurück

Im vergangenen Jahr wurden knapp 26.000 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 20 Jahren wegen einer akuten Alkoholvergiftung in einem Krankenhaus behandelt. Bei den Älteren ist die Neigung zum Komasaufen ungebrochen: Bei den 15- bis 20-Jährigen zeigt die Kurve der Statistiker weiter nach oben. 2010 gab es in dieser Altersgruppe 2,9 Prozent mehr Krankenhausaufenthalte nach Saufgelagen als 2009. Immerhin: Bei Kindern gibt es erste Erfolge. 2010 kamen 5,5 Prozent weniger als im Vorjahr vor dem 15. Geburtstag wegen akuten Alkoholmissbrauchs ins Krankenhaus.

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"Die Gesellschaft ist gefordert"

Der Rückgang bei den Jüngsten sei "eine gute Nachricht", sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans. Die Gesamtzahl sei jedoch "immer noch viel zu hoch". Der insgesamt anhaltende Trend zum Komasaufen müsse durch bessere Prävention und konsequente Einhaltung des Jugendschutzes umgekehrt werden, fordert sie. "Wir haben die Probleme noch nicht gelöst", sagt auch Michael Hübner, Landeschef der Krankenkasse DAK in Hessen. "Die aktuellen Zahlen sind alarmierend und fordern uns als Gesellschaft." Die DAK werde ihre Präventionskampagne "bunt statt blau" fortsetzen.

Experte sieht Jugendliche als Opfer

"Seit Jahren sind wir bei Alkoholvergiftungen auf einem völlig indiskutablen Niveau", klagt auch Raphael Gaßmann, Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen in Hamm. Die Jugendlichen sind aus seiner Sicht mehr Opfer denn Täter: "Für alles, was bei Kindern und Jugendlichen mit Alkohol zu tun hat, sind ausschließlich Erwachsene verantwortlich", sagt Gaßmann. "Wenn ein Jugendlicher zur Tankstelle geht und sich eine Flasche Wodka kauft, ist er kein Täter. Derjenige, der dafür sorgt, dass er ihn kriegt, ist der Täter." Er fordert eine Einschränkung von Alkoholwerbung, höhere Preise für Spirituosen und strengere Kontrollen beim Verkauf an Minderjährige.

Weniger Jugendliche saufen - aber dann exzessiv

Der Alkoholkonsum bei Jugendlichen ist widersprüchlich: Immer weniger von ihnen trinken - aber wenn, dann exzessiv. Das belegt eine Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter Zwölf- bis 17-Jährigen: "Während 2004 noch etwa jeder Fünfte (21,2 Prozent) dieser Altersgruppe angab, mindestens einmal in der Woche Alkohol zu trinken, lag dieser Anteil 2010 bei 12,9 Prozent", heißt es im jüngsten Bericht der Drogenbeauftragten. Andererseits kam es im vergangenen Jahr bei jedem fünften Zwölf- bis 17-Jährigen mindestens einmal im Monat zum Komasaufen, bei den 18- bis 25-Jährigen sogar bei jedem zweiten.

Positiv: Öfter wird der Arzt gerufen

Dass die Klinikaufenthalte zunehmen, muss nicht heißen, dass immer mehr Jugendliche sich besinnungslos saufen. Es kann sogar ein positives Zeichen sein: "Ein Teil dieses Anstiegs geht darauf zurück, dass das bisherige Dunkelfeld erhellt wurde." So interpretiert Heidi Kuttler, Bundeskoordinatorin des Präventionsprojekts "Halt" ("Hart am Limit"), die aktuellen Zahlen. "Vor zehn, zwanzig Jahren hat niemand den Arzt gerufen, egal wie betrunken jemand war. Heute ist das Umfeld sensibler geworden."

Jugendliche schießen sich mit harten Drinks ab

Das Präventionsprojekt "Halt", 2003 in Lörrach ins Leben gerufen und heute mit 140 Standorten bundesweit aktiv, greift das Problem von zwei Seiten an: Die Mitarbeiter sprechen die Betroffenen nach einem Alkoholexzess noch im Krankenhaus an und erklären ihnen, was der Alkohol mit ihnen macht. "Es reicht nicht, dass man das Kind auffängt, wenn es in den Brunnen gefallen ist", sagt Kuttler. Wichtiger sei, dass es gar nicht zu schweren Alkoholvergiftungen kommt. "Mit Bier oder Wein säuft sich keiner ins Koma", sagt Kuttler. "90 Prozent der Jugendlichen, die im Krankenhaus enden, haben Spirituosen getrunken."

Komasaufen aus Liebeskummer und Gruppenzwang

"Manchmal ist es Liebeskummer, manchmal der Gruppenzwang", berichtet die Frankfurter Ärztin. Auch LAN-Partys, bei denen sich Jugendliche zum Computerspielen treffen, arten bisweilen zum Massenbesäufnis aus. Bestenfalls bekommen die Freunde Angst, holen Hilfe - und retten damit Leben. Dem 16-jährigen Lukas half keiner, als er 2007 nach einem Wetttrinken in einer Berliner Kneipe ins Koma fiel. Er hatte mindestens 45 Tequila intus und starb vier Wochen später.

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