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Foodwatch: Herstellung ungesunder Lebensmittel hat Methode

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Foodwatch  

Foodwatch: Herstellung ungesunder Lebensmittel hat Methode

13.03.2012, 13:09 Uhr | dapd

Der Vorwurf klingt ungeheuerlich: Die Verbraucherorganisation Foodwatch unterstellt der Lebensmittelindustrie, bewusst ungesunde Kinderprodukte herzustellen. Während die Hersteller mit Obst und Gemüse Margen von weniger als fünf Prozent erzielten, erreichten sie bei Süßwaren, Softdrinks und Snacks Umsatzrenditen von 15 Prozent und mehr, sagt die Expertin Anne Markwardt. Laut der Foodwatch-Studie "Kinder kaufen" sind die meisten speziell für Kinder hergestellten Lebensmittel ungesund.

Nur zwölf Prozent der getesteten Produkte unbedenklich

Demnach fallen knapp drei Viertel der 1514 untersuchten Produkte in die Kategorie der süßen und fettigen Snacks. Nur 12,4 Prozent der Produkte seien unbedenklich.

Gesunde Produkte lohnen sich für die Hersteller nicht

Mit Obst und Gemüse lasse sich wenig Profit machen, mit Junk Food und Softdrinks deutlich mehr, erklärte Markwardt das Ergebnis. Es lohne sich ganz einfach nicht, gesunde Produkte ans Kind zu bringen. Die Hersteller hätten betriebswirtschaftlich größtes Interesse daran, möglichst viele unausgewogene Produkte zu verkaufen und die Kinder "so früh wie möglich auf ungesundes Junk Food" zu programmieren. Solche Produkte sollten nicht mehr als Kinderprodukte beworben werden und mit Comicfiguren, Spielzeugbeigaben und Gewinnspielen vermarktet werden, forderte sie. Darüber hinaus müssten Schulen und Kindergärten PR-freie Räume werden.

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Anteil übergewichtiger Kinder stark gestiegen

Markwardt wies darauf hin, es sei wissenschaftlich belegt, dass sich Kinder nicht gesund ernährten. Nur die Hälfte esse die empfohlene Menge an Obst und Gemüse, konsumiere aber weit mehr als 200 Prozent der empfohlenen Menge an Süßwaren und Softdrinks. Der Anteil der Kinder mit Übergewicht sei im Vergleich zu den 80er und 90er Jahren um 50 Prozent gestiegen, heute gelten demnach 15 Prozent der Kinder als zu dick, sechs Prozent sogar als fettleibig. Folgen seien erhöhtes Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ein Prozent der Kinder leide bereits heute an Altersdiabetes.

Auch die Bundesregierung steht in der Kritik

Foodwatch zufolge lag das Werbebudget der Lebensmittelindustrie für Früchte und Gemüse im Jahr 2011 bei 7,3 Millionen Euro. Dagegen war der Topf für Schokolade, Süßwaren und Eiscreme mit 722,8 Millionen Euro fast 100 Mal so groß. Die Verbraucherschützer kritisieren auch die Bundesregierung. Anstelle klarer Vorgaben für die Hersteller binde sie die Junk Food-Industrie in ihre Initiativen und Aktionspläne gegen Übergewicht ein.

Mehr als 1.500 Produkte als Kinder-Lebensmittel identifiziert

Foodwatch hatte über Recherchen in Berliner Supermärkten sowie in Internetangeboten von Händlern und Herstellern zwischen April 2011 und Januar 2012 insgesamt 1514 Produkte als spezielle Kinder-Lebensmittel identifiziert. Darunter fielen Produkte, die sich durch Bezeichnung oder Aktionen gezielt an Kinder richteten.

"Ampel" für Kinderprodukte

Diese Produkte wurden mithilfe der Ernährungspyramide eines vom Bundesverbraucherministeriums geförderten Vereins bewertet. Bei diesem Modell wurden die Produkte in drei durch Farben unterteilte Pyramiden-Ebenen eingeteilt: Rot (Öle, Fette, Snacks), gelb (Milchprodukte, Fleisch) und grün (Obst, Gemüse, Getreideprodukte, Wasser und ungesüßte Tees).

"Ein Dreijähriger geht ja nicht selbst einkaufen"

Perfide: Gesunde Produkte zu verkaufen, lohnt sich nicht. (Quelle: dpa)Perfide: Gesunde Produkte zu verkaufen, lohnt sich nicht.Das Bundesverbraucherministerium hält spezielle Lebensmittel für Kinder im Grunde für überflüssig. "Ein Kind, das den Geschmack von klebrigen Puddings oder künstlichen Süßspeisen gewohnt ist, kann richtige Obstsüße kaum noch wertschätzen", erklärte das Ministerium. Es appellierte an die "besondere Verantwortung" der Wirtschaft hinsichtlich der Werbung. In erster Linie komme es aber auf die Eltern an. "Ein Dreijähriger geht schließlich nicht selbst zum Einkaufen in den Supermarkt."

Grüne fordern Beschränkung der Werbung

Die Grünen im Bundestag forderten ein "Verbot von Werbung, die sich an kleine Kinder richtet, anstatt zahnloser Selbstverpflichtungen der Industrie". Die SPD-Fraktion verlangte "klare gesetzliche Regelungen zur Eindämmung der Kinderwerbung". Der FDP-Gesundheitsexperte Erwin Lotter nannte den Hinweis des Ministeriums auf Dreijährige "abenteuerlich verharmlosend: Natürlich steht ein Dreijähriger nicht selbst zum Bezahlen an der Kasse - sondern davor, und quengelt, weil in seiner Augenhöhe die Schokoriegel ausliegen".

UN-Experten fordern Sondersteuer für Junk Food

Erst vor wenigen Tagen hatten UN-Experten eine Sondersteuer auf Chips, Soft Drinks wie Cola und jegliche Art von Junk Food gefordert. Das wäre eine der notwendigen Maßnahmen zur Überwindung der in reichen Staaten wie Deutschland verbreiteten ungesunden Ernährungsweise, hieß es in Genf.

Lebensmittelhersteller weisen die Kritik zurück

Aus Sicht des Spitzenverbandes der Lebensmittelwirtschaft ist der Report von Foodwatch einseitig. Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde kritisierte, die Auswahl der Kinderlebensmittel sei willkürlich. Es existiere keine Definition von "Kinderlebensmitteln". Darüber hinaus sei der Anteil solcher Lebensmittel am Gesamtsortiment sehr klein. Kindliches Übergewicht sei auch vor allem auf Bewegungsmangel und den gesamten Lebensstil zurückzuführen.

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